Dirty Capitalism
Politisch Ökonomie (in) der politischen Bildung
Von Garzweiler bis zum Great Pacific Garbage Patch zeigt sich offenkundig: Die kapitalistische Vergesellschaftung ist dreckig. Umso mehr braucht kritische politisch-ökonomische oder sozio-ökonomische Bildung einen gesellschaftstheoretisch fundierten Kapitalismusbegriff. Der Ansatz des Dirty Capitalism leistet hierzu einen expliziten Beitrag.
Er greift die vielfältige Kritik an Vorstellungen und analytischer Reichweite eines "reinen" Kapitalismus, wie sie z.B. auch im Ansatz des „racial capitalism“ formuliert wird, auf und erweitert die Analyseperspektive über Klassenverhältnisse hinaus auf Rassismus, (Post-)Kolonialismus, Geschlechter- und Naturverhältnisse. Im Band wird das Konzept weiterentwickelt und als Zugang für die kritische politische Bildung und Politikdidaktik diskutiert und empirisch genutzt.
Zusammenfassung der Kapitel und Rezension
Der Sammelband führt – theoretisch anspruchsvoll und unter Berücksichtigung vielfältiger Kontexte – in Grundfragen einer Kapitalismuskritik ein, die sich der gegenwärtigen multiplen Krisenlage auf dem Globus stellt. Dabei leistet er ein Doppeltes: Erstens erweitert er im Rückgriff auf die Marx‘sche Kritik der politischen Ökonomie und die Frankfurter Schule den analytischen Rahmen, und zwar vor allem im Blick auf Rassismen, Umweltzerstörung und (post-)koloniale Tendenzen. Zweitens diskutiert und operationalisiert er eine solche theoretische Selbstvergewisserung als Ansatzpunkt für die politische Bildung, deren prekärer Status in der Publikation ebenfalls Thema ist. Von Johannes Schillo socialnet.de 30.05.2024
Autoreninfos
Weitere Autoren im Inhaltsverzeichnis
Die Herausgebenden
Margit Rodrian-Pfennig ist (inzwischen pensionierte) Politikwissenschaftlerin. Sie arbeitet im Feld der politischen Bildung zu Demokratietheorien, Geschlechterverhältnissen und Migration. Sie ist Mitglied der AKG und Mitiniatorin des Forums kritische politische Bildung.
Holger Oppenhäuser ist promovierter Politologe und koordiniert die Erstellung von Bildungsmaterialien im Bundesbüro des globalisierungskritischen Netzwerks Attac.
Georg Gläser lehrt und promoviert an der Universität zu Köln zu Arbeitsverhältnissen in der politischen Bildung, davor Studium der Sozialwissenschaften & Geschichte für das Lehramt in Köln und Soziologie in Berkeley sowie Arbeit in der außerschulischen politischen Bildung. Schwerpunkte: Antisemitismuskritik, Staats- und Hegemonietheorie, Extreme und Neue Rechte – auch in Bezug auf kritische politische Bildung, Soziale Arbeit und Lehrer*innenbildung.
Udo Dannemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Bildung der Universität Potsdam. Arbeitsschwerpunkte sind gesellschaftliche Herausforderungen, Krisen sowie Einstellungen und Positionen dazu als Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Bildung. Er promoviert, ausgehend von Ansätzen der sozioökonomischen und politischen Bildung, zur sozialwissenschaftlichen Bildung in der Schule. Vor seiner Tätigkeit am Lehrstuhl für Politische Bildung in Potsdam war Udo Dannemann Lehrer an Gymnasien in Berlin und Lissabon.