Das Argument 344 - Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften
35 Jahre Westdeutsche Einheit. Antikommunismus, Neoliberalismus, Bellizismus

Das Argument 344 widmet sich im Zuge der 35-Jahr-Feiern der deutschen Einheit und stellt die gegenhegemoniale Frage, ob zu feiern eine adäquate Reaktion geblieben ist im Angesicht des heutigen politischen Zustands der Bundesrepublik.

Nicht nur häufen sich die Stimmen, die hinter dem offiziellen Wiedervereinigungsnarrativ einen bloßen Anschluss der DDR an die BRD, wenn nicht eine feindliche Übernahme durch westliches Kapital wittern; auch war die Wendezeit begleitet von der neoliberalen Schocktherapie der Treuhand und rechtsextremen Pogromen gegen Migrant_innen. Dabei scheinen die ausufernde Privatisierungspolitik und der explosive Nationalismus der vergangenen Dekaden zusammenzugehören. Deutschland bleibt auch 35 Jahre nach seiner offiziellen Einheit weiter ökonomisch, kulturell und mental gespalten, ...

ISBN 978-3-86754-053-7 1. Auflage 19.01.2026 20,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Softcover)

... während die Tendenz zum deutschen Autoritarismus in Ost wie West zunimmt - was nicht nur am AfD-Ergebnis der letzten Bundestagswahl ablesbar ist. Dabei verweist diese Diagnose jenseits deutsch-deutscher Provinzialismen auf internationale Tendenzen. Spätestens seit der Finanzkrise 2007/08 ist das Ende der Geschichte, das 1989 eingeläutet wurde, seinerseits beendet; die Systemfrage steht seither offen, wenngleich meist verschwiegen, im Raum. Gleichzeitig erlebt der politische Globus seit 2016 und spätestens seit 2022 eine Faschisierung, die Menschen- ebenso wie bürgerliche Rechte nicht nur von den rechten Rändern, sondern von der politischen Mitte her auszuhebeln droht. In plural-marxistischer und kritisch-theoretischer Manier ist darum der Nexus von Antikommunismus, Neoliberalismus und Neofaschisierung zu untersuchen, der antizipatorisch etwa im Ostdeutschland nach der »friedlichen Revolution« und im Osteuropa der frühen 90er Jahre studiert werden kann.

(66. Jahrgang · Heft 1 / 2026)

Mehr Infos

Inhaltsverzeichnis und Autoren

Editorial

Dieses Argument-Heft ist das erste in neuer Folge, mit neuer Herausgeberschaft und neuer Redaktion – nach einem Wechsel über zwei Generationen hinweg. Wir führen mit ihm den Beginn der Zeitschrift in seinem Kampf dem Atomtod fort: Forward strategy, massive retaliation, Armageddon scheinen für zeitgenössische Politiker*innen wieder gangbare Fortsetzungen der Politik mit anderen Mitteln zu sein. Grenzenloser Militarismus ist seit Scholz’ Superlativ der Zeitenwende und Merz’ – den Superlativ seines Vorgängers noch überbietendem – Epochenbruch vorrangiges Staatsziel Deutschlands und wichtigste Investitionsanlage seines Nationalkapitals. Erneut ist darum weniges so geboten wie der Antimilitarismus, für den das Argument stets stand und einstand. 

Das gilt insbesondere gegen eine Hegemonie, die selbst weite Teile der ehemaligen Linken ins Racket des Bellizismus integriert hat. Gerade pluraler Marxismus, der auch als antikapitalistischer Organisationszusammenhang für Feminismus, Antirassismus und Ökologie jenseits ihrer bürgerlichen Formatierungen dient, kann die virilistische, kolonialistische, ökozidale Seite des Kriegführens nicht ausblenden. Zudem ist das Militär als Fabrik des autoritären Charakters, die blinden Gehorsam, selbstbrecherische Disziplin und bedingungslose Opferbereitschaft – zum Zweck eliminatorischer Feindbildprojektion – produziert, eine der wichtigsten Brutstätten der Faschisierung: »A neo-fascist culture emerges through militarism, misogyny, extreme masculinization, and racism«. 

Dass solche grundsätzlichen Zusammenhänge, die die Analysefähigkeit der Linken seit ihrem Entstehen offenlegt, durch ganze Spektren derer, die sich heute in die Tradition der Linken stellen, rundheraus abgestritten und verleugnet, wenn nicht verleumdet werden, ist besorgniserregend. Die Entwendung aus der feministischen Kommune geschieht inzwischen ausgerechnet im Namen des Vaterlandes: So tritt der stählerne Kultus des Soldatentums – von der toxischen Männlichkeit heroischer Härte bis zum Töten- und Sterbenwollen zu ›höheren Zwecken‹ – seit Jahren als ›feministische Außenpolitik‹ auf. Neben den Anfängen der Zeitschrift schließt sich das vorliegende Heft besonders an die Argument-Ausgaben der 1990er Jahre an (…)

Presse zum Argument

Eine umfassende Systemanalyse mit klar marxistischer Methodik: »Die Sprache bleibt trotz der akademischen Ausweise der meisten Schreibenden verständlich. Um technische Details geht es selten. Umso gründlicher ausgeleuchtet werden Strukturen sowie deren Wirkungen, und dies über den ganzen, weiten Bereich, den eine «Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften» eben umfasst. Oft nahm ich mir angesichts der mehreren hundert dicht bedruckten Seiten vor, einen Beitrag flüchtig zu überfliegen, las mich doch fest, stets mit Erkenntnisgewinn.« Hans Steiger, P.S. (29.01.21)

Der Herausgeber

Das Argument - Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften wurde 1959 von Wolfgang Fritz Haug gegründet und wird heute herausgegeben im Auftrag des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) von Lukas Meisner.

Wikipedia (DE): Das Argument

Erstellt: 02.02.2026 - 08:17  |  Geändert: 02.02.2026 - 09:36