Der makedonische Offizier
Roman
Wie viele Platonow-Helden hat auch Firs, der makedonische Offizier, nicht aufgehört, über das Leben zu staunen. Er ist ein Suchender, der die Schrecken der Existenz am eigenen Leibe erfährt und seine untergründige Traurigkeit nicht los wird. Im geheimen Auftrag Alexanders des Großen lebt er seit einigen Jahren in einem fernen asiatischen Reich. Es erstreckt sich in einem gewaltigen blauen Tal, eingeschlossen von einem »Himmelsgebirge«, dessen Wände »undurchdringlich sind für den Wind und für die Freiheit«. Statt das Bewässerungsprojekt für den dortigen Despoten durchzuführen, bereitet er einen Aufstand gegen ihn vor.
»Nicht zur Veröffentlichung bestimmt«, heißt es in einer Akte des sowjetischen Geheimdiensts über Andrej Platonow und sein Romanprojekt »Der makedonische Offizier«. Zwischen 1932 und 1936 entstanden, blieb es Fragment und wurde erst Mitte der neunziger Jahre in Russland veröffentlicht. Der dichte Text enthält nicht nur die schärfste Kritik an Stalin, die Platonow jemals formulierte, sondern auch seine Vorahnung einer von Menschen verursachten globalen Katastrophe.
Pressestimmen
»Die Tragik und das Genie von Andrej Platonow sind eng miteinander verknüpft ... [er] schrieb rabiat erhellend gegen den Strich ...« Franz Haas Neue Zürcher Zeitung 23.05.2022
»Der Suhrkamp Verlag hat sich seit 2016 um die Entdeckung dieses Schriftstellers von Rang verdient gemacht und wieder eine editorische Glanztat vollbracht. ... Der Band ist mehr als nur ein Bruchstück von Platonows Werk.« Thomas Thiel Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.01.2022
»Beim Lesen stockt das Blut ... [Übersetzer] Michael Leetz ist für eine Platonow-Bemühungen allergrößter Respekt zu zollen.« Wolfgang Brauer Das Blättchen 03.01.2022
»... in der vorliegenden Form ist [die Erzählung] mehr als nur ein editionsgeschichtliches Aperçu zum Gesamtwerk. Im besten Fall: eine Einstiegsdroge. Man entdeckt Platonows literarische Gedankenwelt, seine Desillusionierung und seine so reiche Sprache.« David Hugendick DIE ZEIT 22.12.2021
»Das Buch vervollständigt die Wiederentdeckung dieses großen Autors.« Dirk Schümer WELT AM SONNTAG 05.12.2021
»Sieht man die Fernsehbilder des Despoten Wladimir P., wie er von einer stotternden, ihn gelähmt adorierenden Glotz-Camarilla umgeben ist, die er nach Belieben herunterputzt, dann hat das, noch schöner, noch böser, noch eindringlicher, als es jede TV-Kamera fertigbrächte, schon Andrej Platonow in Szene gesetzt. Vor 86 Jahren. Fürs deutsche Publikum jetzt zur Veröffentlichung bestimmt. Keineswegs zu früh.« Gerhard Stadelmaier Darmstädter Jury – Buch des Monats e.V. 25.04.2022
»Die spannende und lesenswerte Geschichte wird ergänzt durch den Bericht von Platonow über seinen Besuch bei Maxim Gorki ...« P.S. die linke Zürcher Zeitung 11.03.2022
»Platonow erzählt in einer Mischung aus Realismus und Allegorie ... seine bahnbrechenden Texte [tragen] das Signum der Avantgarde.« Judith Leister SR2 KulturRadio 23.02.2022
»[Der Text] berstet schier vor ausgeklügelt grausamen Details, vor Trauer, Tränen, Verzweiflung und Sätzen, die um sich peitschen wie ein Drachenschweif.« Badische Zeitung 22.01.2022
»... [einer] der mutigsten Dichter des 20. Jahrhundert ... Ein markantes Markenzeichen von Platonow ist sein ... existentialistischer Erzählstil, der etliche Sprengsätze in sich birgt.« Werner Krause Kleine Zeitung 08.01.2022
»[Ein] ebenso literarisch faszinierender, wie auch politisch entlarvender Text.« Jörg Konrad kultkomplott.de 04.04.2022
Autoreninfos
Übersetzt von
Michael Leetz, 1972 in Berlin geboren. Studium der Russistik und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, seitdem Forschung zu Leben und Werk Andrej Platonows. Er arbeitet als Übersetzer aus dem Russischen, Rundfunk-Autor, Herausgeber und Kulturmanager. 2011 Herausgabe der nachgelassenen Schriften des Slawisten Ralf Schröder, „Unaufhörlicher Anfang. Vorboten eines Romans“ (Edition Schwarz-druck). Autor mehrerer Rundfunk-Feature über russische Schriftsteller, u.a. Andrej Platonow (Juni 2015 im SWR2). In den Zeitschriften Sinn und Form (2016/6. Heft, S. 790–803) sowie Berliner Debatte Initial (28 (2017) 1, S. 55–64) erschienen Auszüge seiner Übersetzung von Platonows Texten. Quelle: quintus-verlag.de
