Eine Theorie der Gerechtigkeit
Unter Rückgriff auf die klassische Vertragstheorie von Locke, Rousseau, vor allem aber Kant, und mit Hilfe eines in den modernen Wissenschaften zunehmend bedeutsamen Denk- und Sprachrahmens, dem der Entscheidungs- und Spieltheorie, entwickelt Rawls zwei Prinzipien der Gerechtigkeit und wendet sie dann auf die Grundinstitutionen moderner Gesellschaften an. Dabei geht es (u.a. auch) um das politisch aktuelle Problem, ob und unter welchen Bedingungen man auch einer demokratisch gewählten Regierung Widerstand leisten dürfe.
Idealer Kapitalismus. Vor 100 Jahren wurde der Sozialphilosoph John Rawls geboren, vor 50 Jahren erschien sein Hauptwerk »Eine Theorie der Gerechtigkeit« – der vielleicht letzte originelle Entwurf zur Verteidigung der bürgerlichen Ordnung Von Alfred J. Noll → junge Welt 20.02.2021
Das Gedankenexperiment des Urzustands
- Die Situation: Menschen versetzen sich in einen fiktiven „Urzustand“.
- Die Unwissenheit: Niemand weiß, ob er reich oder arm, gesund oder krank, mann oder frau, klug oder weniger begabt sein wird.
- Das Ziel: Unter diesen Bedingungen einigen sich alle auf gerechte Grundregeln für das Zusammenleben. [1, 2, 3, 4]
Warum das Konzept fair ist
- Keine Bevorzugung: Weil niemand weiß, welche Position er in der echten Welt einnehmen wird, kann sich niemand einen unfairen Vorteil verschaffen. [1, 2]
- Schutz der Schwachen: Aus Angst, am Ende selbst zu den Benachteiligten zu gehören, wählen die Menschen Regeln, die auch den Schwächsten in der Gesellschaft ein gutes Leben sichern. [1]
Die zwei Gerechtigkeitsprinzipien nach Rawls
- Gleiche Grundfreiheiten: Jede Person hat ein Recht auf das gleiche und größtmögliche System an Grundfreiheiten.
- Chancengleichheit und Differenzprinzip: Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind nur dann erlaubt, wenn sie allen – besonders den am schlechtesten Gestellten – den größtmöglichen Vorteil
