Unter dem Titel „BRICS und China dem Westen weit voraus?“ beleuchtet der China- und BRICS-Experte die geopolitischen Verschiebungen unserer Zeit. Welche Rolle spielen die BRICS-Staaten in einer sich wandelnden Weltordnung? Ist China dem Westen tatsächlich voraus – wirtschaftlich, technologisch oder strategisch? Und was bedeutet das für Europa und Deutschland?
Zeitmarken
1. Geostrategische Achse: Iran, Russland und China
Ossenkopp beschreibt den Iran als zentrale „Drehscheibe“ in Eurasien [02:08]. Er betont, dass die wirtschaftliche und militärische Vernetzung zwischen Russland (Rohstoffe), China (Technologie) und dem Iran für das westliche Establishment ein „Albtraum“ sei [05:03].
- Nord-Süd-Transportkorridor: Russland orientiert sich aufgrund der Sanktionen weg von Europa hin zu einem Korridor, der von St. Petersburg über den Iran bis nach Indien führt [03:32].
- Militärische Kooperation: Es wird auf eine verstärkte Zusammenarbeit hingewiesen, etwa durch die Bereitstellung chinesischer Satellitendaten (Beidou-System) für iranische Drohnen und Raketen [09:37].
2. Infrastruktur und technologischer Vorsprung Chinas
Ein Großteil des Vortrags widmet sich dem massiven Infrastrukturausbau Chinas im Vergleich zum Westen:
- Häfen: Der Bau des Megaports in Chancay (Peru) ermöglicht Südamerika den direkten Handel mit Asien unter Umgehung US-kontrollierter Routen [15:53].
- Schienennetz: China verfügt über ein Hochgeschwindigkeitsnetz von ca. 48.000 km, während die USA und Europa in der Effizienz und Kohärenz ihrer Systeme weit zurückfielen [20:42].
- Innovation: Ossenkopp nennt Beispiele wie den automatisierten Hafen von Shanghai [19:38], die Kernfusionsforschung (Tokamak-Reaktor) [26:32] und die Entwicklung humanoider Roboter [32:56].
3. Die BRICS-Erweiterung und der Globale Süden
Die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) haben sich am 1. Januar 2024 um Mitglieder wie Ägypten, Äthiopien, den Iran und die VAE erweitert [08:18].
- Wirtschaftsgewicht: Der Anteil der G7-Staaten an der Weltwirtschaft sinkt, während die BRICS-Staaten demografisch und wirtschaftlich aufsteigen [41:05].
- De-Dollarisierung: Es gibt Bestrebungen, den US-Dollar im internationalen Handel zu umgehen, etwa durch elektronische Bezahlsysteme in Indien oder den verstärkten Einsatz des Yuan [47:46].
4. Kritik an der Lage im Westen und Deutschland
Ossenkopp kontrastiert den „China-Speed“ mit der Krise in Deutschland:
- Er kritisiert marode Infrastrukturen, hohe Energiepreise und langsame Großprojekte wie Stuttgart 21 oder den BER [31:04].
- Trotz politischer Forderungen nach einem „De-Risking“ (Abkopplung) würden deutsche Unternehmen wie Siemens oder Mercedes ihre Investitionen in China aufgrund der technologischen Reife dort eher verstärken [32:14].