Die Spiegelreisende. Band 1 - Die Verlobten des Winters. Von Christelle Dabos. Rezension von Johanna

REZENSION

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert schon lange nicht mehr. Die Erdkruste, die einst den gesamten Erdkern umschloss, wurde zerschlagen und treibt nun in 21 einzelnen Bruchstücken um diesen herum. Die Erdüberbleibsel werden die Archen genannt und auf jeder Arche lebt eine Familie, die sich in ihren Fähigkeiten von den anderen unterscheidet. Da die Archen untereinander nur mit Luftschiffen erreicht werden können, leben ihre Bewohner relativ abgeschottet voneinander und obwohl reger Handel betrieben wird, trifft man sich nur selten. Daher wird auch ein riesiger Aufwand betrieben, als auf Anima ein Luftschiff vom Pol landen soll, dass diesmal sogar einen Passagier mit sich führt. Der adlige Jäger Thorn von der winterlich verschneiten Arche kommt um seine zukünftige Frau abzuholen, wie es mit dem Urahn der Familie vereinbart worden ist. Und die Museumsleiterin Ophelia, die als einzige Animistin die Fähigkeit beherrscht durch Spiegel zu reisen, fällt das schwere Los zu diesem wilden Fremden auf den Pol zu folgen, um ihn dort fernab von ihrer Familie zu ehelichen.

Die in sich gekehrte und lebensscheue Ophelia erfährt von heute auf morgen, dass sie einen wildfremden Mann heiraten soll, der von einer kalten und unwirtlichen Arche kommt und sich eher wie ein Tier als wie ein Mensch kleidet. Nur ihr Stolz hält sie davon ab panisch und ängstlich die Flucht zu ergreifen und dabei weiß sie noch nicht einmal in welche Wolfshöhle sie von ihrem zukünftigen Ehemann geführt wird. Denn die Familienteile auf dem Pol leben nicht so harmonisch und friedlich, wie die Animisten, zusammen und ehe Ophelia sich versieht, ist sie in ein Netz aus Intrigen, Hass und Macht verstrickt. Prügeleien, Drohungen und Mordanschläge sind am Hof gang und gäbe und Ophelia muss schnell und schmerzhaft lernen, dass sie in dieser kalten Welt niemanden vertrauen kann, denn auch die Jäger besitzen erstaunliche Kräfte.

„Die Spiegelreisende - Die Verlobten des Winters“ ist der atemberaubende Beginn, der Spiegelreisenden-Saga. Christelle Dabos schafft aus den Bruchstücken der alten Welt eine bizarre neue, die begeistert und den Leser mit sich zieht. Sie schafft es, dass das Buch an keiner Stelle seine Spannung verliert, da sie immer wieder eine neue unerwartete Wendung einbaut oder eine interessante neue Person auftreten lässt, die sie in den schillerndsten Farben umschreibt und somit für den Leser greifbar macht. Auch wenn man während der Geschichte viele tolle Charaktere kennenlernt, bleibt die Hauptperson Ophelia mein absoluter Favorit, da man durch sie die ganze Zeit nah am Geschehen bleibt und auch ihre charakterliche Veränderung gut mit verfolgen kann. Außerdem kann man sich einfach wunderbar in dieses hilflose Mädchen hineinversetzten, das so plötzlich aus ihrem gewöhnlichen Umfeld gerissen wird und mit einer grausamen und künstlichen Welt konfrontiert wird. Sie muss einfach schnell lernen um zu überleben. Das Buch zeigt wie wichtig Vertrauen ist und wie leicht es gebrochen werden kann und bedient sich dabei vieler alteingesessener Klischees, die es noch lesenswerter und verständlicher machen. Die Welt, die die Autorin aufzeichnet wird schnell zu einer zweiten Heimat, da sie so bunt, schrecklich schön und detailreich ist, dass man sich einfach in sie verlieben muss. Und während Dabos immer wieder neue Handlungsstränge spinnt, schafft sie es sich in keinem von diesen zu verheddern und man hat am Ende des Buches das Gefühl lauter kleine rote Fäden in der Hand zu halten und fiebert darauf zu erfahren zu was für einem tollen Gebilde diese noch verwebt werden.

Ich würde das Buch ab 14 empfehlen.

Die Spiegelreisende. Band 1 - Die Verlobten des Winters. Von Christelle Dabos

 

 

 

Erstellt: 15.02.2020 - 05:32  |  Geändert: 15.02.2020 - 08:56