Innere Zeitenwende
Die Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur. Eine Flugschrift

Drei Tage nach Beginn der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in der Ukraine im Februar 2022 erklärte der damalige deutsche Bundeskanzler die »Zeitenwende«, die nach »außen« gerichtet war. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet sie aber inzwischen nach innen. Die Ende 2023 u.a. von Carlo Masala geforderte »innere Zeitenwende« ist Realität.

ISBN 978-3-96488-259-2 1. Auflage 28.04.2026 12,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Softcover)

Die Umstellung auf »Kriegswirtschaft« bindet gesellschaftliche Ressourcen, Infrastrukturausgaben werden dem Ziel untergeordnet, auch Bahn und Autobahnbrücken kriegstüchtig zu machen. Mit der Militarisierung des Alltags werden Krankenhäuser, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk systematisch auf Krieg vorbereitet, Hochschulen sollen mit der Bundeswehr und Rüstungskonzernen kooperieren. Neue Munitionsfabriken werden medienwirksam eröffnet, die Krise der Autoindustrie soll genutzt werden, um Straßenbahn- und Autofabriken in Rüstungsbetriebe zu verwandeln.

Die Bundeswehr lässt nicht nur bei Schauveranstaltungen Menschen auf Panzern herumklettern, sondern wird auch in Schulen zugelassen, um gezielt Kinder und Jugendliche früh mit Militärischem vertraut zu machen. Pizzakartons, Bäckertüten in Supermärkten tragen das Militärische auf die Tische von Familien.

Private und öffentlich-rechtliche Medien unterstützen diese Entwicklung. Ingar Solty beschreibt das ganze Ausmaß der Inneren Zeitenwende, seine Sorge ist, dass sie Geister hervorruft, die Deutschland nicht mehr loswird.  

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Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Aus dem Inhalt

1. Wie eine Kanzler-»Zeitenwende« die Demokratie beschädigt.................................................... 14
2. »Kriegstüchtig«: Mit offensiver Aufrüstung die Freiheit schützen? ............................................................ 19
3. Panzer statt Autos: Rüstungskeynesianismus beschleunigt Deindustrialisierung und Krise....................... 35
4. »Neue deutsche Kriegsmaschine«: Militärisch-industrieller Komplex auch bei uns? ................ 42
5. Militarismus und Aufrüstung als Klassenfrage: Arm und Reich, Ost und West.............................................. 49
6. »Kulturelle Umprogrammierung«: Wie der Krieg in die Köpfe kommt ...................................... 54
7. Erst werden Waffen gekauft, dann der Nachwuchs für Kriege ertüchtigt ......................... 59
8. Wie deutsche Zivilinstitutionen auf Kriege vorbereitet und »siegfähig« werden sollen .............................................. 79
9. Von der Kränkung des westlichen Narzissmus zu liberalem Revanchismus und Autoritarismus ................ 85
10. Wie dem Rechtsextremismus der Boden bereitet wird ........................................................ 100
11. Eine Zeitenwende nach der Zeitenwende ist nötig ............................................. 110

Zurück in eine düstere Vergangenheit: Demokratie, Bürgersinn, Liberalität und Sozialstaat werden nicht von äußeren Feinden bedroht, sondern von innen. Das liberale Establishment betreibt schon heute das Geschäft der extremen Rechten: Die am 27.Februar 2022 ohne vorherige parlamentarische, geschweige denn breite gesellschaftliche Debatte von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verkündete »Zeitenwende« – schon der Form nach ein demokratiepolitischer Skandal – ist in der Tat eine Zeitenwende auch dem Inhalt nach. Sie wendet die Zeit, aber nicht in eine goldene Zukunft; sie dreht die Uhr zurück in die düstere deutsche Vergangenheit. Bei der inneren Zeitenwende geht es zurück in eine Zeit der Soldatendenkmäler, damit eine »glückssüchtige Gesellschaft« (Joachim Gauck, damals Bundespräsident) wieder lerne, die im Kampf fürs Vaterland am Hindukush Gefallenen als Helden zu verehren. Es geht zurück in die Zeit der »Pflichtjahre«, mit der dieselben Leute, die im Rahmen der »Agenda 2010« und der Hartz-Gesetze einst Sprengsätze am sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft legten, heute wieder »Gemeinsinn stärken« wollen und vergessen, dass es das »Pflichtjahr« in der deutschen Geschichte schon einmal gab. Von Ingar Solty SoZ 01.01.2025

Interviews

"Wir werden dem Bild unserer Feinde immer ähnlicher" - Vier Jahre nach der Zeitenwende-Rede erodiert der Sozialstaat. Doch was bedeutet das für unsere Demokratie? Als der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz seine bemerkenswerte Zeitenwende-Rede hielt, konnten sich die Wenigsten die sozialpolitischen Konsequenzen ausmalen. Vier Jahre später hat sich die Lage zugespitzt: Milliarden-Investitionen in kriegswichtige Bereiche werden wie Spiel-Figuren vor dem Hintergrund einer sozial erodierenden Landschaft hin- und hergeschoben. Ideologisch erscheint das als "notwendiges Übel". Eine kritische Betrachtung der inneren Wirren der Zeitenwende-Zeit fehlte bislang. Diese Lücke versucht das neueste Werk "Innere Zeitenwende" von Ingar Solty, Autor und Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung, zu schließen. Ein Gespräch über Kriegsziele, Zahnputzwerbung und Zensur. Mit Luca Schäfer Telepolis 26.05.2026

Der Mythos des plötzlichen Kurswechsels: „Aufrüstung war längst vor dem Ukraine-Krieg beschlossene Sache“: Ingar Solty erklärt im Interview, mit welchen Folgen ein militärisch-industrieller Komplex derzeit die Republik umbaut. Und wie dies bereits lange vor Februar 2022 in Planung war. [hinter der Bezahlschranke]  Mit Florian Warweg Ostdeutsche Allgemeine 01.06.202

Rezensionen

In der „inneren Zeitenwende“. Zu einer „Flugschrift“ von Ingar Solty: „Deutschland ist zurück aus dem Fronturlaub.“ (Berthold Kohler, FAZ, 05.03.2025) - Als Olaf Scholz die nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine entstandene Lage mit dem mittlerweile populären Wort „Zeitenwende“ belegte, zeigte diese Metapher auf eine Konstellation, die über das Ereignis dieses Krieges hinausgreift. Von Hans Otto Rößer Blog der Republik 16.05.2026

Aus dem Fronturlaub zurück: Neue deutsche Härte: Ingar Solty zeigt, wie das liberale Establishment die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt: In seinem 2024 in der Berliner Zeitung veröffentlichten Essay »Innere Zeitenwende« konstatierte Ingar Solty: Die Rechtsverschiebung kommt nicht nur von rechts. Sie wird aus der Mitte betrieben – von Liberalen, Sozialdemokraten, Grünen, vom »linken« Flügel des Bürgertums. Nun legt der Politikwissenschaftler nach, mit einer knapp 120 Seiten starken »Flugschrift«, die den Befund ausarbeitet und aktualisiert. Von Matthias Rude junge Welt 11.05.2026

„Innere Zeitenwende“: Wie eine friedliebende Gesellschaft zur Kriegswilligkeit erzogen werden soll: „Zeitenwende“ – der Ausspruch des damaligen Kanzlers Olaf Scholz wurde 2022 zum Wort des Jahres gekürt. Was vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges als Beschreibung einer geopolitischen Zäsur verstanden werden konnte, enthüllte sich vielen erst nach und nach in seinem eigentlichen Sinn: die deutsche Gesellschaft auf einen Krieg vorzubereiten, den die Bevölkerung nicht wollen kann. Ingar Solty führt in seinem Buch „Innere Zeitenwende“ vor Augen, was dieses Programm für Deutschland bedeutet. [Der Artikel als  PDF und bei der Autorin] Von Irmtraud Gutschke NachDenkSeiten 30.04.2026

Autoreninfos

Ingar Solty (Jahrgang 1979) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Autor. Nach seinem Studium an der York University in Toronto, Kanada, promovierte er dort. Seit Juni 2016 ist er Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa‑Luxemburg‑Stiftung in Berlin. Zudem fungiert er als Senior Research Fellow im Bereich Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik. Seine Arbeitsschwerpunkte sind internationale politische Ökonomie, Imperialismusanalyse, soziale Bewegungen sowie die Strategien der politischen Linken. Er hat zahlreiche Monografien veröffentlicht – und ist als Autor in verschiedenen Zeitschriften und Medien vertreten. 

Wikipedia (DE): Ingar Solty

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Erstellt: 20.06.2026 - 06:46  |  Geändert: 20.06.2026 - 08:32