12.07.2022

33. Pleisweiler Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Guérot - Vortrag | 10. Juli 2022 | NDS

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Das Pleisweiler Gespräch vom 10. Juli 2022 mit der außergewöhnlichen Professorin aus Bonn war das am besten besuchte Gespräch in der Geschichte dieser Veranstaltung. Über 300 Menschen aus der ganzen Republik und aus dem benachbarten Ausland waren in die Südpfalz gekommen. Die Aufzeichnung von Vortrag und Diskussion stellen wir Ihnen hiermit zur Verfügung. Es würde uns freuen, wenn Sie dieses Video weiterverbreiten.

33. Pleisweiler Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin - Vortrag
Thema: Wie wir in Europa leben wollen? Zwischen Freiheit, Kontrolle und Abhängigkeit im Zeitalter des „autoritären Kapitalismus“
10. Juli 2022 in Kapellen-Drusweiler
Das Video beginnt mit der Begrüßung durch Albrecht Müller und einer Einführung von Annette Sorg.

Zeitmarken

1. Krise des demokratischen Diskurses

  • Erosion der Debattenkultur: Guérot diagnostiziert eine „Fassungslosigkeit“ über den tiefen Fall der bundesrepublikanischen Gesellschaft in den letzten Jahren [16:54]. Sie kritisiert eine zunehmende Ausgrenzung und Diffamierung kritischer Stimmen, die als „Staatsfeinde“ oder „Schwurbler“ etikettiert werden, um eine inhaltliche Auseinandersetzung zu vermeiden [12:34, 24:57].
  • Mediale Selbstgleichschaltung: Unter Bezugnahme auf Precht und Welzer kritisiert sie, dass Massenmedien oft einseitig und moralisierend berichten und die Meinungsvielfalt der Bevölkerung nicht mehr repräsentieren [23:32, 24:13].
  • Verlust der Gewaltenteilung: Sie sieht Anzeichen für eine Erosion des Rechtsstaats, etwa wenn die Judikative Entscheidungen der Exekutive ungeprüft legitimiert, ohne wissenschaftliche Widersprüche (z.B. zur Impfpolitik) angemessen zu würdigen [29:54, 30:31].

2. Kritik an Wissenschaft und Technikgläubigkeit

  • Wissenschaft vs. Weisheit: Guérot warnt vor einem „Scientizismus“, der Wissenschaft nur noch in Zahlen und Statistiken begreift und dabei das „anthropologische Mysterium“ und die menschliche Intuition (die „Kopf-Bauch-Schnur“) vernachlässigt [37:33, 41:13].
  • Forderung nach einem „Recht auf analoges Leben“: Als konkreten politischen Vorschlag plädiert sie dafür, das Recht auf ein Leben ohne digitale Überwachung und Smartphone-Zwang in der UN-Charta zu verankern, um gesellschaftliche Teilhabe auch analog zu gewährleisten [53:27, 46:13].

3. Geopolitische Einordnung und Europa

  • Kritik der Ukraine-Politik: Sie plädiert für Verhandlungslösungen und kritisiert eine „Russophobie“, die das Erbe der Entspannungspolitik (Brandt/Bahr) gefährde [49:01, 49:27].
  • Scheitern der europäischen Ziele: 30 Jahre nach Maastricht konstatiert sie das Scheitern der beiden Hauptziele von 1989/92: die Schaffung einer echten politischen Union und ein gemeinsames Europa von Lissabon bis Wladiwostok [53:04, 53:44].
  • Emanzipatorisches Projekt: Sie fordert ein Europa, das sich als eigenständiger Akteur zwischen den USA und Eurasien emanzipiert, um seine spezifischen Werte, Industriestrukturen und die mittelständische Basis zu schützen [54:47, 55:10].

4. Ausblick

  • Gefahr sozialer Unruhen: Guérot warnt vor einem Kippen der Stimmung nach rechts, wenn soziale Fragen (Inflation, Energiepreise) nicht gelöst werden und der demokratische Diskurs weiterhin blockiert bleibt [50:34, 50:58].
  • Europäischer Bundesstaat: Als Lösung sieht sie die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung erwähnte Perspektive eines europäischen Bundesstaates, den es nun konsequent einzufordern gelte, um die Souveränität der Bürger wiederherzustellen [56:00, 56:18].
Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
57min 26s
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Erstellt: 14.07.2022 - 06:57  |  Geändert: 10.03.2026 - 10:21

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Zwischen Wahn und Hoffnung. Ein kämpferischer Text über den Zustand der Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen. 
Wie wollen wir eigentlich leben? Nach zwei Jahren Pandemie, in zermürbten Gesellschaften, verformten Demokratien, polarisierten Debatten, erschöpfen Volkswirtschaften und eingeschränkten Freiheitsrechten, liegt diese Frage mitten auf dem europäischen Tisch! Ulrike Guérot hat ein wütendes Essay für all diejenigen geschrieben, die nicht so leben wollen wie in den letzten zwei Jahren; die einem Virus nicht noch ein demokratischen System hinterher schmeißen, und die ihre Freiheit nicht für eine vermeintliche Sicherheit verspielen wollen.