ARD & Co
Wie Medien manipulieren

Zwischen Sturm der Liebe und Musikantenstadl geht´s ans Eingemachte: Putin ist böse, Klitschko gut, Griechenland unersättlich, Bahnstreiks untragbar, Kuba zu sozialistisch, Assad ein Schlächter, Diktaturen abscheulich, außer die in Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und die anderen selbst geschaffenen. Der alltägliche Brei ist angerichtet und wird auch an diesem Montag oder Dienstag über die werte Zuschauer- und Leserschaft ausgeschüttet. Die Bundeswehr schafft Frieden, die NATO auch, die USA sowieso nur Russland nicht. Mit kleinen aber feinen Tricks werden Feindbilder erzeugt, der Sozialstaat abgebaut, Politiker und Unternehmen in Szene gesetzt und Kriege vorbereitet.

ISBN 978-3-9816963-7-0 vergriffen Mehr Infos (Buch) → d-nb.info

Manipulative Methoden tendenziöser Berichterstattung sind ermittelbar und damit Desinformation dekonstruierbar, wenn man die falsche Zuordnung von Bildern, das Weglassen wichtiger Informationen, Strategien des Wording sowie die Herstellung falscher Bezüge und Verschleierungstechniken erkennt.

In diesem ersten Band in der Reihe ARD & Co. beschreiben 17 Autoren und Autorinnen in verschiedenen Beiträgen Beispiele und Strukturen von zielgerichteter Informationsvermittlung und Manipulationen aus den letzten Jahren, darunter der Ukraine-Konflikt, Griechenland, Russland, Syrien, Frauenrechte, Uranmunition, Iran, Kaukasus-Krieg, Kosovo, Irak.

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Wenn Regierungen lügen und Medien mitmachen. Das Vertrauen in die Medien ist so gering wie selten zuvor. Man fühlt sich nicht repräsentiert, einseitig informiert, „belogen“ sogar. Doch was ist dran an solchen Vorwürfen, die von Leitmedien und Arrivierten in aller Regel mit dem Hinweis, niemals zu lügen, abgetan wird? Jens Wernicke sprach hierzu mit dem Autor, Journalisten und Medienkritiker David Goeßmann, Mitbegründer des unabhängigen TV-Nachrichtenmagazins Kontext TV. → Nachdenkseiten 11.01.2015

Der Niedergang des Journalismus. Die Medien stehen zurzeit massiv in der Kritik. Der Bürger fühlt sich oft weniger informiert als manipuliert.  Wieso vertrauen die Menschen den Medien immer weniger? Zu ihrer Einschätzung auf diese Frage sprach Jens Wernicke mit der in diesem Jahr mit dem Alternativen Medienpreis bedachten Journalistin Gaby Weber, die unter anderem für die ARD als Auslandskorrespondentin tätig ist.→ Nachdenkseiten 06.11.2015

Zitate aus dem Buch:

Es kommt auf das richtige Wort an. Richtiger gesagt: auf das falsche. Das richtig falsche. So funktioniert Propaganda: verwirrend. Propaganda muss ihre Adressaten verwirren, das ist ihr Auftrag. Sie muss das Offensichtliche vernebeln und uns zu blindem Glauben und Gehorsam erziehen – zu dem Glauben, das Unwahre sei wahr, das Richtige falsch, das Gute böse, das Böse gut. Eckart Spoo

Wieder einmal wurde dem geneigten Fernsehpublikum eines dieser gehässigen Bilder Wladimir Putins geboten, weitab von einer auch nur halbwegs sachlichinformativen Berichterstattung. Aber solche Schäbigkeiten finden sich fast täglich in unseren Presseerzeugnissen und in zahlreichen anderen Fernsehsendungen, sogar in dem viel gesehenen ZDF-heute-journal. Moderiert von Claus Kleber wurde uns beispielsweise am 9. Februar 2015 zuerst ein brennendes Haus in Donezk gezeigt, dann eine weinende Frau und verzweifelte Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz, danach rollte ein Panzer der Separatisten ins Bild, als ob sie ihre eigenen Häuser zerstörten, ihre Städte in Grund und Boden bombten. Wolfgang Bittner

Die Darstellung des Krieges in Syrien wird in den deutschen Medien fast ausschließlich aus Sicht der „Opposition“ gespiegelt, die sich im Ausland befindet, anonym äußert oder bewaffneten Gruppen angehört. Twitter-Meldungen des selbsternannten IS finden mehr Aufmerksamkeit als eine Erklärung des syrischen Außenministeriums. Und sollten doch Äußerungen der Regierung verbreitet werden, geschieht das selten in der gebotenen Neutralität. Stattdessen sind diffamierende Untertöne und verächtliche Charakterisierungen an der Tagesordnung. Karin Leukefeld

Am Beispiel des Einsatzes der Bundeswehr werden der Wandel und die zunehmenden Defizite besonders deutlich. Statt vor Kampfeinsätzen zu warnen, die sich abzeichneten, wurde für diese geworben, indem Soldaten zu Helfern in Uniform stilisiert wurden. Angebote der Bundeswehr, die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten mit Steuergeldern zu subventionieren, wurden vor dem Hintergrund zunehmender Finanzprobleme der Redaktionen angenommen. Ulrich Tilgner

Während des Kaukasus-Krieges und danach war die Haltung führender westlicher Politiker und bedeutender Medien eindeutig. Russland war zweifelsfrei der Schuldige. Einzig an der Frage, ob die Zurückhaltung des Westens eine Stärke oder eine Schwäche sei, schieden sich die Geister. 2009 wurde ein von der Europäischen Union in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht veröffentlicht. Die Kommission wies nach, dass der georgische Präsident Saakaschwili mit seinem Angriff keineswegs auf eine russische Invasion reagierte, sondern den Krieg selbst begonnen hatte. Andreas von Westphalen

Am 4. Juni 1961 ging Panorama auf Sendung. Auf den Tag genau 54 Jahre später wirkt Moderatorin Anja Reschke den Tränen nah: „Es hat sich etwas verändert zwischen Publikum und Medien. […] Gelogen, manipuliert, einseitig, gleich – geschaltet – solche Vorwürfe nehmen zu. Gegenüber der gesamten Presse. Die Redaktionen von Nachrichtensendungen, Radiostationen, Zeitungen, Onlinemedien werden überflutet von Beschwerden und bösen Kommentaren.“ Frau Reschke erweckt den Eindruck einer redlichen Bürgerin, die fassungslos miterleben muss, wie durchgeknallte Horden ihr Eigenheim kurz und klein schlagen. Unbegreiflich, dieser Aufstand des Mobs. Was sind das überhaupt für Leute? Walter van Rossum

Während der lateinamerikanischen Diktaturen gab es Interesse in Deutschland an dem Demokratisierungsprozess. Danach versickerte es. Jetzt muss ich nach einem Zusammenhang mit Deutschland suchen, wenn ich ein Thema unterbringen will. Ein deutscher Schäferhund scheint wichtiger als ein gesellschaftlicher Prozess. Einen guten Vorschlag auszuarbeiten, macht viel Arbeit. Was ich im Internet finde, entspricht selten der Realität, und das Internet ist erst relativ jung. Interview mit Gaby Weber

Dass neben PR-Agenturen auch Geheimdienste bei der Erfindung, Etablierung und Verbreitung derlei kriegsbefürwortender Narrative und Spins eine entscheidende Rolle spielen, belegt ein von WikiLeaks 2010 veröffentlichtes CIA-Dokument, in dem es unter anderem heißt: „Die afghanischen Frauen sind der ideale Botschafter, um den Kampf der ISAF-Truppen gegen die Taliban human erscheinen zu lassen.“ Jörg Becker und Jens Wernicke

Einige News schaffen es in die News, andere nicht. Das wäre nicht weiter problematisch, wenn nicht immer wieder relevante und für weite Teile der Gesellschaft interessante Nachrichten dabei unter den Redaktionstisch fallen würden. Hektor Haarkötter

Die Leitartikel der Süddeutschen Zeitung über die Monate der Verhandlungen 2015 sind dominiert von einer zum Prinzip geronnenen Gegenüberstellung von verantwortungsloser griechischer Regierung und prinzipientreuem Handeln der Geldgeber. So kommentiert Stefan Kornelius unter dem Titel „Ins Graos“ am Tag der „Einigung“ mit der griechischen Regierung (13. Juni 2015) die „Harakiri-Politik der Regierung Tsipras“, die eine „Vertrauensimplosion“ verursacht habe, mit einem „Maximalschaden für die Menschen, denen er zu dienen versprochen hat“. David Goeßmann


Rezension

Sprachregelung bei der ARD. Wording – Anmerkungen zum Gebrauch ausgewählter Begriffe bei der Beschreibung von Konflikten. Zur Frankfurter Buchmesse ist der Sammelband »ARD & Co. Wie Medien manipulieren« erschienen, in dem 17 Autoren Beispiele und Strukturen von zielgerichteter Informationsvermittlung in den Konflikten der vergangenen Jahren beschreiben. junge Welt dokumentiert mit freundlicher Genehmigung des Selbrund-Verlags auszugsweise den Aufsatz »Wording – Anmerkungen zum Sprachgebrauch«, den der Gründer der Zweiwochenzeitschrift Ossietzky, Eckart Spoo, verfasst hat. Von Von Eckart Spoo → junge Welt vom 15.10.2015

Der Niedergang des Journalismus - Gaby Weber, Journalistin (Nachdenkseiten)
Berlin gegen Krieg YouTube (11.11.2015)

Autoreninfos

Karin Leukefeld, Jahrgang 1954, ist Ethnologin, Islam- und Politikwissenschaftlerin sowie Historikerin. Seit 2000 arbeitet sie als freie Korrespondentin. Ihre Schwerpunkte sind der Nahe und Mittlere Osten. Sie schreibt unter anderem regelmäßig für NachDenkSeiten und das Nachrichtenmagazin Hintergrund.

Wikipedia (DE): Karin_Leukefeld  |  Website

 

Ronald Thoden ist ein deutscher Autor und Publizist, der sich schwerpunktmäßig mit Medien- und Propagandakritik sowie geopolitischen Themen wie Russland und der Ukraine auseinandersetzt. Er veröffentlichte u. a. die Titel ARD & Co. – Wie Medien manipulieren (2015) sowie Ukraine im Visier. Russlands Nachbar als Zielscheibe geostrategischer Interessen (2014). Er gilt als Herausgeber und Autor eigenständiger, kleinerer Verlage und ist als Inhaber der Selbrund GmbH in Berlin aufgeführt.
 

Wolfgang Bittner lebt als Schriftsteller und Publizist in Göttingen. Der promovierte Jurist schreibt Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Er erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen und ist Mitglied im PEN. Von 1996 bis 1998 gehörte er dem Rundfunkrat des WDR an, von 1997 bis 2001 dem Bundesvorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Vorderasien, Mexiko, Kanada und Neuseeland, Gastprofessuren 2004 und 2006 nach Polen. Wolfgang Bittner war freier Mitarbeiter bei Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen und hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht.

Website: wolfgang bittner

Eckart Spoo war ein deutscher Journalist und Publizist.

Wikipedia (DE): https://de.wikipedia.org/wiki/Eckart_Spoo

→ Homepage von Ulrich Tilgner

Muslim-Markt interviewt Ulrich Tilgner,   Ulrich Tilgner (Jahrgang 1948) hat nach seinem Wehrdienst sein Studium der Kulturwissenschaften, der Politischen Wissenschaften und der Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten Freiburg und Tübingen mit dem Magister abgeschlossen. Im Anschluss war er drei Jahre lang Mitarbeiter des Süddeutschen Rundfunks. 1979–1980 arbeitete er als Chef vom Dienst im dpa-Landesbüro Südwest. Kurz nach der Islamischen Revolution im Iran reist er nach Teheran und arbeitete für die Rundfunk- und Fernsehanstalten der ARD, den Schweizer Rundfunk (DRS), die dpa und mehrere Tageszeitungen. Ab 1982 erfolgten zudem Berichte für das ZDF und das Schweizer Fernsehen (DRS) über den gesamten Nahen und Mittleren Osten. Ab 1986 war er 14 Jahre im Büro Amman (Jordanien). Besonders bekannt wurde er durch seine Berichte über den Kuwait-Krieg und den Irak-Krieg aus Bagdad (1991 u. 2003). Für seine Berichterstattung über den Irak-Krieg erhielt Ulrich Tilgner den Hanns-Joachim-Friedrich-Preis für Fernsehjournalismus 2003. Von 2002 – 2008 war er Leiter des ZDF-Büros in Teheran und Sonderberichterstatter für den Mittleren Osten und bis 2014 berichtete er für das Schweizer Fernsehen (DRS). Tilgner ist Autor mehrere Bücher, u. A.: Die Logik der Waffen (2014), Zwischen Krieg und Terror (2006), Der inszenierte Krieg (2003), Umbruch im Iran (1979) und hat mehrere Dokumentarfilme gedreht, darunter: Schah Matt (1981), Die Kurden – ein Volk, das es nicht geben darf (1983). → Muslimmarkt 4.10.2018

 

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Erstellt: 19.10.2015 - 10:47  |  Geändert: 12.11.2025 - 08:47