"Die Unterdrückung der Baugrube hat die russische Prosa um fünfzig Jahre zurückgeworfen", urteilte einst Joseph Brodsky. Wie kein zweiter Autor lässt Andrej Platonow die Atmosphäre einer Epoche spüren, die voll war von Utopien und Prophezeiungen einer künftigen Welt.
Am Rande einer Stadt heben Arbeiter eine Grube aus, um ein "gemeinproletarisches Haus" zu bauen. Vom Kriegsinvaliden über den Handlanger bis zum Ingenieur bildet sich unter den freiwilligen Sklaven eine Hierarchie, die den sozialen Verhältnissen in Stalins Sowjetunion entspricht. Sie setzen alle ihre Kräfte ein, die glückliche Zukunft der Menschheit durch ihrer Hände Arbeit herbeizuführen - und werden doch von der Wucht dieser Aufgabe erdrückt.
Andrei Platonowitsch Platonow (1899–1951) war ein russisch-sowjetischer Schriftsteller, Journalist und Ingenieur. Er wurde in der Nähe von Woronesch als Andrei Platonowitsch Klimentow geboren und wählte später den Namen Platonow als literarisches Pseudonym. Nach der Oktoberrevolution arbeitete er zunächst als Journalist und studierte Elektrotechnik, später war er mehrere Jahre als Ingenieur in Bewässerungs- und Elektrifizierungsprojekten tätig. Seit den 1920er Jahren veröffentlichte er Erzählungen, Essays und Romane, in denen er die gesellschaftlichen Umbrüche der frühen Sowjetzeit literarisch verarbeitete. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane Tschewengur und Die Baugrube sowie zahlreiche Erzählungen. Teile seines Werkes konnten zu seinen Lebzeiten nur eingeschränkt oder gar nicht erscheinen, da sie von der sowjetischen Kulturpolitik kritisch beurteilt wurden. Platonow arbeitete während des Zweiten Weltkriegs zeitweise als Frontkorrespondent und schrieb in seinen letzten Lebensjahren vor allem kürzere Prosa und Kinderliteratur.
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