Ulrich Heyden (Medienpräsenz)

1:11:38

In meiner neuen Gesprächsrunde mit dem ostdeutschen Filmregisseur Wilhelm Domke-Schulz geht es um den Besuch des CIA-Chefs, John Ratcliffe, in Moskau, den russischen Vorstoß auf Slawjansk, die Proteste Jugendlicher in der Westukraine gegen die Zwangsmobilisierung, die Anziehungskraft, welche die AfD auf Ostdeutsche ausübt und die Reparationen, die Westdeutschland 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch nicht an Russland gezahlt hat. 

Zeitmarken

00:00 Einleitung 
01:27 Warum flog CIA-Direktor, John Ratcliffe, nach Moskau? 
05:14 Russischer Vorstoß auf Slawjansk 
06:19 Proteste gegen Mobilisierung in der Westukraine 
10:08 Militärisch antwortet Russland spiegelbildlich 
17:52 Moskau droht mit Kappen der Rohstoffe an den Westen 
19:50 Größenwahnsinniger Imperialismus 
20:11 Warum gehen die Deutschen nicht auf die Straße? 
22:23 Die Schuldumkehrung oder wer hat Ostdeutschland zu Grunde gerichtet? 
23:13 Von Reparationen will Westdeutschland seit 1945 nichts wissen 
27:13 Warum hat die AfD Zulauf in Ostdeutschland? 
37:24 Wenn der Souverän sich ermächtigt … 
38:38 Statt Abtrennung – Wiederaufbau von Ostdeutschland 
42:55 Reparationen für den Wiederaufbau von Ostdeutschland 
47:35 Reparationen in Westdeutschland unbekannt 
52:38 Zielgerichtete Vernichtung der ostdeutschen Wirtschaft 
56:37 Buchempfehlungen 
56:50 Das Wirken des "Ostbüros" der SPD in den 1950er Jahren 
01:03:42 Parteiführer regieren gegen den Willen ihrer Wähler 
01:05:21 Medien: Damals gegen die Grünen, jetzt gegen AfD 
01:07:22 Die Fixierung auf das Parlament 
01:08:36 Es gibt keine linke Volkspartei

21:12

Ich habe am 11. April 2025 in Moskau Frauen interviewt, die als Kinder aus dem Kaluga-Gebiet, südwestlich von Moskau, von der Wehrmacht und ukrainischen Hilfspolizisten ins Baltikum verschleppt wurden, wo sie in Konzentrationslager gefangen gehalten wurden. Den Frauen, die damals noch Kinder waren, wurde dort zwangsweise Blut für verletzte deutsche Soldaten abgezapft. 
Ich traf die Frauen auf einer Gedenkveranstaltung im Moskauer "Sieges-Park" wo aus Anlass des Internationalen Gedenktages der Zwangsarbeiter eine Veranstaltung unter freiem Himmel stattfand. 
In Deutschland ist kaum bekannt, dass es in Russland, im Baltikum, in Weißrussland und der Ukraine zahlreiche Konzentrationslager für Kinder gab. Der Zweck dieser Konzentrationslager war die Blutgewinnung für verletzte deutsche Soldaten und die Suche nach geeigneten jungen Arbeitskräften, die man nach Deutschland schicken wollte. 
Die für die besetzten Territorien zuständigen Behörden des NS-Regimes, hatten angeordnet, möglichst Alles, was die Wehrmacht brauchte, im besetzten Territorium zu beschlagnahmen, nicht nur Lebensmittel, sondern auch das Blut von Kindern. Da den Kindern mehrmals Blut entnommen wurde, war die Sterblichkeitsrate hoch. 
In diesem Video berichtet die 86 Jahre alte Ewdakija Anikanowa, wie sie als Vierjährige das erste Mal für einen deutschen Soldaten Blut spendete. 
Frau Anikanowa berichtet auch über die Besetzung ihres Dorfes, Iwankowo, im Kaluga-Gebiet, von 1941 bis 1943 durch die deutsche Wehrmacht. 
Die von mir interviewte Dame konnte nach dem Krieg eine Ausbildung als Agronomin machen. Später lehrte sie an der Moskauer Lomonossov-Universität. 
In mehreren Büchern berichtete sie über ihre Erfahrungen als "Blutspenderin" und über ihre Mutter, die im Baltikum als Zwangsarbeiterin beim Bunkerbau eingesetzt wurde. 
Schließlich geht es in diesem Video um ein von der Partei "Die Linke" im Bundestag im Januar 2019 beantragtes Denkmal in Berlin, zur Erinnerung an den deutschen Vernichtungskrieg in der Sowjetunion. Der Antrag der Linken wurde von allen anderen Parteien im Bundestag abgelehnt. 
Nach russischen Angaben starben im Zweiten Weltkrieg 14 Millionen sowjetische Zivilisten.

35:30

Vom 22. bis zum 30. Mai 2026 fand Sewastopol auf der Krim das 35. Filmfestival Solotoi Witjas (Goldener Recke) statt. Der deutsche Regisseur und Filmemacher Wilhelm Domke-Schulz war zum wiederholten Mal Mitglied der Jury. Ein Film von Domke-Schulz über internationale Wahlbeobachter in dem von Russland kontrollierten Gebiet Saporoschje wurde auf dem Festival gezeigt. Domke-Schulz berichtet über seine Eindrücke und inwieweit ukrainischer Drohnen- und Raketenbeschuss das Festival behinderte.

37:10

Am 10. Mai trat der Liedermacher Tino Eisbrenner in Moskau mit seinem Programm "Mein russisches Album" auf. An der Gitarre wurde er begleitet von Tobias Thiele. In meiner Video-Dokumentation sieht man Ausschnitte aus dem Auftritt der beiden Künstler. Zuhörer waren Russen und Gäste aus Deutschland. 
Die Lieder waren Teil einer Vortragsveranstaltung zum Thema „81 Jahre später – Der Sieg über den Hitlerfaschismus und die Lehren für die heutige Welt“. 
Organisator der Veranstaltung war Klaus Koch – Leiter der Deutschen Abteilung des Internationalen Antifaschistischen Informationszemtrums (IAIZ), Mitglied des Präsidiums des Deutschen Friedensrates und Mitgründer des Vereins Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe.
Auf der Veranstaltung wurde referiert über Fragen eines drohenden Digital-Faschismus (Dr. Aleksandr Kamkin), über die Rolle Deutschlands (Jewgeni Warschawski, Jurist, Internationales Recht), die Rolle der Kultur in der Gesellschaft (Tino Eisbrenner), die Genozid-Methoden westlicher Kolonialmächte in Afrika (Maksim Rewa, Afrikanische Initiative) und die Diskriminierung der russischen Minderheit in Lettland (Andrej Mamykin, ehemaliger Abgeordneter (2014-2019) des Europaparlaments). 
Im Anschluss gab es eine Diskussion über die verschiedenen Erscheinungsformen von Faschismus und darüber, wie man Spaltungen in der Friedensbewegung überwinden kann. 

17:48

Was passierte 1988/89, unmittelbar vor und nach der Mauer-Öffnung in Leipzig? Darüber berichtet die Schriftstellerin Katrin McClean, die damals in Leipzig Psychologie studierte und aktiv war in der Bildungsgruppe des Neuen Forums. Die Gruppe erarbeitete Konzepte für ein neues Bildungssystem der DDR. Die Debatten an der Uni seien 1988 "sehr offen" gewesen erzählt die ehemalige DDR-Bürgerin. In einem Kinderheim, wo McClean damals arbeitete, habe sie modernere Erziehungsmethoden einführen können. Als dann im November 1989 die Mauer fiel, sei ihr und ihren Freunden klar gewesen: „Das war´s“. Die DDR würde diese chaotische Entwicklung nicht überleben. Es gelang nicht, die von der Bildungsgruppe des Neuen Forums entwickelten Konzepte in der Bundesrepublik zu realisieren, weil Sachsen nach der Vereinigung das Bildungssystem von Bayern übernahm. Gegen den Sozialismus habe man damals in Leipzig nicht demonstriert, sondern für eine modernere Wirtschaft und ein Mehrparteiensystem, erzählt die Schriftstellerin, die heute in Hamburg lebt. 

5:17

In dem Buch berichten russische Kriegsveteranen über ihre Erlebnisse beim Kampf zur Befreiung der Sowjetunion und Europas vom Faschismus, über ihre Gefangenschaft, Flucht aus Gefangenschaft und Zwangsarbeit. Meine Interviews mit den Veteranen führte ich in den letzten 23 Jahren in verschiedenen Regionen Russlands. In dem Buch gibt es außerdem Analysen zu Geschichtsfälschung und neuer Kriegsgefahr.

Dass die sowjetischen Soldaten beim Sturz der NS-Herrschaft in Europa eine entscheidende Rolle spielten, wird seit 2014 immer mehr heruntergespielt oder sogar gänzlich verleugnet. Immer mehr verdrängt wird in den großen deutschen Medien, dass im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Sowjetbürger starben, dass über die Hälfte der 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen an Hunger und Krankheiten elendig verreckten und dass 8,7 Millionen sowjetischer Zwangsarbeiter die deutsche Kriegswirtschaft am Laufen hielten.

53:54

Es ist ein Trauma — ein Trauma das verdrängt bleiben muss. Während der Kniefall Willy Brands in Warschau sich in's kollektive Gedächtnis eingebrannt hat und die Erinnerung an 6 Millionen Toten im Holocaust den Kern der Deutschen "Erinnerungskultur" bilden, ist die Deutsche Schuld gegenüber den 27 Millionen toten Bürgern der Sowjetunion noch immer ein Tabuthema, gerade jetzt da sich Europa für den nächsten Grosskrieg gegen den Osten wappnet. Darüber und über die Erfahrungen meines Gastes während über 30 Jahren in Russland wollen wir heute reden.

Heute habe ich den Buch-Autor und Moskau-Korrespondenten Ulrich Heyden bei mir. Herr Heyden ist seit 1992 in Russland für verschiedene zeitungen tätig und publiziert im Moment für die Nachdenkseiten und andere deutschsprachige Internetportale.