Die unregierbare Gesellschaft
Eine Genealogie des autoritären Liberalismus
Die 1970er Jahre wurden von einer gigantischen "Regierbarkeitskrise" erschüttert: Die Wirtschaftswelt hatte mit massiver Disziplinlosigkeit der Arbeiter zu kämpfen, aber auch mit der so genannten " Managerrevolution", mit bisher beispiellosen ökologischen Massenbewegungen und neuen Sozial- und Umweltvorschriften. Politisch geäußerte Ansprüche immer zahlreicher werdender sozialer Gruppen drohten in den Augen der herrschenden Eliten aus Wirtschaft und Politik die Gesellschaft unregierbar zu machen. Der französische Philosoph Grégoire Chamayou porträtiert in seinem faszinierenden Buch dieses Krisenjahrzehnt als den Geburtsort unserer Gegenwart - als Brutstätte eines autoritären Liberalismus.
Zur Abwehr der Bedrohung wurden in wirtschaftsnahen Kreisen neue Regierungskünste ersonnen, die beispielsweise einen Krieg gegen die Gewerkschaften, den Primat des Shareholder Value sowie eine Entthronung der Politik vorsahen. Der damit seinen Siegeszug antretende Neoliberalismus war jedoch nicht durch eine einfache "Staatsphobie" bestimmt. Die Strategie zur Überwindung der Regierbarkeitskrise bestand vielmehr in einem autoritären Liberalismus, bei dem die Liberalisierung der Gesellschaft eine Vertikalisierung der Macht impliziert: Ein "starker Staat" für eine "freie Wirtschaft" wird zur neuen Zauberformel unserer kapitalistischen Gesellschaften.
Rezension
Als die neoliberale Individualisierung ihren Anfang nahm. Die Bürgerrechtsbewegung der siebziger Jahre kämpfte für mehr individuelle Freiheiten. Dagegen gingen Staat und Wirtschaft vor. Mit welchen Strategien sie die Revolte bremsten, zeigt Grégoire Chamayou in „Die unregierbare Gesellschaft“. Von Jens Balzer → Deutschlandfunk Kultur 07.11.2019
Weitere Pressestimmen
»Das Unheimliche an Chamayous Buch ist, dass man nach der Lektüre sehr gut an sich selbst überprüfen kann, wieweit das soziale Mikro-Engineering der Wahl einen schon selbst im Griff hat.« Cord Riechelmann Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 15.12.2019
»Gregoire Chamayou ist nicht der erste, der den Neoliberalismus als Ideologie oder politisches Aktionsprogramm charakterisiert. Aber selten zuvor wurde das so ausführlich belegt und so spannend und pointiert beschrieben.« Martin Hubert Deutschlandfunk 23.12.2019
»Eine brillante Saga des autoritären Liberalismus.« Libération 13.05.2019
»Spannend wie ein Krimi.« L’Humanité 13.05.2019
»Der französische Philosoph Grégoire Chamayou hat mit Die unregierbare Gesellschaft eine starkes Buch vorgelegt, welches die neoliberale Ideologie und die brutalen Folgen dieses weltweit ökonomisch hegemonialen Regimes ausführlich beschreibt.« links-lesen.de 29.01.2020
»Eine Untersuchung, die politischen Schwindel erzeugt, indem sie die ideologischen Waffen und Mittel aufdeckt, mit denen wir vom autoritären Liberalismus besiegt wurden.« Mediapart 13.05.2019
»Chamayou zeichnet aus, dass er nicht nur nacherzählt, wie sich nach 1970 die Gegenrevolution formierte und die heutige Gesellschaft schuf, sondern verdichtet und kritisch zuspitzt – gut lesbar, sympathisch polemisch und trotzdem sozialphilosophisch profund.« Matthias Becker, Konkret
»Chamayous Buch ist ohne Zweifel eine der instruktivsten Studien zur neoliberalen Konterrevolution überhaupt und trägt damit nicht wenig dazu bei, die sozioökonomische Gegenwart besser zu verstehen.« Jens Kastner springerin. Hefte für Gegenwartskunst
Autoreninfos
Übersetzt von
Michael Halfbrodt (* 1958) ist ein deutscher Übersetzer und anarchistischer Autor.
Wikipedia (DE): Michael Halfbrodt