4 Stunden in Chatila
Der erschütternde Bericht vom Ort des Massakers im Libanon (Massaker von Sabra und Schatila)
Jean Genet hielt sich zufällig in Beirut auf als Mitte September 1982, einen Tag nach der Ermordung des libanesischen Präsidenten Bechir Gemayel, unter den Augen der in Beirut eingerückten israelischen Truppen ein grausames, unbegreifliches Massaker im Palästinenserlager Chatila stattfand. Genet suchte den Ort des Entsetzens auf und verfasste für die "Revue d’études palestiniennes" in Paris einen Bericht über das, was er in Chatila sah und empfand.
Die FAZ merkte seinerzeit an, Genet sei wohl der einzige lebende Dichter, dem der Anblick eines solchen Grauens nicht die Sprache verschlägt. Nüchtern und ohne Emotionen schildert er den Zustand der greulich zugerichteten Leichen und die wortlos ohnmächtige Trauer der Überlebenden.
Die unsentimentale Anklage dessen, was Menschen Menschen anzutun vermögen, soll das Bewusstsein wachhalten für die Abgründigkeit entfesselter Emotionen.
Wikipedia (DE): Massaker von Sabra und Schatila
Auszug
JEAN GENET schreibt über die Leiden der Palästinenser und die Lage der PLO: JEAN GENET BRICHT SEIN SCHWEIGEN. 19. September 1982 – JEAN GENET erlebt 4 Stunden in Chatila. Das erste Mal seit sechs Jahren schreibt Jean Genet wieder. Sein Text „4 Stunden in Chatila“, den er dem WIENER zum auszugsweisen Abdruck überließ, ist das poetische Protokoll seines Lokalaugenscheins am Ort des Massakers. Es liest sich wie das Gebet eines, der weiß, daß es keinen Gott gibt. (Aus dem WIENER Archiv/Jänner 1984) wiener-online.at 28.11.2023