Sehnsucht nach dem Kapitalismus
In 'Sehnsucht nach dem Kapitalismus' geht der britische Kulturtheoretiker Mark Fisher unseren Wünschen und Begierden im und nach dem Kapitalismus auf den Grund.
Das Buch ist Mark Fishers letztes Werk: Seine Vorlesungen am Goldsmiths College vom November 2016 bis zu seinem tragischen Tod im Januar 2017. Es erschien anschließend auf Englisch bei Repeater Books unter dem Buchtitel 'Postcapitalist Desire: The Final Lectures' - und liegt nun erstmalig ins Deutsche übersetzt bei Brumaire vor.
Nur wenige Autoren haben die ¿Millenial¿-Linke so nachhaltig inspiriert wie Mark Fisher selbst. In den 2000er Jahren war der Blog 'K-PUNK' ein Hort des kritischen Denkens in einem Miasma aus neoliberalem und akademischem Gruppendenken, ein Vorposten einer reifen, digitalen Gegenkultur. Sein Buch Kapitalistischer Realismus ohne Alternative (2009) bot eine Momentaufnahme der politischen und sozialen Landschaft, die die Weltwirtschaftskrise hinterlassen hatte, kurz nachdem die konservative Regierung Cameron ihren jahrzehntelangen Sparkurs eingeleitet hatte.
Spätere Bücher - Gespenster meines Lebens (2012), The Weird and the Eerie (2017) - erwiesen sich als verspätete Klassiker. Seine Schriften inspirierten die britische Studentenbewegung in den Jahren 2010 und 2011, die daraufhin die Tory-Zentrale im Zentrum Londons stürmte. Fishers Einfluss war jedoch nie ausschließlich britisch, sondern speiste sich stetig aus der tieferen Dynamik des Protests, der sich in den langen 2010er Jahren weltweit ausbreitete.
Mark Fisher beging vor sechs Jahren, am 13. Januar 2017, tragischerweise Suizid: 'Sein Werk erreicht uns wie eine Flaschenpost aus einer anderen Zeit, die doch auch die unsere ist', schrieb Anton Jäger in JACOBIN N°7.
Inhaltsverzeichnis
- Nie wieder triste Montagmorgen - Vorwort von Matt Colquhoun
- Was ist Postkapitalismus?
- Die Bohème der Gegenkultur als Präfiguration
- Vom Klassenbewusstsein zum Gruppenbewusstsein
- Union Power und Soul Power
- Libidinöser Marxismus
- Anhang I: Seminarplan
- Anhang II: Songliste 'No More Miserable Monday Mornings'
Das Gespenst einer freien Welt. In zwei späten, nun posthum veröffentlichten Texten zeigt Mark Fisher die 1970er Jahre als Zeit linker Kämpfe und von Experimenten, die neue Verbindungen stifteten. Von Morten Paul untergrundblättle 17.05.2025
"Die Faszination, die die Dokumentation der Vorlesung auslöst, ist nicht zu letzt bedingt durch die Authentizität, die der Dozent vermittelt, die Art, wie er um und mit den Studierenden für eine alternative linke Zukunft ringt. Das hat etwas, an dem man festhalten möchte. Diesen Eindruck haben auch andere, die das Buch gelesen haben." Von Andreas Mertin Tà katoptrizómena, das Magazin für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik 01.08.2024
"Ein wichtiges Konzept, welches sich durch das Buch zieht, ist die Idee des „Akkzelerationsimus“. Die bestehenden Verhältnisse seinen immanent dermaßen widersprüchlich, dass ein weiteres Aufrechterhalten dieser konstant gefährdet ist. Daher sei es notwendig, diesen antagonistischen Prozess (den Kapitalismus) sogar noch zu beschleunigen und folglich seine Widersprüche auch." Rezensiert von Joshua Graf Social Net 10.04.2024