Der Hausherr gibt es, der Hausherr nimmt es
Profitgier und Verdrängung im christlichen Immobiliengeschäft
Kirchliche Wohnungsfirmen behaupten von sich selbst, sozialer als andere Immobilienfirmen zu sein. Doch ihrem Anspruch, christliche Ethik und wirtschaftliches Handeln im Immobilienbereich zu verbinden, werden die kirchlichen Unternehmen immer wieder nicht gerecht.
Ralf Hutter trägt erstmals Fälle unsozialen Verhaltens gegenüber der Mieterschaft zusammen.
Bei seinen Recherchen stößt er auf ein Immobilienunternehmen im Besitz von einigen der reichsten Bistümern der Welt, das trotzdem arme Leute mit Mietsteigerungen, Repressalien und Kündigungen belastet, und auf katholische Orden, die günstigen Wohnraum vernichten.
Er stellt fest, wie hohe Funktionäre der evangelischen Kirche Berlins eine marode Stiftung nur aufrechterhalten können, indem sie in einer Wohnanlage für arme alte Menschen die Lebensbedingungen massiv verschlechtern. Und er begegnet einer 99-Jährigen, die innerhalb von drei Jahren drei Mal umziehen musste, weil eine evangelische Stiftung Pflegeheime schloss.Angesichts der Debatten um Kirchenprivilegien und die Enteignung von Immobilienunternehmen ein hochaktuelles Buch.
Buchtipp vom Berliner Mieterverein
Interview
Keine Gnade für Mieter: Christliche Immobilienkonzerne sind in Sachen Verdrängung nicht besser als weltliche Unternehmen, so der Autor Ralf Hutter. Mit Peter Nowak taz 31.3.2024 oder peter-nowak-journalist.de 01.08.2024
Rezensionen
(...) Hinter der Detailfülle der akribisch recherchierten Fallbeispiele - thematischer Zugang des Autors waren konkrete Konflikte der christlichen Wohnungsunternehmen mit den Mieter*innen – gerät allerdings die generelle Problematik des kapitalistischen Immobilien- und Wohnungsmarktes mit seiner spekulativen Dynamik zu sehr aus dem Blick. Die Hauptakteure sind hier renditeorientierte Investoren, für die Wohnungen bloße Anlageobjekte sind. Sie sind die Hauptgegner im Kampf um eine gemeinwohlorientierte Wohnungsversorgung. Die kirchlichen Wohnungsunternehmen könnten in dieser Auseinandersetzung Bündnispartner sein. Das würde freilich voraussetzen, sich nicht nur in Worten, sondern auch in Taten an den „christlich-sozialen Grundwerten“ zu orientieren. Vielleicht kann das Buch von Ralf Hutter zu einem solchen Umdenken beitragen. Zu hoffen wäre es. Von Helmut Schneider, Düsseldorfer Bündnis für bezahlbaren Wohnraum terz.org 03.2024
Kirchen als Miethaie: »Der Hausherr gibt es, der Hausherr nimmt es«: Profitgier und Verdrängung im christlichen Immobiliengeschäft: Über die Profitinteressen der Wohnkonzerne ist viel geschrieben worden; so sorgen etwa die Immobilienhaie wie Deutsche Wohnen, Vonovia & Co. immer wieder für Kritik. Weniger bekannt ist das Agieren christlicher Unternehmen, die sich selbst gern als sozialer als andere bezeichnen. Doch ihrem Anspruch, christliche Ethik und wirtschaftliches Handeln im Immobilienbereich zu verbinden, werden die kirchlichen Unternehmen nicht gerecht. Das hat der Journalist und Soziologe Ralf Hutter in den letzten Jahren recherchiert und Beiträge für den Deutschlandfunk produziert. Nach diesen Sendungen meldeten sich Mieter*innen und schilderten, wie sie vom christlich-kapitalistischen Immobiliensektor betroffen sind. Von Peter Nowak Neues Deutschland 27.12.2023
Autoreninfos
Erstellt: 25.02.2026 - 09:42 | Geändert: 25.02.2026 - 10:14