13.01.2024

MANOVA im Gespräch: „Die Belagerung des Geistes“ (Christian Hardinghaus, Jürgen Rose Jonas Tögel)

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auf YouTube (13.01.2024) 1:26:35

Medienpräsenz
Videokanal

Im Manova-Exklusivgespräch diskutiert Walter van Rossum mit dem Historiker Christian Hardinghaus, dem Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose und dem Propagandaforscher Jonas Tögel über die weltweite Eroberungsschlacht um den menschlichen Geist. 
 

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 26min 35s

Erstellt: 25.01.2024 - 06:36  |  Geändert: 16.08.2025 - 07:19

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"Der Begriff Informationskrieg, kurz Infokrieg (englisch infowar oder information warfare) beschreibt moderne Konflikte, bei denen Informationen als primäres Mittel zur Erreichung strategischer Ziele eingesetzt werden. Im Kontext aktueller geopolitischer Spannungen hat sich der Informationskrieg als ein zentrales Element entwickelt, das weit über traditionelle militärische Auseinandersetzungen hinausgeht." (Wikipedia)

Mit der Entwicklung von agentenbasierten KI-Systemen und Large Language Models (LLMs) hat sich eine neue Form des Informationskrieges entwickelt: sogenannte böswillige KI-Schwärme.[13] Diese bestehen aus autonomen KI-Agenten, die sich ohne zentrale Steuerung koordinieren und menschliche Sozialdynamiken imitieren.

Im Kontext des Informationskrieges zeichnen sie sich durch folgende Merkmale aus:

  • Kognitive Kriegsführung: KI-Schwärme nutzen ihre „unermüdliche operative Ausdauer“, um sich langfristig in digitale Gemeinschaften einzubetten und dort subtil Sprache, Symbole und Identitäten zu verändern.
  • Synthetischer Konsens: Durch das zeitgleiche Agieren in verschiedenen Nischen-Communities erzeugen sie eine „Mirage“ von breitem, parteiübergreifendem Konsens (Astroturfing), um die öffentliche Meinung über wahrgenommene soziale Normen zu steuern.
  • LLM-Grooming (Datenvergiftung): Durch das massenhafte Fluten des Internets mit fabrizierten Inhalten manipulieren Schwärme gezielt die Trainingsdaten zukünftiger KI-Modelle, um bösartige Narrative fest in deren Modellgewichten zu verankern.
  • Echtzeit-Anpassung: Die Agenten reagieren autonom auf Reaktionen der Nutzer und Plattform-Algorithmen, was sie schwerer detektierbar macht als klassische, skriptbasierte Botnetze.

Die Prinzipien der Kriegspropaganda (französischer Originaltitel: Principes élémentaires de propagande de guerre) ist ein mediensoziologisches Werk der Historikerin Anne Morelli. Das Buch erschien 2001, die deutsche Übersetzung 2004. Morelli arbeitete darin die zehn „Gebote“ der Propaganda aus. Sie sind vor allem als Analyseraster für pädagogische und medienkritische Zwecke gedacht und sollen wertfrei bleiben. Morelli will die Regelhaftigkeit von Propaganda-Prinzipien und Propaganda-Techniken im Bereich der Medien und der Gesellschaft aufzeigen: 

Wikipedia (DE): Die Prinzipien der Kriegspropaganda  |  Wikipedia (DE): Techniken der Propaganda und Manipulation

Jonas Tögel (Jahrgang 1985) ist ein deutscher Amerikanist, Propagandaforscher und Autor, der sich in seiner Arbeit vor allem mit Propaganda, Soft Power, Motivation, Nudging, Geostrategie und kognitiver Kriegsführung befasst. Er wuchs in Oberbayern auf, studierte nach eigenen Angaben in Passau, Regensburg und an der University of Stirling in Schottland und verfasste seine Dissertation an der Universität Augsburg zu den Themen Soft Power und Motivation. Danach arbeitete er an der Universität Augsburg als wissenschaftlicher Mitarbeiter und wechselte später an das Institut für Psychologie der Universität Regensburg, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. In öffentlichen Selbstbeschreibungen bezeichnet er sich ausdrücklich als Wissenschaftler, Autor und Speaker und verbindet seine Forschung mit Vortrags- und Publikationstätigkeit. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören „Kognitive Kriegsführung“ (2023) und „Kriegsspiele“, daneben listet er auf seiner Website zahlreiche Beiträge in Medien wie Telepolis, Multipolar, NachDenkSeiten und weiteren Publikationsorten auf. Inhaltlich beschäftigt er sich besonders mit psychologischen Steuerungs- und Beeinflussungstechniken in demokratischen Gesellschaften, mit der Geschichte moderner Propaganda sowie mit der Frage, wie Erkenntnisse aus Psychologie und Sozialwissenschaften für politische Einflussnahme genutzt werden. In der öffentlichen Darstellung seiner Arbeit betont er eine kritische Haltung gegenüber Soft-Power-Strategien, Nudging und kognitiver Kriegsführung und verbindet dies mit dem Anspruch, Menschen beim Erkennen und Neutralisieren von Manipulation zu unterstützen.

Website: Jonas Tögel  | YouTube: @DrJonasToegel

"Die Kognitive Kriegsführung könnte das fehlende Element sein, das den Übergang vom militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld zum dauerhaften politischen Erfolg ermöglicht." Seit dem Jahr 2020 treibt die NATO eine neue Form der psychologischen Kriegsführung voran: die sogenannte "Kognitive Kriegsführung" ("Cognitive Warfare"), die als die "fortschrittlichste Form der Manipulation" bezeichnet wird. Diese nimmt die Psyche jedes Menschen direkt ins Visier, mit einem ganz bestimmten Ziel: unseren Verstand wie einen Computer zu "hacken".

"Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit." Diese Erkenntnis aus dem Ersten Weltkrieg ist bis heute gültig, denn immer wieder haben seither Kriegsanlasslügen zu militärischen Konflikten geführt. Zielgruppenspezifisch ausgearbeitete Propaganda sorgt stets dafür, dass sie während der Dauer eines Krieges gar nicht erst erkannt werden. Während früher den Menschen Information vorenthalten wurde, ist es heute paradoxerweise das massive Überangebot, das ihnen die Wahrheitsfindung erschwert, wie sich nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine wieder deutlich zeigt. Diesen Umstand nutzen Machthaber beteiligter Kriegsparteien gekonnt aus, um nicht nur die eigene Bevölkerung und die des Gegners zu manipulieren, sondern die gesamte Weltbevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

Angriffskrieg ist das schwerste aller Verbrechen. Das vereinigte Deutschland ist daran beteiligt – und belügt sich selbst darüber. »Wir führen keinen Krieg«, behauptete Kanzler Schröder 1999 an dem Tag, als der Bombenkrieg gegen Jugoslawien begann, und seit Jahren gilt diese Sprachregelung auch für den immer verlustreicheren Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Der Generalbundesanwalt hat Klagen gegen die verantwortlichen Politiker mit der Begründung zurückgewiesen: Es sei zwar strafbar, einen Angriffskrieg vorzubereiten, nicht aber, ihn zu führen – eine Zumutung für Moral und Verstand.