26.12.2015

Das Ende vom Mythos der "sauberen Wehrmacht" - Hannes Heer über die erste Wehrmachtsausstellung

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Auf Einladung der Stiftung Demokratie Saarland und der Heinrich-Böll-Stiftung Saar war im November 2015 der Publizist, Historiker und Ausstellungsmacher Hannes Heer zu Gast. Als Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung ist es maßgeblich ihm zu verdanken, dass vor 20 Jahren die Kriegsverbrechen der Wehrmacht erstmals ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gerückt sind. Im Interview gibt Heer u.a. Auskunft über die Reaktionen auf die Ausstellung, das damalige gesellschaftliche Klima und den von Jan Philipp Reemtsma veranlassten Rückzug. Auch erinnert er sich an Saarbrücken und das bis heute unaufgeklärte Bombenattentat auf die Ausstellung vom 9. März 1999.

Wir danken Ruth Beckermann, die uns erlaubt hat, Ausschnitte ihres Dokumentarfilms „Jenseits des  Krieges“ (1995) zu verwenden. Und für zur Verfügung gestellte Fotografien danken wir Sacha Hartgers.

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
20min 20s
Ereignisdatum
11.2015
Ereignisort
Stiftung Demokratie Saarland und der Heinrich-Böll-Stiftung Saar (Deutschland)
Videoautoren

Erstellt: 24.06.2021 - 06:45  |  Geändert: 31.05.2026 - 07:24

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Eine provokante Untersuchung zum deutschen Seelenfrieden

Zum ersten Mal seit dem Ende der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" äußert sich Hannes Heer über Hintergründe der Kampagne gegen die Schau, deren Leiter er war. Sie hatte die Legende von der sauberen Wehrmacht in Frage gestellt, und der Schock war entsprechend groß. Die Versuche, die Ausstellung zu diffamieren, waren nach vier Jahren erfolgreich. Sie wurde zurückgezogen und durch eine neue, völlig entschärfte Version ersetzt. Der Krieg und seine Verbrechen sind darin wieder zum Werk einiger Spezialisten geworden. Sie zeigt Taten ohne Täter. Der Vorgang vom Verschwinden der Täter begann indessen früher.

Die deutsche Erinnerungskultur konzentriert sich auf den Holocaust und blendet die ca. 30 Mio. Opfer des zweiten Völkermordes - den an den »slawischen Untermenschen«, wie Hitler sie nannte - fast vollständig aus. Während der Großteil der Juden von einer halben Million Angehöriger von SS, Polizei und lokalen Kollaborateuren ermordet wurde, war für den Tod der übrigen Opfer die Wehrmacht verantwortlich. Von den mehr als 11 Millionen Rotarmisten und mindestens 17 Millionen Zivilisten wurden 2 bis 3 Millionen ermordet, weil sie Juden waren, die übrigen starben bei Vergeltungsaktionen oder im Rahmen des Partisanenkrieges, durch Zwangsarbeit und durch die erbarmungslose Hungerpolitik der Besatzer.