Marino Bodenmann – der Rote aus dem Wallis
Eine biografisch-politische Zeitreise
Marino Bodenmann, 1893–1964, ist in Fiesch im Oberwallis als Halbwaise in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen. Als Geissbub hat er bei der Ernährung seiner Bergbauernfamilie mitgeholfen. Nur mit einfachster Schulbildung emigriert er 1912 als Hotelkellner nach Neapel. 1915 kehrt er als Sozialist zurück und trifft im roten Grenchen, zukunftsweisend, die Familie des russischen Berufsrevolutionärs Josef Kirschbaum und Willi Münzenberg. 1918 wird er Parteisekretär für die Bolschewiken in Seelmann im deutsch-russischen Wolgagebiet. 1919 gründet er in Berlin den Kommunistischen Jugendverband mit und wird 1921 zum ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Schweiz KPS gewählt, um dann als Vertreter der Schweiz im Jahr 1922 im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale in Moskau mit Generalsekretär Lenin am Tisch zu sitzen und am Aufbau der kommunistischen Weltbewegung mitzuarbeiten.
1930 wird er wegen Kontrasten mit der stalinistischen Linie von der Komintern abgesetzt. Nach dem Verbot der KPS war er nach dem Zweiten Weltkrieg an der Gründung der Partei der Arbeit PdA beteiligt und hatte bis zu seinem Unfalltod 1964 wichtige Funktionen in der Partei inne. Er war Grossrat in Basel und Nationalrat 1934–39 und 1953–59. Treu seiner eigenen Überzeugung kämpfte er für eine Volksfront gegen den Faschismus und zeitlebens für soziale Gerechtigkeit, internationale Solidarität, Frieden und Freiheit.
Wikipedia (DE): Marino Bodenmann
Marino Bodenmann, ein grosser Schweizer Kommunist, wurde vor 130 Jahren geboren: (...) Bodenmann war also ein unermüdlicher Kämpfer, ein Verfechter konkreter Aktionen, die eng mit den realen Bedürfnissen der Arbeiterklasse verbunden waren und von den Aktivisten der PdA, aber auch über deren Grenzen hinaus, besonders geschätzt wurden. Von Luca Frei in sinistra.ch 3. Juni 2023 erstmals erschienen kommunisten.ch (ohne Datum)
Rezensionen
Vom Geissbub im Oberwallis an den Verhandlungstisch mit Lenin: In seiner packenden Biografie zeichnet der Autor Urs Grässlin das abenteuerliche Leben seines Grossvaters nach. (...) Das Buch wertet den historischen Kontext nicht plakativ, sondern überlässt das Urteil – ob Bewunderung oder Verurteilung für Bodenmanns radikale politische Pfade – klugerweise den Lesenden. Ein packendes Stück Schweizer Zeitgeschichte, das aktueller nicht sein könnte, da es uns die zeitlosen Mechanismen von sozialer Ungleichheit und ideologischer Spaltung vor Augen führt. Von Nathalie Benelli Walliser Bote 01.07.2026
Vom Geissbub in Fiesch zum Mitarbeiter an der Kommunistischen Internationalen in Moskau: Er hat eine Weltkarriere hingelegt, die beispiellos ist: Marino Bodenmann aus Fiesch, der „Rote aus dem Wallis“, wie man ihn nannte. Von Kurt Schnidrig literatur.rro.ch 05.06.2026