Teslokratie
Ideologien des Tech-Kapitalismus
Was passiert, wenn Tech-Konzerne im Verbund mit Antidemokraten nach der Macht greifen?
Im Januar 2025 gründete US-Präsident Trump das sogenannte »Department of Government Efficiency« und ernannte mit Elon Musk den reichsten Mann der Welt zum Regierungsberater mit weitreichenden Befugnissen. In den folgenden Monaten ließ sich am deutlichsten erkennen, was eine »Teslokratie« für unsere Gesellschaft bedeuten würde. Musk startete einen beispiellosen Angriff auf die Demokratie und entließ voreilig Hunderttausende Regierungsmitarbeiter*innen.
Das Agieren der Tech-Bros, von Musk über Investor Peter Thiel bis zu Palantir-CEO Alex Karp, ist von libertären Extremisten und Anti-Aufklärern inspiriert, die sich als rechte »Anarchokapitalisten« verstehen. Staaten sollen wie Unternehmen geführt werden, mit CEOs an der Spitze und ausgerichtet am heiligen Gral der Effizienz.
Beim sorgenvollen Blick über den Atlantik sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch vor den Toren Berlins eine Tesla-Gigafactory an Abstimmungsverfahren vorbei genehmigt wurde – im »Tesla-Tempo«, wie Robert Habeck es formulierte. Die »Teslokratie«, das wird immer deutlicher, reicht von Grünheide bis zum Mars, ihr Horizont ist der eines techno-utopischen Kolonialismus des Weltalls.
"Es war ein noch nie dagewesener Coup. Als Elon Musk am 12. November 2019 verkündete, dass Tesla seine Gigafactory in der »Greater Berlin Area« bauen werde, war die Überraschung perfekt. Was die Öffentlichkeit und selbst viele Politiker: innen nicht wussten: Der Deal war da längst abgeschlossen. Monate zuvor schon und hinter verschlossenen Türen hatten sich Vertreter:innen der brandenburgischen Landesregierung, der Bundesregierung und Lobbyist:innen mit Tesla getroffen. Die Gespräche verliefen schnell, vertraulich und ohne parlamentarische Kontrolle. Musks Bedingung: Keine Öffentlichkeit, keine Leaks. Brandenburg gehorchte. Wo die Politik nicht als souveräne Instanz, sondern als Standortbewerberin im globalen Wettbewerb agiert und politische Entscheidungsträger:innen nur noch »Ermöglicher:innen« sind, verlagert sich die Macht weiter auf die Seite des Kapitals, und CEOs ersetzen gewählte Volksvertreter:innen. Die Tesla-Ansiedlung in Grünheide markiert nicht den Beginn einer Erfolgsgeschichte, sondern das stille Ende der Demokratie. Sie ist ein Lehrbuchfall moderner »Teslokratie«. Die Frage ist nicht, ob wir uns Tesla leisten können, sondern ob wir uns die Teslokratie leisten wollen." Leseprobe beim Verlag
Dieses Buch versammelt Analysen, Kritiken, Gegenstrategien aus politischer Theorie, Soziologie und Kunst; wissenschaftliche Aufsätze zur »Teslokratie« stehen neben essayistischen Einlassungen und künstlerischen Bildstrecken.
Mit Beiträgen von Dirk Baecker, Heiko Baschin, Francesca Bria, Florian Cramer, Timo Daum, Jay Jordan, Sebastian Kirsch, Heimo Lattner, Geert Lovink, Julia Palmer, Ana Teixeira Pinto, Kim Stanley Robinson, Quinn Slobodian, Jonas Staal, Nienke Terpsma, Maike Weißpflug, Mirjam Wulff
Aus dem Inhalt
I Geographien
Chronologie des Grauens - Heiko Baschin 31
SAND. Eine Erörterung - Heimo Lattner und Julia Palmer 46
Maßnehmen und Marsnehmen - Sebastian Kirsch 62
Regulation auf einem heißen Planeten - Maike Weißpflug 78
II Genealogien
Demos Veto und Demos Exit - Quinn Slobodian 99
Fit für den Zufall - Dirk Baecker 119
Fordismus vs. Muskismus - Timo Daum 132
III Regime
Der autoritäre Stack - Francesca Bria 149
Die Löschungs-Strategie von DOGE - Geert Lovink 155
Oh Mann! Die Welt geht unter, Männlichkeit
bleibt bestehen - Ana Teixeira Pinto 169
Der Reiz der Apokalypse - Mirjam Wulff 188
IV Horizonte
Grenzüberschreitung als gesundes Volksempfinden -
Florian Cramer und Nienke Terpsma 203
Transformative Klimapropaganda und Biostorys jenseits
des Aussterbens - Jonas Staal 220
Machen wir das wirklich? - Jay Jordan 236
Fünf Fragen an Kim Stanley Robinson
Christoph Chwatal, Alexander Karschnia und Heimo Lattner 255