Täuschung Iran: Was Amerika wirklich will | Prof. David Gibbs
auf YouTube (16.03.2026) 1:14:00
Von Regimewechsel bis zu dauerhaftem Konflikt – der Krieg gegen den Iran ist weder eine Ausnahme noch ein Zufall. Die dunklen Kräfte der Gewalt in Washington haben sich erneut durchgesetzt, doch der Sieg der Kriegstreiber ist vielleicht nicht das, was er zu sein scheint. Während Militarismus, neokonservative Strategien, evangelikaler Fundamentalismus und vor allem eine unerschütterliche Ausrichtung auf Israel die Vereinigten Staaten von einer Konfrontation zur nächsten getrieben haben, schwindet die Kriegsführungsfähigkeit der USA – und das Signal, das dies an uns „Verbündete“ rund um den Globus sendet, ist nicht das, was Washington sich wünschen würde. Mein heutiger Gast ist erneut Dr. David Gibbs von der University of Arizona.
Zeitmarken
Suche nach neuen Feinden und materielle Interessen
- Institutioneller Bedarf: Nach dem Kalten Krieg suchten die USA nach neuen „Dämonen“, um die Existenz ihres gewaltigen Militärapparats und Hunderter Auslandsstützpunkte zu rechtfertigen [01:23].
- Interessengruppen: Neben dem militärisch-industriellen Komplex profitieren auch Denkfabriken und Elite-Akademiker von einer permanenten Kriegswirtschaft [02:11].
- Hypothetische Bedrohungen: Die „1%-Doktrin“ (formalisiert unter Dick Cheney) besagt, dass bereits eine einprozentige Wahrscheinlichkeit einer Bedrohung als 100-prozentige Gewissheit behandelt werden sollte, um Präventivschläge zu rechtfertigen [01:00:16].
Die Rolle des Neokonservatismus und Israels
- Verschmelzung der Interessen: Die neokonservative Ideologie sieht Israel als Modell für die USA: kompromisslose militärische Stärke, Geringschätzung von Verhandlungen und präventive Aggression [09:12].
- Einfluss der Lobby: Gibbs bestätigt die Thesen von Mearsheimer und Walt zur Israel-Lobby, betont aber, dass die israelische Sicherheitslogik mittlerweile tief in der gesamten US-Regierung verankert ist [08:16].
- Christlicher Zionismus: Seit den 1970er Jahren bilden evangelikale Christen eine massive Wählerbasis, die Israel aus religiösen Endzeit-Motiven unterstützt, was Politikern wie Donald Trump Rückhalt bietet [33:40].
Strategische Auswirkungen und Risiken
- Iranische Strategie: Der Iran setzt laut Gibbs auf „vertikale Eskalation“. Ziel ist es, den USA eine Lektion zu erteilen und sie durch Ausdauer und gezielte Angriffe auf US-Stützpunkte zum Rückzug aus der Region zu zwingen [20:53].
- Nukleare Gefahr: Sollten die USA oder Israel konventionell in die Enge getrieben werden, besteht ein reales Risiko für den Einsatz von Atomwaffen, da eine Niederlage als „undenkbar“ gilt [27:32].
- Folgen für Europa: Gibbs sieht Europa in einer Zwickmühle. Durch die Abkehr von russischer Energie und die Bindung an US-Interessen droht eine Deindustrialisierung, während gleichzeitig die Sicherheit durch US-Stützpunkte eher sinkt als steigt [41:39].
Innenpolitik der USA
- Fehlender Rückhalt: Im Gegensatz zu früheren Kriegen gibt es keinen „Rally 'round the flag“-Effekt; eine Mehrheit der US-Bevölkerung lehnt den Konflikt von Beginn an ab [01:08:11].
- Trumps Kehrtwende: Gibbs zeigt sich überrascht über Trumps aggressive Rhetorik in seiner zweiten Amtszeit, da dieser zuvor eher isolationistische Tendenzen zeigte [01:09:42].
Fazit: Der Professor warnt davor, dass die Fixierung auf militärische Lösungen und das Ignorieren diplomatischer Wege die globale Sicherheit massiv gefährden und den Niedergang des „US-Imperiums“ beschleunigen könnten [01:12:34].