Hrsg. Carlos Alberto Haas, Lars Lehmann, Brigitte Reinwald und David Simo. Viele Autoren

Das Auswärtige Amt und die Kolonien
Geschichte, Erinnerung, Erbe

NEUE PERSPEKTIVEN AUF DIE DEUTSCHE KOLONIALGESCHICHTE

Die eigene Zeit als Kolonialmacht sei im Vergleich mit Ländern wie Frankreich oder Großbritannien kurz und relativ unproblematisch gewesen: So sah man es hierzulande lange. Doch das war ein Irrtum. Heute steht die deutsche koloniale Vergangenheit zu Recht im Zentrum kontrovers geführter Debatten über das koloniale Erbe in einer globalen Welt. Dieses Buch beleuchtet mit dem Auswärtigen Amt einen zentralen Akteur des deutschen Kolonialismus und spannt den Bogen vom Deutschen Kaiserreich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf Deutschland, sondern auch in die betroffenen Gesellschaften Afrikas, Asiens und Ozeaniens.

ISBN 978-3-406-80713-8 1. Auflage 16.05.2024 36,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover)

Mit dem Versailler Vertrag von 1919 endete die formale deutsche Kolonialherrschaft. Doch koloniales Denken lebte in der Mitte der deutschen Ge sellschaft fort so auch im Auswärtigen Amt, dem eine Mitverantwortung für Gewalt und Verbrechen in den deutschen Kolonien zukommt. Die Folgen seines Handelns sind noch bis in unsere Gegenwart spürbar.

In der Zeit der NS-Diktatur verbanden sich nationalkonservative, monarchistische und antirepublikanische Haltungen im Auswärtigen Amt mit den expansionistischen und rassistischen Zielen des Nationalsozialismus. Ab 1949 prägten Indifferenz und Ignoranz, Passivität und Relativierung die bundesdeutsche Politik gegenüber den ehemaligen Kolonien im globalen Süden. 

Heute ist das Amt maßgeblich an Verhandlungen über Restitution und Wiedergutmachung beteiligt. Zudem wird es von einer diverser gewordenen deutschen Gesellschaft mit Fragen zur kolonialen Vergangenheit konfrontiert. Aus Gründen der historischen Gerechtigkeit, aber auch angesichts einer veränderten Weltlage muss sich das Amt seiner eigenen Kolonialgeschichte stellen.

  •    Das Auswärtige Amt und sein koloniales Erbe erstmals aufgearbeitet
  •    Die deutsche Kolonialgeschichte wird derzeit stark debattiert
  •    Die deutschen Kolonialverbrechen sind immer noch zu wenig bekannt
  •    Neue Perspektiven für eine postkoloniale Zeit
  •    Die Autor:innen kommen aus Deutschland und aus den ehemaligen Kolonien

Beteiligte Autoren

Martin Kröger, Jakob Zollmann, Tanja Bührer, Matthias Häussler, Kokou Azamede, Yixu Lü, Holger Droessler, David Simo, Gabriele Metzler, Johannes Hürter, Stefan Seefelder, Pai-Li Liu, Lars Lehmann, Carlos Alberto Haas, Flower Manase Msuya, Adjai Paulin Oloukpona-Yinnon, Brigitte Reinwald

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Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Aus dem Inhalt

I. Die direkte Kolonialherrschaft
Den «Platz an der Sonne» verwalten. Die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts und das Reichskolonialamt. Martin Kröger 29
«Schutz», «Protektorat», «Kolonie». Das Auswärtige Amt und die Entwicklung des deutschen Kolonialrechts. Jakob Zollmann 63
Das Auswärtige Amt und die Frage der Verantwortung für die koloniale Gewalt in Deutsch-Ostafrika (1884-1907). Tanja Bührer 97
Missing Link. Die Kolonialabteilung und die Kriege in Deutsch-Südwestafrika (1904-1909). Matthias Häussler 123
Auswirkungen der deutschen Kolonialherrschaft in Togo, 1884-1914: Vom preußischen Drill zu einer gesellschaftlichen Erziehungsform. Kokou Azamede 149
Ausführende des imperialen Expansionswillens. Die Rolle des Auswärtigen Amts bei der Besetzung von Tsingtau. Yixu Lü 165
Vermitteln, verweigern und «mehr von der Welt sehen»: Samoaner in der Kolonialverwaltung Deutsch-Samoas. Holger Droessler 183
Die europäische Aushandlung des kolonialen Dispositivs und Versuche der Afrikanerinnen und Afrikaner, damit umzugehen. DavidSimo 211

II. Kolonialismus ohne Kolonien 243
Zwischen Kolonialrevisionismus und Mandatspolitik. Das Auswärtige Amt und die koloniale Frage in der Weimarer Republik. Gabriele Metzler 245
Kolonialpolitik und Kolonialismus im Nationalsozialismus. Johannes Hürter 279
Das Auswärtige Amt im Spannungsfeld zwischen kolonialen Kontinuitäten und europäischen Transformationsprozessen in den 1950er Jahren. Stefan Seefelder 305
Die Politik der Enthaltung. Die Bundesrepublik Deutschland im Dekolonisationsprozess Ost-Timors von 1974/75 bis 1982. Pai-Li Liu 335
« ... größte Zurückhaltung geboten» - Das Auswärtige Amt in den Restitutionsdebatten der 1970er und 1980er Jahre. Lars Lehmann 365
Forscher, Diplomaten und «nichtintegrierte Indianer»: Stelen aus Guatemala im Berliner Humboldt Forum. Carlos Alberto Haas 385
Koloniale Hinterlassenschaften aus dem Ersten Weltkrieg von General Paul Emil von Lettow-Vorbeck im National Museum and House ofCulture in Dar es Salaam. Flower Manase Msuya 417
Kolonialdenkmäler und -relikte: Ein belastendes Erbe des deutschen Kolonialismus. AdjaiPaulin Oloukpona-Yinnon 435
Das Auswärtige Amt und die Kolonien in der longue duree des 19. und 20. Jahrhunderts. Brigitte Reinwald 455

Pressestimmen

Herausgeber und Autorenteam gehen wichtige Schritte auf dem Wege zu genauerer Aufklärung der deutschen Kolonialgeschichte. Deutschlandfunk, Wolfgang Stenke

Das Auswärtige Amt stellt sich den Schattenseiten der eigenen Geschichte." Podcast Table.Media, Helene Bubrowski

Ein ziemlich schonungsloses Fazit. Der Sammelband wirft die zum Umgang mit diesen Kontroversen nötigen Fragen auf und macht neugierig auf mehr. taz, Dominic Johnson

Ein grundlegendes Buch. Dresdner Morgenpost

"Für das Verständnis der Problematik ist die Lektüre dieses Sammelbandes ein großer Vorteil. Amerindian Research, Mario Koch

Zusammenschau von relevanten Themen und Zugängen. FAZ, Andreas Eckert

Ein vielstimmiges Kompendium über die deutsche Außenpolitik der Kolonialzeit und die spät gezogenen Konsequenzen der Gegenwart. Mare, Stephan Sura

Autoreninfos

Herausgegeben von

Carlos Haas war von 2013 bis 2020 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und ist seit April 2020 Akademischer Rat a. Z. am Historischen Seminar der LMU München.

Lars Lehmann ist Wissenschaftlicher Koordinator des Schelling-Forums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Würzburg.

Brigitte Reinwald ist Professorin für die Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover.

David Simo ist emeritierter Professor für German Studies an der Université de Yaoundé 1 in Kamerun. Er ist Reimar-Lüst-Preisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Fritz Thyssen Stiftung.

Quelle: VLB-TiX (17.06.2026)

Erstellt: 17.06.2026 - 06:55  |  Geändert: 18.06.2026 - 06:52