02.02.2023

Glossar der Gegenwart: WUT - mit Heike Geißler

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auf YouTube (02.02.2023) 1:59:31

Live aus dem Deutschen Hygiene-Museum in Dresden
Im Rahmen der Reihe "Glossar der Gegenwart"

Moderation & Konzeption: Dr. ANNA-LISA DIETER, Literaturwissenschaftlerin

Unsere Gesellschaft ist gereizt. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist Wut ein bestimmender Affekt der Gegenwart. Wut entlädt sich in den sozialen Medien, auf Demonstrationen, im öffentlichen Diskurs oder im Privaten. Sie tritt oft gepaart mit Angst auf und ist meist für rationale Argumente taub. Wer seine Wut versteht, lebt gesünder.

Der zweite Abend der Reihe beschäftigt sich mit den Gründen, aus denen Wut entsteht, und mit der Wut als Motiv und Antrieb der Literatur. Mit der "Wut"-Spezialistin Heike Geißler kommt eine der originellsten und eigensinnigsten Schriftstellerinnen der deutschen Gegenwartsliteratur ins Hygiene-Museum. Ihr Roman "Die Woche" (Suhrkamp 2022) ist eine große Studie der Wut als revolutionäre Kraft und definiert politisch engagierte Literatur neu. Im Gespräch mit ihr wird es daher unter anderem um die Frage gehen, welche Möglichkeiten die Literatur hat, gesellschaftliche Verhältnisse zu verändern.

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 59min 31s
Ereignisdatum
02.02.2023
Ereignisort
Deutsches Hygiene-Museum, Dresden (Deutschland)
Videoautoren

Erstellt: 21.02.2026 - 19:06  |  Geändert: 21.02.2026 - 19:06

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Wo überall sitzt die Menschenfeindlichkeit?
Eine literarische Intervention gegen die gesellschaftspolitischen Verhältnisse

Ein Mädchen steht vor der Schwimmlehrerin und bettelt, endlich in die Fortgeschrittenengruppe zu dürfen. Dabei kann sie nur am Beckenrand ohne Leine gut schwimmen. Die Lehrerin ist gnadenlos, das Mädchen verzweifelt.  Dreißig Jahre später ist Heike Geißler erwachsen und noch immer verzweifelt - aber entschlossen, sich diesem Gefühl zu stellen: ...

Der Ohnmacht eine Kampfansage. »Politik, Europa, Gegenwart, Alltag, das kann einem ja nun keiner erzählen, dass das keine Auswirkungen hat«, ruft die Erzählerin ihrer Freundin Constanze zu. Zusammen sind sie die proletarischen Prinzessinnen - »Prinzessinnen, wie sie nicht in jedem Buche stehen. Aber wartet nur, wir schreiben uns in die Bücher hinein«. Zusammen wollen sie Widerstand leisten. Eine Revolte anzetteln. Die alten Märchen überschreiben. Denn etwas ist aus den Fugen geraten: Plötzlich drängen sich immer mehr Montage in die Woche. Da sind Riesen, die wie aus dem Schauermärchen in die Wirklichkeit schnellen. Da ist der Tod, der, eben noch erschöpft, immer mehr zum Akteur wird. Da ist ein unsichtbares Kind, das dafür plädiert, geboren zu werden. Da ist der schönste Roman der Welt in weißen Jeans. Höchste Zeit also, jedwede Ohnmacht zu überwinden.