Der spätere Spion
Richard Sorge 1918-1924
Richard Sorge, wegen Spionage für die Sowjetunion 1944 in Tokio gehängt, lebte von 1918 bis 1924 an mehreren Orten zwischen Frankfurt und Kiel. Von traumatischen Kriegserlebnissen geprägt, wirkte er von 1920 bis 1922 als politischer Redakteur der überregional bedeutsamen ›Bergischen Arbeiterstimme‹ in Solingen. Erstmals werden hier seine insgesamt 43 Artikel aus der täglich erscheinenden Zeitung wiedergegeben.
Nach seiner Tätigkeit im Bergischen Land arbeitete Sorge bis zu seiner Ausreise nach Moskau 1924 am neu gegründeten Institut für Sozialforschung (IfS) in Frankfurt am Main.
In dieser Zeit war er im thüringischen Geraberg führend an der berühmten Ersten Marxistischen Arbeitswoche des IfS beteiligt. Der Band hebt sich ab von schmähenden Legendenbildungen um einen vermeintlichen »Abenteurer« oder einen »Meisterspion, der trank, hurte und Stalin vergeblich warnte«. Gestützt auf archivarische Quellen und Dokumente, geht Jörg Becker dem Werdegang Sorges nach: eines vielseitigen Intellektuellen, der in einer Zeit von Umbrüchen politische Verhältnisse analysierte, Leitlinien entwarf, aktiv Ideen des Rätekommunismus vertrat und sich nebenbei der Lyrik widmete.
Wikipedia (DE): Richard Sorge
Andere über Richard Sorge
04.10.1895: Geburtstag des Journalisten Richard Sorge, der für die Sowjetunion spionierte: Aus dem einst vergessenen Doppelagenten wird nachträglich eine gefeierte Legende - ein Journalist, der zugleich einer der prägenden Spione des 20. Jahrhunderts ist. In diesem Zeitzeichen erzählt Joscha Seehausen, warum Richard Sorge als "James Bond der Sowjetunion" gilt und doch ganz anders handelt, wie sein Charisma Männer und Frauen dazu bringt, ihm bereitwillig vertrauliche Informationen anvertrauten, wie er als scheinbar linientreuer Nazi-Journalist in Tokio die deutsche Botschaft für die Sowjetunion ausspioniert und damit den Verlauf des Zweiten Wltkriegs beeinflusst. [Podcast 14:48; verfügbar bis 05.10.2099] WDR 04.10.2025
Am 7. November 1944 wurde Richard Sorge vom Militärregime Japans in Tokio ermordet: Mitglieder und Sympathisanten der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e. V. (GRH) erinnerten am 7. November 2015, wie jedes Jahr, in der nach ihm benannten Straße in Berlin-Friedrichshain an den marxistischen Wissenschaftler, Journalisten und sowjetischen Kundschafter. Die Gedenkrede hielt Bruno Mahlow. Kundschafter der DDR 15.11.2015
Vor 65 Jahren wurde der "Kundschafter“ Richard Sorge in Japan hingerichtet: "Stalins Meisterspion“: Am 27. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution, am 7.November 1944, wurde in Tokio ein Mann hingerichtet, der versucht hatte, die Sowjetunion über den bevorstehenden Angriff Nazi-Deutschlands – und damit dessen Bruch des Nichtangriffspaktes - zu informieren. Es war der Versuch, das von den deutschen Faschisten begonnene Völkermorden - eindämmen zu helfen. „Stalins Meisterspion“, „Spion aus Leidenschaft“, „Legendärer Idealist“ oder „Verräter an Deutschland“ waren und sind Titel, die diesem Mann angehangen wurden und teilweise bis heute gelten. Von Manfred Demmer Neue Rheinische Zeitung 04.11.2009
Stalins „verschwendeter“ Meister-Spion: „Russland – das Land, das seine Dichter verschwendet“, lautete ein Urteil im 19. Jahrhundert. Analog dazu könnte man die Sowjetunion „ein Land, das seine Spione verschwendete“, nennen und Richard Sorge (1895–1944) als Kronzeugen aufrufen. Obwohl es nicht viel Sinn hätte, denn Sorges Schicksal ist nur ein Mosaiksteinchen des unendlichen Panoramabildes der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Von Wolf Oschlies zukunft-braucht-erinnerung.de 12.11.2005