Ulrich Heyden (Medienpräsenz)

17:48

Was passierte 1988/89, unmittelbar vor und nach der Mauer-Öffnung in Leipzig? Darüber berichtet die Schriftstellerin Katrin McClean, die damals in Leipzig Psychologie studierte und aktiv war in der Bildungsgruppe des Neuen Forums. Die Gruppe erarbeitete Konzepte für ein neues Bildungssystem der DDR. Die Debatten an der Uni seien 1988 "sehr offen" gewesen erzählt die ehemalige DDR-Bürgerin. In einem Kinderheim, wo McClean damals arbeitete, habe sie modernere Erziehungsmethoden einführen können. Als dann im November 1989 die Mauer fiel, sei ihr und ihren Freunden klar gewesen: „Das war´s“. Die DDR würde diese chaotische Entwicklung nicht überleben. Es gelang nicht, die von der Bildungsgruppe des Neuen Forums entwickelten Konzepte in der Bundesrepublik zu realisieren, weil Sachsen nach der Vereinigung das Bildungssystem von Bayern übernahm. Gegen den Sozialismus habe man damals in Leipzig nicht demonstriert, sondern für eine modernere Wirtschaft und ein Mehrparteiensystem, erzählt die Schriftstellerin, die heute in Hamburg lebt. 

5:17

In dem Buch berichten russische Kriegsveteranen über ihre Erlebnisse beim Kampf zur Befreiung der Sowjetunion und Europas vom Faschismus, über ihre Gefangenschaft, Flucht aus Gefangenschaft und Zwangsarbeit. Meine Interviews mit den Veteranen führte ich in den letzten 23 Jahren in verschiedenen Regionen Russlands. In dem Buch gibt es außerdem Analysen zu Geschichtsfälschung und neuer Kriegsgefahr.

Dass die sowjetischen Soldaten beim Sturz der NS-Herrschaft in Europa eine entscheidende Rolle spielten, wird seit 2014 immer mehr heruntergespielt oder sogar gänzlich verleugnet. Immer mehr verdrängt wird in den großen deutschen Medien, dass im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Sowjetbürger starben, dass über die Hälfte der 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen an Hunger und Krankheiten elendig verreckten und dass 8,7 Millionen sowjetischer Zwangsarbeiter die deutsche Kriegswirtschaft am Laufen hielten.

53:54

Es ist ein Trauma — ein Trauma das verdrängt bleiben muss. Während der Kniefall Willy Brands in Warschau sich in's kollektive Gedächtnis eingebrannt hat und die Erinnerung an 6 Millionen Toten im Holocaust den Kern der Deutschen "Erinnerungskultur" bilden, ist die Deutsche Schuld gegenüber den 27 Millionen toten Bürgern der Sowjetunion noch immer ein Tabuthema, gerade jetzt da sich Europa für den nächsten Grosskrieg gegen den Osten wappnet. Darüber und über die Erfahrungen meines Gastes während über 30 Jahren in Russland wollen wir heute reden.

Heute habe ich den Buch-Autor und Moskau-Korrespondenten Ulrich Heyden bei mir. Herr Heyden ist seit 1992 in Russland für verschiedene zeitungen tätig und publiziert im Moment für die Nachdenkseiten und andere deutschsprachige Internetportale.

Nikolai Asarow war von 2010 bis 2014 Ministerpräsident der Ukraine. Vergangene Woche sagte er in der einer Anhörung vor dem Moskauer Dorogomilowski-Gericht als Zeuge aus. Die Anhörung fand im Rahmen einer Klage statt, mit der juristisch festgestellt werden soll, dass in der Ukraine im Februar 2014 ein Staatsstreich stattfand. In der Anhörung erklärte Asarow, auf die ukrainische Regierung sei von westlichen Politikern 2013 starker Druck ausgeübt worden, den Vertrag zur Assoziierung mit der EU zu unterschreiben.

Seine Versuche, die Botschafter Deutschlands und anderer westlicher Staaten in Kiew davon zu überzeugen, dass die Maidan-Aktionen auf einen gewaltsamen Machtwechsel zielten, seien komplett ignoriert worden. Nach dem Machtwechsel im Februar 2014, verließ Asarow die Ukraine und wohnt seitdem in Moskau, wo er 2015 mit anderen politischen Flüchtlingen ein „Komitee zur Rettung der Ukraine“ gründete. RT Deutsch-Korrespondent Ulrich Heyden traf Asarow zum Interview.