Der Genozid in Palästina
Die lange Vorgeschichte, die Verantwortung des Westens und die Welt danach
Der Genozid, der sich nicht mehr auf den Gazastreifen beschränkt, sondern inzwischen "durch ethnische Säuberungen auf das Westjordanland und Ostjerusalem ausgeweitet wird" (Francesca Albanese), ist das Ergebnis eines hundertjährigen Konflikts in Palästina, den letztlich westliche Mächte mit zu verantworten haben.
Der Autor zeigt auf, dass die Kriegsverbrechen der israelischen Streitkräfte die Kriterien für einen Genozid erfüllen. Der militärischen, diplomatischen, finanziellen und medialen Unterstützung des verbrecherischen Kriegs seitens der USA und Deutschlands ist ein Kapitel gewidmet.
Einen besonderen Stellenwert nehmen Überlegungen über Palästina und die Welt insgesamt nach diesem Genozid ein. Wie gehen wir in Deutschland damit um?
Ein Blick auf die Zerstörung des ganzen "Nahen Ostens", bei der die USA und Israel seit Jahrzehnten das Völkerrecht zur Farce machen, weckt beim Autor die Befürchtung, dass bald weltweit nur noch das Faustrecht gelten könnte, wenn die Krise nicht eine Neuordnung erzwingt.
"Die Hartnäckigkeit, mit der Israel und die USA ungestraft gegen UN-Resolutionen und die UN-Charta verstoßen, beeinträchtigt das allgemeine Rechtsbewusstsein und findet zunehmend Nachahmer."
Aus dem Inhalt
1. Krieg um Krieg für das zionistische Projekt 12
Die ersten Schritte zum Siedlerkolonialismus 12
Die Protektion seitens des Britischen Empire 15
Zwei Staaten oder ein binationaler Staat? 17
Die UN-Charta und das nationale Selbstbestimmungsrecht 19
Der palästinensische Widerstand, ausgeschlagene Friedensangebote 23
Die Niederschlagung des Widerstands und
der Deal von Oslo 26
2. Der Weg zum Genozid und die zweite »Nakba« 34
Der Gazastreifen, ein Gebiet der Perspektivlosigkeit 34
Der Übergang zu absoluter Rechtlosigkeit und Willkürherrschaft 36
Die Operation »Al-Aqsa-Flut«, der Aufstand der Elenden 40
Die militärische Vernichtungskampagne »Eiserne Schwerter« 44
Der Terror im Westjordanland 50
Die Kriegsverbrechen der »moralischsten Armee« 53
Ein Völkermord? - Mehr als plausibel 63
Die euroatlantische Komplizenschaft 68
3. Was für eine Zukunft danach? 75
Ein weiteres Mal ein folgenloses »Nie wieder«? 75
Traumatisierte Palästinenser 79
Ein Zivilisationsbruch in Israel 81
Die Folgen für die jüdische Diaspora 85
Welche Perspektive gibt es für eine friedliche Koexistenz in Palästina? 88
4. Vom »kreativen Chaos« zur Schwächung
der völkerrechtlichen Ordnung 95
»Kreatives Chaos« im Nahen Osten 96
Schwächung der UNO und des internationalen Rechts durch Israel und die U SA 101
Zitate aus dem Buch
»Der leitende Gedanke des Buches ist, dass die Katastrophe, die unser aller Zukunft betreffen wird, schon früh vorgezeichnet war, als die zionistische Bewegung auf die Idee kam, einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu errichten. Noch vor dessen Gründung meinte Hannah Arendt 1945, als absehbar war, dass sich die Radikalen innerhalb des Zionismus mit dieser Idee durchsetzen würden. ›Auf lange Sicht kann man sich kaum eine Entwicklung vorstellen, die gefährlicher und abenteuerlicher wäre …‹«
»Für die Palästinenser ist das Leben zur Hölle geworden, nicht nur im Gazastreifen, sondern auch im Westjordanland. Und die Pläne der israelischen Regierung zur völligen Vertreibung sind noch nicht vom Tisch. Eine Vorstellung von ihrer Zukunft können sich die Palästinenser zurzeit kaum machen.«
»Die USA und die meisten Staaten in Europa, an vorderster Front Deutschland, haben sich indirekt des Völkermords schuldig gemacht, indem sie erstens UN-Resolutionen, die eine Beendigung der Kriegshandlungen forderten und Israel zur Rechenschaft ziehen sollten, blockierten, sei es durch ihr Veto im Sicherheitsrat wie die USA, sei es durch Gegenvoten und Enthaltung in den zuständigen UN-Organen, zweitens durch fortgesetzte Waffenlieferungen.«
»Was, wenn eines Tages der Genozid am palästinensischen Volk nicht mehr zu leugnen ist? Wie werden die, die jetzt ihre Stimme erheben könnten, mit ihrer Drückebergerei umgehen? Oder gar die, die Israel nach wie vor offensiv verteidigen, die propalästinensische Proteste unterdrücken? Wird dann in manchen Kreisen betretenes Schweigen herrschen? Was werden Lehrer machen, wenn Schüler auf das Thema zu sprechen kommen und mehr darüber wissen wollen?«
»Die heutige Politik ist von Doppeldeutigkeit oder auch Uneindeutigkeit gekennzeichnet. Angriff wird zur Verteidigung. Permanenter Krieg, oft mit Söldnerbanden organisiert, dient der Friedenssicherung. Die Sanktionspolitik der USA und der EU ist, obwohl widerrechtlich, zu einem vertrauten Muster des politischen Lebens geworden. Dasselbe gilt für die gezielte Tötung von Menschen. Wer beschuldigt die Mörder noch des Mordes?«
Gaza und Genozid im Archiv beim Hintergrund Verlag
Die beängstigende Einkesselung Gazas: Wann wird es zum Genozid? Während eines Besuches in Ramallah vor einem Jahr und während des israelischen Bombardements des Gazastreifens teilte ich mit einem engen palästinensischen Freund meine Befürchtungen. „Es mag irrsinnig klingen, aber ich denke, das wahre Ziel der Israelis ist es, alle (Palästinenser) tot zu sehen.“ Von NADIA HIJAB Hintergrund.de 15.01.2010
