Kind aller Länder
Roman
Ein Klassiker der Exilliteratur in neuer Auflage
Viel ist nicht geblieben. Die zehnjährige Kully lebt ein Leben im Balancierschritt zwischen den Ländergrenzen. Der Schriftsteller-Vater ist notorisch abwesend und notorischer in Geldnot, die Mutter bemüht sich unglücklich darum, die Welt für Kully zusammenzuhalten. In diesem Exilroman von 1938 erzählt eine früh Erwachsene von einem Leben in Hotelzimmern, von offenen Rechnungen und spontanen Begegnungen mit Tiefe.
In einem kindlichen Erzählton eröffnet Kully Einblicke in ihr rastloses Leben und damit auch in die Situationen der Emigrant:innen in Europa.
Ein kühner und lebendiger Blick auf die dreißiger Jahre.
Die Klassiker-Neuentdeckung einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts
Wikipedia (DE): Kind aller Länder
Das Buch als Hörbuch
Irmgard Keun lässt ihre kindliche Heldin zusammen mit einer ängstlichen Mutter und einem verschwenderischen Vater quer durch Europa und bis in die USA reisen. Zu den kostspieligen Gewohnheiten des Vaters, einem Schriftsteller der Joseph Roth nachgebildet ist, gehören teure Hotels, Restaurants und Taxifahrten. Mal hat dieser Vater Liebe für Frau und Tochter übrig, mal aber auch nicht. Dann warten die beiden auf seine Zuwendung – zurückgelassen in irgendeinem Hotel, mit ablaufenden Visa und oft auch hungrig. Aber die kluge, freche Kully verzagt nicht. Irmgard Keun beschrieb ihre schriftstellerische Absicht im Exil so: "Ich betrachte es als heilige Aufgabe mitzuhelfen im Kampf gegen Nazitum, menschliche Sturheit, Schlappheit und Barbarei. So viele sind lasch geworden." Die Sturen, die Schlappen, die Laschen wach rütteln - eine hehre, eine aktuelle Aufgabe. Nur Wenigen ist es gelungen, aus der Sicht eines Kindes glaubwürdig zu erzählen. Irmgard Keun gehört mit ihrem Roman "Kind aller Länder" zu den Wenigen. Jodie Ahlborn hat diesen Fluchtroman aus Kinderperspektive anrührend gelesen. HR2/ ARD 2016
Rezensionen
Neuauflage des Klassikers: (...) Der Roman "Kind aller Länder" ist erstmals 1938 erschienen, als Irmgard Keun im Exil gelebt hat. Ein Amsterdamer Buchverlag hat das Buch damals herausgebracht. Auch wenn das Buch schon vor so vielen Jahren erschienen ist, lohnt sich die Lektüre auch heute noch sehr, denn das Thema bleibt aktuell. [Podcast 4:57; verfügbar bis 13.05.2026] Von Denis Scheck WDR 12.05.2024
Heimweh – Was ist das? Die Kölner Schriftstellerin Irmgard Keun gilt als eine der bekanntesten Autorinnen der Weimarer Republik und der Neuen Sachlichkeit. Da die in ihren Romanen beschriebenen Frauenfiguren jedoch nicht der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen, wurden ihre Werke beschlagnahmt, auf die sogenannte schwarze Liste gesetzt und anschließend verbrannt. Von Tamara Böhr, Annika Kulz, Elena Press und Saskia Steingrübl Universität zu Köln 2017
Bücher über die Zwischenkriegszeit werden immer noch viele geschrieben. „Kind aller Länder“ ist da anders. Irmgard Keun, die damals eine bedeutende Schriftstellerin und schon früh den Nazis ein Dorn im Auge war, hat es in der Zwischenkriegszeit bereits im Exil geschrieben, und so erschien es erstmals 1938 in Amsterdam bei Querido, einem Exilverlag. Doch auch heute hat das schmale Büchlein nichts von seinem melancholischen Charme und seiner politischen Aktualität verloren. Von Christina Brunnenkamp booksnerds.de 05.2016
Weitere Stimmen zum Buch
»Ich bin so begeistert von der Sprache dieser Autorin, dass ich beim Lesen immer schwanke zwischen Faszination und Neid. Sie hat Menschen und Zeiten beschrieben, die zugleich weit weg sind und denen ich mich trotzdem eigentümlich nah fühle. Ja, so gut wie sie würde ich gern schreiben können.« Christian Baron
»Irmgard Keun war die erfolgreichste deutsche Autorin der dreißiger Jahre, und die Lektüre lohnt noch heute.« Thomas Karlauf, FAZ
»Mit Witz und Leichtigkeit schnattert Kully so weiter, nie langweilig, immer scharfblickend, durchsetzt von Seitenhieben gegen Hitlerdeutschland.« Alexander Kosenina, FAZ
Es »ist alles andere als abwegig, sich dieses kleinen Meisterwerks zu erinnern.« Ina Hartwig, Süddeutsche Zeitung