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Globale Lage aus russischer Sicht nach Stanislav Krapivnik
Das Lügenimperium bricht rasant zusammen
Zusammenfassung
Dieses Briefing fasst die zentralen Analysen und Thesen von Stanislav Krapivnik zur aktuellen globalen Lage im Jahr 2026 zusammen, wie sie in einem Interview dargelegt wurden. Krapivnik zeichnet ein zutiefst pessimistisches Bild, das von einer rapiden Eskalation und dem Zusammenbruch internationaler Normen geprägt ist.
Die Kernaussage ist, dass die Vereinigten Staaten als ein "Imperium im Niedergang" eine Phase offener und rücksichtsloser Aggression eingeleitet haben, die primär auf den direkten Raub von Ressourcen abzielt. Die US-Intervention in Venezuela – beschrieben als militärische Aggression mit Entführung des Präsidenten und der Forderung nach Öl als "Tribut" – wird als Wendepunkt und Beleg für diese neue, unverhüllte Vorgehensweise angeführt.
Intern wird diese aggressive Außenpolitik durch eine desinformierte und historisch ungebildete Bevölkerung ermöglicht, die für Propaganda anfällig ist, sowie durch einen parasitären Finanzsektor, der die heimische Industrie zerstört. Die Taktiken, die das US-Imperium im Ausland anwendete, kehren nun in Form einer zunehmenden Militarisierung im Inland zurück.
Aus russischer Sicht wird die Strategie der eigenen Regierung, weiterhin auf Verhandlungen mit den USA zu setzen, als gefährlich und potenziell zum Dritten Weltkrieg führend kritisiert. Krapivnik vertritt die Ansicht, dass die USA nur die Sprache der Gewalt verstehen und dass die nukleare Abschreckung, insbesondere Russlands automatisiertes "Tote Hand"-System, die letzte verbleibende Schranke gegen eine totale Eskalation darstellt.
Der Iran wird als der nächste entscheidende Krisenherd identifiziert. Ein Fall des Irans hätte katastrophale Folgen für Russlands strategische Sicherheit im Kaukasus und in Zentralasien. Folglich, so die Analyse, wird Russland einen solchen Fall nicht zulassen und unterstützt den Iran militärisch massiv. Trotz der düsteren Gesamtlage wird am Ende ein Hoffnungsschimmer durch den detaillierten Bericht über den Wiederaufbau in Städten wie Mariupol gezeichnet, der als Symbol für Resilienz und die Möglichkeit eines Lebens nach dem Krieg dient.
Präsentation: Das Lügenimperium bricht zusammen
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1. Eskalation der globalen Lage und die neue Phase der US-Aggression
Krapivnik beschreibt die aktuelle Weltlage als eine, in der frühere Hoffnungen auf ein strategisches Gleichgewicht oder Stabilität zerfallen sind. Die treibende Kraft hinter dieser Destabilisierung sei eine neue Form der US-amerikanischen Außenpolitik, die sich durch unverhohlene Aggressivität und direkten Ressourcenraub auszeichnet.
Die Intervention in Venezuela als Wendepunkt
Die Aktionen der USA in Venezuela werden als paradigmatisches Beispiel für diese neue Phase dargestellt. Es handle sich nicht um eine verdeckte Operation, sondern um einen offenen kriegerischen Akt.
- Militärische Aggression: Die Intervention wird als "Entführung und militärische Aggression gegen Venezuela" bezeichnet, die an der Schwelle zu einem echten Krieg stehe.
- Opferzahlen: Es wird berichtet, dass bei den Aktionen 80 Menschen in Venezuela getötet wurden.
- Entführung der Regierung: Der Präsident des Landes, Maduro, sei "geschnappt" worden, was als Entführung der legitimen Führung des Landes gewertet wird.
- Offene Tributforderung: Die USA fordern laut Krapivnik offen "Tribut" in Form von Öl im Wert von 3 Milliarden Dollar unter der Androhung eines Angriffs. Dies wird mit einer "Horde marodierender Psychopathen" verglichen. Die Logik sei: "Füllt unseren Tanker mit Öl im Wert von 3 Milliarden Dollar. Wir verkaufen es und behalten das Geld. Zu eurem Wohl."
Der Wandel der US-Außenpolitik: Von verdeckt zu offen
Ein zentrales Argument ist, dass die USA ihre Vorgehensweise grundlegend geändert haben. Der "Samthandschuh des Humanitarismus" sei abgelegt worden.
- Keine Vorwände mehr: Die USA versuchen nicht länger, ihre Interventionen mit humanitären Argumenten zu rechtfertigen. Stattdessen agieren sie nach dem Motto: "Das ist unseres. Punkt. Halt den Mund oder stirb."
- Historischer Kontext: Diese Art der Einmischung sei nicht neu – die USA hätten Lateinamerika seit 150 Jahren "über den Tisch gezogen" und seien das "größte Hindernis für seine Entwicklung". Figuren wie Pinochet in Chile seien von den USA installiert worden.
- Qualitativer Unterschied: Neu sei die unverblümte Offenheit und das Ausmaß der Aggression, die sich nun gleichzeitig gegen mehrere Länder wie Iran und Kuba richte.
2. Interne Dynamiken der USA als Treiber der Außenpolitik
Krapivnik argumentiert, dass die aggressive US-Außenpolitik eine direkte Folge interner sozioökonomischer und politischer Entwicklungen ist.
Kritik an der US-Bevölkerung und politischen Anhängerschaft
Ein erheblicher Teil der US-Bevölkerung wird als ungebildet und manipulierbar beschrieben, was aggressive politische Maßnahmen erst ermögliche.
- Geringe Bildung und Aufmerksamkeitsspanne: Amerikaner hätten eine "Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden". Eine Umfrage von National Geographic habe ergeben, dass fast ein Viertel der 18- bis 25-Jährigen die USA nicht auf einer Karte finden könne.
- Funktionaler Analphabetismus: 53 % der einheimischen Bevölkerung seien entweder vollständig oder teilweise Analphabeten. Sie lesen auf dem Niveau eines Zweit- oder Drittklässlers, was bedeutet, dass sie keine komplexen historischen oder politischen Zusammenhänge aufnehmen.
- Geschichtsvergessenheit: Ein großer Teil der Bevölkerung (20-30 %) erinnere sich nicht an den Kontext früherer Interventionen wie im Irak, in Syrien oder Libyen und kenne das von den USA installierte Pinochet-Regime nicht.
- Kult-Mentalität der Trump-Anhänger: Die "MAGA"-Bewegung wird als "Haufen Heuchler" und "Kultanhänger" bezeichnet. Sie seien gegen "demokratische Kriege", würden aber jeden von Trump begonnenen Krieg unterstützen. Als Beweis wird der Kauf von "Trump Münzen" und "Melania Münzen" angeführt, was als "schlechteste Investition überhaupt" bezeichnet wird.
Das "Imperium der Lügen" im Niedergang
Die USA werden als ein Imperium im Verfall dargestellt, dessen wirtschaftliche Schwäche zu verzweifelten und aggressiven Handlungen führt.
- Beschleunigte Entdolarisierung: Der Dollar sei "wertlos". Die Kaufkraft des Dollars liege im Vergleich zu vor 100 Jahren nur noch bei 1-2 %.
- Versagen der Federal Reserve: Das private Bankensystem der Federal Reserve habe bei seiner Kernaufgabe, die Macht des Dollars zu erhalten, "völlig gescheitert".
- Parasitärer Finanzsektor: Die "Großfinanz" mache offiziell 21-22 % der US-Wirtschaft aus, real aber eher 30-35 %. Dieser Sektor produziere nichts, sondern "plündere die Industrie und zerstöre sie", um Boni zu kassieren.
- Explodierendes Militärbudget: Trump habe das Militärbudget von 1 Billion auf 1,5 Billionen US-Dollar erhöht, obwohl das Land "unter keinerlei Bedrohung" stehe. Inklusive aller versteckten Posten machten die Militärausgaben etwa 26 % des gesamten US-Regierungshaushalts aus.
Die Rückkehr des Imperiums: Militarisierung im Inland
Die im Ausland angewandten repressiven Taktiken werden nun zunehmend gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt.
- Prinzip der Rückkehr: "Was ein Imperium an seinen Rändern tut, kehrt früher oder später ins Zentrum zurück."
- Bewaffnete Regierungsbehörden: Unter der Biden-Regierung seien 800-900 bewaffnete IRS-Agenten (Steuerbehörde) eingestellt worden. Krapivnik kommentiert dies sarkastisch: "Ich schätze, das Finanzamt hat jetzt seine eigenen SWAT-Teams." Auch ICE-Agenten (Einwanderungsbehörde) würden auf amerikanische Bürger schießen.
- Militarisierte Polizei: Lokale Polizeikräfte seien stark militarisiert und würden von Veteranen besetzt, die in Besatzungsgebieten abgestumpft wurden.
3. Russische Perspektive und strategische Dilemmata
Die Analyse beleuchtet die russische Wahrnehmung der US-Aktionen und kritisiert die aktuelle russische Reaktion als zu nachgiebig.
Kritik an der russischen Verhandlungsstrategie
Die russische Regierung wird dafür kritisiert, dass sie immer noch an die Möglichkeit von Verhandlungen mit den USA glaubt.
- Gefahr der Appeasement-Politik: Russlands Versuch, eine Eskalation zu vermeiden, werde in den USA nicht verstanden und führe letztlich zum Dritten Weltkrieg, da die USA ermutigt würden, immer weitere rote Linien zu überschreiten.
- Die Natur der US-Führung: "Die US-Regierung ist unfähig, etwas anderes zu verstehen als einen Schlag ins Gesicht."
- Forderung nach Härte: Ein direkteres Vorgehen sei notwendig. Als Beispiel wird der beschlagnahmte Tanker genannt: Hätte ein russisches U-Boot gedroht, einen US-Zerstörer zu versenken, hätte dies "sofortige Panik in Washington" ausgelöst.
Nukleare Abschreckung als letzte rote Linie
Die einzige wirksame Abschreckung gegen die USA sei die Androhung der totalen Vernichtung durch Atomwaffen.
- Das "Tote Hand"-System: Moskau verfüge über ein automatisiertes System ("Tote Hand"), das nach einem Angriff auf die Hauptstadt einen unaufhaltsamen Gegenschlag mit Tausenden von Raketen auslöst und "alles gegen Amerika und Europa startet".
- Zerstörungskraft der U-Boote: Ein einziges russisches U-Boot könne die USA "in eine mittelalterliche Wirtschaft zurückversetzen". Zwei U-Boote könnten den größten Teil der USA für Jahrhunderte unbewohnbar machen.
- Die Vernunft der Eliten: Der einzige Grund, warum dies noch nicht passiert sei, ist der Eigennutz der westlichen Eliten. Ihr Reichtum, ihr einzig wahrer Wert, würde in einem nuklearen Inferno verdampfen.
4. Der nächste Krisenherd: Iran
Der Iran wird als das nächste primäre Ziel der US-Aggression und als entscheidendes Schlachtfeld für die globale Machtbalance identifiziert.
Irans strategische Bedeutung für Russland
Ein Angriff auf den Iran wird als direkter Angriff auf die Sicherheitsinteressen Russlands gewertet.
- Geopolitische Kette: "Wenn der Iran fällt, fällt auch der Kaukasus, fällt Zentralasien."
- US-Strategie: Die USA würden offen sagen, dass sie "direkt in Russlands Bauch vordringen" wollen, um das Land über Kasachstan und Georgien von innen heraus zu destabilisieren.
- Russlands Entschlossenheit: Aus diesem Grund werde Russland "auf keinen Fall zulassen, dass der Iran fällt".
Militärische Aufrüstung und Verteidigungsfähigkeit des Iran
Im Gegensatz zur Situation in Venezuela sei der Iran militärisch wehrhaft und werde aktiv von Russland und China unterstützt.
- Russische Militärhilfe: Russland liefert moderne Waffensysteme wie S-300 und S-400. Zudem werden iranische Piloten in Russland auf Su-35-Kampfflugzeugen (Generation 4++) ausgebildet, die in den Iran verlegt werden.
- Hohe Raketenproduktion: Der Iran habe seine Produktion von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern auf angeblich 3.000 Stück pro Monat erhöht, genug, um jede Raketenabwehr zu überfordern.
- Sicherstellung gegenseitiger Zerstörung: Obwohl der Iran keine Atomwaffen besitze, verfüge er über genügend konventionelle ballistische Raketen, um Israel im Falle eines Angriffs vollständig zu zerstören, inklusive seines Atomkraftwerks.
- Gescheiterte Destabilisierung: Interne prowestliche Liberale hätten an Macht verloren, viele seien verhaftet oder hingerichtet worden. Die Regierung habe sich nach den Angriffen konsolidiert.
5. Politische und philosophische Betrachtungen
Krapivnik, ein bekennender Monarchist, untermauert seine Analyse mit einer fundamentalen Kritik an westlichen Regierungsformen.
| Merkmal | Monarchie (laut Krapivnik) | Republik/Demokratie (laut Krapivnik) |
| Planungshorizont | Langfristig, da dynastisch und auf Generationen ausgelegt. | Kurzfristig (4-Jahres-Zyklen), kein Anreiz für langfristige Investitionen. |
| Regierungsform | Selbstregulierend durch Tradition, Kirche und soziale Klassen. | Entwickelt sich oft über Oligarchie zu Populismus und Tyrannei. |
| Steuern | Historisch niedrig (10 % oder weniger). | Extrem hoch (Beispiel Finnland: 62 % Einkommensteuer), führt zu "Steuersklaverei". |
| Bürokratie | Minimal, der Staat mischt sich kaum ins tägliche Leben ein. | Riesige Bürokratie, ständige Einmischung und Verbote als "Aktivitätsnachweis". |
| Legitimität | Basiert auf Tradition und Religion. | Basiert auf Wahlen, die zu Populismus und der Herrschaft von Tyrannen führen können. |
6. Ein Ausblick der Hoffnung: Der Wiederaufbau
Trotz der überwiegend düsteren Analyse schließt das Gespräch mit einem hoffnungsvollen Bericht über den Wiederaufbau in vom Krieg betroffenen Gebieten wie Mariupol und Awdijiwka.
- Wiederaufbau in Mariupol:
- 98 % der Wohngebäude sind wiederaufgebaut.
- Ein riesiges neues Kinderkrankenhaus und neue Sportzentren sind entstanden.
- Die Innenstadt sei schöner als in den letzten 60-80 Jahren.
- Die Bevölkerung kehre in großer Zahl zurück, was zu neuen Problemen wie Verkehrsstaus führe.
- Resilienz in Awdijiwka:
- Trotz täglicher Drohnenangriffe werden beschädigte Gebäude wieder instand gesetzt und sogar komplett neue, mehrstöckige Gebäude errichtet.
- Menschen ziehen bereits in die wiederaufgebauten Teile zurück.
Dieser Wiederaufbau wird als Beweis dafür dargestellt, dass es Hoffnung gibt und "Frieden nach dem Krieg" geben muss.
Erstellt: 18.01.2026 - 22:38 | Geändert: 20.01.2026 - 03:44
