Unstrittig ist, dass sich in den modernen Gegenwartsgesellschaften eine Transformation vollziehen wird. Es fragt sich allerdings, ob sie stärker von den Verhältnissen erzwungen wird oder im Rahmen gewisser zivilisatorischer Standards gestaltbar ist. Kurz, ob diese Transformation "by design or by disaster" erfolgt. Doch ist es möglich, moderne Gesellschaften gezielt zu transformieren? Fest steht: Ein solch umfassender Wandlungsprozess erfordert weit mehr als technologische Veränderungen. Auch ökonomisch, institutionell und kulturell müssen sich Gesellschaften wandeln. Allein: Es gibt für die Wege in eine zukunftsfähige, nachhaltige Gesellschaft keine Masterpläne. Wie Postwachstumsgesellschaften, etwa eine "reduktive Moderne", konkret und auf die unterschiedlichen Lebensbereiche bezogen aussehen könnten, ist ungewiss. Auch Überlegungen dazu, wie genau die Entwicklungen gestaltet werden müssen, die ein "gutes Leben" für alle Menschen in Freiheit und Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig substantiell weniger Natur- und Umweltverbrauch zur Folge haben, sind noch vage. Der Sammelband "Transformationsgesellschaften" will genau dies diskutieren.
Leben auf Kosten Anderer - der Preis unseres Wohlstands, von Prof. Lessenich
auf YouTube (24.09.2018) 1:54:04
Prof. Stephan Lessenich ist Direktor des Instituts für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Buchautor von „Neben uns die Sintflut“ mit dem Untertitel "Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis". Er beschreibt, wie sich seit 500 Jahren Europa auf Kosten armer Staaten, ihrer Rohstoffe und deren Bevölkerung entwickelt und reich und mächtig werden konnte. Staaten wie Argentinien erleiden für den Soja-Anbau Rodung von Urwäldern und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung. Philippinische Familien erleben soziale Verwerfungen, weil die jungen Frauen die Sorgearbeit in den industrialisierten Ländern erledigen. Gestützt und weiterentwickelt werden diese ungerechten Verhältnisse durch das kapitalistische System der Produktion von Bedürfnissen. Die Folge sind Flüchtlingsströme und Klimawandel. Der Aufruf des Referenten „Seht hin und politisiert Euch!“ spiegelt sich in der lebhaften Diskussion. Offen blieb die Frage nach der kritischen aktiven Masse unserer demokratischen Gesellschaft für globale gerechte Wirtschaft, Schutz der Ressourcen und Reduzierung des Verbrauchs."