21.03.2026

Alexander Mercouris: Irankrieg verändert den Ukrainekrieg

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1. Frustration und strategische Fehleinschätzung

Mercouris analysiert den Übergang des Konflikts von einem geplanten schnellen Regimewechsel zu einem Abnutzungskrieg um Energie [00:47].

  • Fehlkalkulation der USA/Israel: Sie gingen davon aus, dass die iranische Regierung schwach sei und nach der gezielten Tötung der Führung schnell zusammenbrechen würde [01:19].
  • Ausbleiben von Zugeständnissen: Die Angriffe (z. B. auf das South-Pars-Gasfeld oder das Kernkraftwerk Buschehr) sollten den Iran und dessen Partner (Russland) an den Verhandlungstisch zwingen. Stattdessen reagierte der Iran mit massiver symmetrischer Vergeltung [02:14].

2. Die Hybris der Hegemonie

Beide Gesprächspartner sehen Parallelen zwischen dem Ukraine-Krieg und dem Iran-Konflikt [05:44]:

  • Fähigkeiten vs. Wille: Der Westen konzentriere sich zu sehr auf den eigenen politischen Willen und unterschätze systematisch die realen materiellen Fähigkeiten und industriellen Basen seiner Gegner (Russland und Iran) [07:05].
  • Eingeschränkter Diskurs: Wer im Westen über die wirtschaftliche Diversifizierung Russlands oder die stabilen Institutionen des Iran spricht, werde sofort als „pro-Regime“ oder Propagandist abgestempelt, was eine ehrliche Sicherheitsanalyse verhindere [09:57].

3. Wechselwirkungen zwischen dem Iran- und Ukraine-Krieg

Mercouris erklärt, wie der Konflikt im Nahen Osten den Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine direkt untergräbt:

  • Lockerung der Russland-Sanktionen: Aufgrund der Energiekrise am Golf mussten die USA bereits Sanktionen gegen russisches Öl lockern [12:01].
  • Abhängigkeit von Rohstoffen: Es geht nicht nur um Öl. Russland liefert Nafta, Düngemittel und Helium. Helium aus dem Persischen Golf und Russland wird dringend in Taiwan für die Halbleiterproduktion benötigt. Je länger die Krise dauert, desto mehr bricht das westliche Sanktionsregime zusammen [13:05].

4. Spaltung in Europa und Diplomatie

  • Belgien und Italien: Mercouris sieht erste Risse in der europäischen Solidarität. Der belgische Premier plädiert dafür, wieder mit Russland zu sprechen [17:06].
  • Verhandlungsunfähigkeit: Sowohl Russland als auch der Iran haben laut Mercouris die Erfahrung gemacht, dass der Westen in Verhandlungen (Minsker Abkommen, JCPOA) nur fordert, aber keine Kompromisse einhält [26:47]. Daher fordern beide Seiten nun eine Lösung der tieferen strukturellen Ursachen (Anerkennung als gleichberechtigte Mächte), statt bloßer Waffenstillstände [28:22].

5. Die Rolle Chinas

China agiert laut Mercouris sehr vorsichtig, aber bestimmt („Koloss Eurasiens“) [31:42]:

  • 40 % des Öls aus der Straße von Hormus gehen nach China. Da dies aber nur 5 % des chinesischen Gesamtbedarfs ausmacht, ist eine Blockade für Peking nicht existenziell [47:50].
  • China wickelt den Handel zunehmend in Yuan (Renminbi) ab und umgeht den Dollar. Sie unterstützen Russland und den Iran knapp unter der Oberfläche (Ersatzteile, diplomatische Rückendeckung), um eine direkte Konfrontation mit den USA zu vermeiden [33:43, 48:17].

6. Der Zeitfaktor: Wer gibt zuerst nach?

  • Iran: Für den Iran ist dies ein aufgezwungener, existenzieller Überlebenskampf. Die Bevölkerung und die Institutionen sind bereit, viel Schmerz (Rationierung) zu ertragen [42:11, 44:37].
  • Westen: Für die USA ist es ein „Krieg der Wahl“. In Europa und Großbritannien wird die Toleranz der Bevölkerung für Rationierungen und steigende Energiepreise weitaus geringer sein. Mercouris prognostiziert, dass der Westen wirtschaftlich schneller an seine Grenzen stoßen wird als der Iran institutionell [43:31, 44:55].

Zusammenfassend argumentiert Mercouris, dass der Versuch des Westens, seine Hegemonie im Nahen Osten mit Gewalt durchzusetzen, das globale Gefüge so stark erschüttert, dass das System der Russland-Sanktionen erodiert und der Westen wirtschaftlich in eine Sackgasse gerät.

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
51min 39s

Erstellt: 25.02.2026 - 22:07  |  Geändert: 22.03.2026 - 07:07

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