Blenden Wuchern Lamentieren
Wie die Betriebswirtschaftslehre zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt
Das Weltbild der Betriebswirtschaftslehre - das gilt bedingt in gewissem Maß auch für die Volkswirtschaftslehre - lässt sich in einer Kernaussage zusammenfassen: Gewinnmaximierung. Sie gilt als höchstes Ziel auf Erden, praktisch das gesamte Lehrgebäude baut auf diesem Prinzip auf. Produktionsprozesse, Einkauf, Marketing, Personalwesen, Management, Rechtsform, Investition, Finanzierung, Besteuerung - alle Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre werden dem untergeordnet. Manchmal wird diese axiomatische Grundbedingung subtiler benannt: Economic Value Added (EVA), wertorientierte Unternehmensführung, Shareholder Value, Return on Capital, aber das Ziel ist immer dasselbe: Gewinne bzw. Renditen zu maximieren.
Christian Kreiß und Heinz Siebenbrock schildern in "Blenden, Wuchern, Lamentieren", welch gravierende Auswirkungen dieses Prinzip der Gewinnmaximierung auf die verschiedensten Bereiche unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens hat. Es fördert Konkurrenzdenken und egoistisches Verhalten und führt zu Umweltzerstörung, Sozialabbau und einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft. Doch die Autoren zeigen auch ermutigende Alternativen, wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, die Probleme des menschenverachtenden Prinzips der Gewinnmaximierung zu überwinden und es durch menschengerechte Ziele zu ersetzen. Ein Umdenken ist möglich!
Die Schrott-Verkäufer. Geplanter Verschleiß ist eine mittlerweile gängige Form des Betrugs am Kunden. Exklusivabdruck aus „Blenden Wuchern Lamentieren“. Teil 1/2. Wenn Käufer von allen Anbietern gleich schlecht behandelt werden — so scheinen die Verantwortlichen zu denken —, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mit Pfusch zufrieden zu geben. Drucker, Waschmaschinen und andere Alltagsprodukte geben nach kurzer Zeit ihren Geist auf und zwingen die Kunden zur Neuanschaffung. Reparatur wird in der Regel von den Herstellern verunmöglicht oder ist unverhältnismäßig teuer. Solch unfaire Methoden lassen die Shareholder jubeln, während Millionen Menschen unter der miesen Qualität und dem Wiederbeschaffungsdruck stöhnen. → Rubikon 21.11.2019
Die Menschenschinder. Viele Arbeitgeber versuchen mit immer neuen Tricks mehr Leistung aus ihren Mitarbeitern herauszuholen. Exklusivabdruck aus „Blenden Wuchern Lamentieren“. Teil 2/2 Eigentlich sollten Arbeitgeber ein natürliches Interesse daran haben, ihre Mitarbeiter pfleglich zu behandeln. Schließlich werden sie auch in Zukunft noch gebraucht, und zufriedene Angestellte arbeiten besser. Wer so denkt, verkennt aber die destruktive Dynamik des Kapitalismus. So wie bei Produkten muss man auch bei Menschen nicht unbedingt auf langfristige „Haltbarkeit“ achten. Noch profitabler kann es sein, auf Verschleiß zu setzen. Erschöpfte und unbrauchbare Mitarbeiter lassen sich leicht durch neue, frischere ersetzen. → Rubikon 26.11.2019
Geld, Geiz, Gier – warum die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. → Interview mit Christian Kreiß und Heinz Siebenbrock (Europa Verlag)
