Zusammenfassung
Einleitung: Das unermesslich reiche und leidende Land (01:25) Die Demokratische Republik Kongo ist ein riesiges, ressourcenreiches Land im Herzen Afrikas, das reich an Bodenschätzen wie Elfenbein, Kautschuk, Kupfer, Gold, Uran und Diamanten ist. Trotz dieses enormen Reichtums gehören die Menschen dort zu den ärmsten der Welt und leiden unter einer schrecklichen Geschichte voller Gier, Gewalt und extrem hoher Sterblichkeitsraten. Das Land ist sechsmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, doch die Bevölkerung wurde über Jahrzehnte systematisch ausgebeutet. Diese Tragödie ist das historische Erbe von König Leopold II. von Belgien, der den Kongo als sein Privateigentum beherrschte, obwohl er selbst nie einen Fuß in das Land gesetzt hatte.
König Leopold II. und die Besessenheit einer Kolonie (04:21) Nachdem Leopold II. im Jahr 1865 den belgischen Thron bestiegen hatte, war er besessen von dem Gedanken, eine eigene Überseekolonie zu erwerben. Da die meisten Gebiete der Welt bereits unter seinen europäischen Rivalen aufgeteilt waren, blieb nur noch Afrika übrig, dessen Territorien noch weitgehend unter eingeborenen Regierungen standen. Leopold II. nutzte die Berichte über die brutale Afrika-Expedition des berühmten Forschers Henry Morton Stanley (1874–1877), um seinen eigenen Beutezug vorzubereiten. Er engagierte Stanley mit einem Fünfjahresvertrag für eine angebliche wissenschaftliche und humanitäre Expedition.
Der Betrug der Verträge und die Errichtung des Freistaats (11:19) Stanley hatte den Auftrag, Stationen und Verkehrswege entlang des Kongo aufzubauen, die jedoch rein auf den Abtransport von Rohstoffen und nicht auf eine Industrialisierung des Landes ausgelegt waren. Leopold II. ließ Stanley gezielt Verträge mit lokalen Häuptlingen abschließen. Da die Häuptlinge keine Schrift kannten, gaben sie ahnungslos im Tausch gegen billigen Schmuck, Kleidung und Alkohol alle Rechte an ihrem Land, ihren Flüssen, den Bodenschätzen und den Wildtieren ab. Auf der Berliner Kongokonferenz (1885) erkannten die europäischen Mächte schließlich den „Freistaat Kongo“ an. Ein Gebiet, das 76-mal so groß wie Belgien war, wurde damit zum Privatbesitz des Königs, der sich ein weitreichendes Handelsmonopol sicherte.
Zwangsarbeit und die brutalen Methoden des Eisenbahnbaus (17:02) Um die unwegsamen Abschnitte des Kongo zu überwinden, zwang das Regime unzählige Einheimische zum brutalen Bau einer Eisenbahnlinie. Die Zwangsarbeiter mussten unter tödlichen Bedingungen Felsen von Hand brechen und Sprengstoff deponieren. Stanley selbst erhielt aufgrund seiner rücksichtslosen Härte den Namen „Bula Matadi“ (Felsensprenger). Dieser Begriff wurde unter der einheimischen Bevölkerung bald zum Synonym für die grausamen Unterdrückungsmethoden, mit denen jeder Widerstand gebrochen wurde.
George Washington Williams und die "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" (19:13) Der schwarze amerikanische Anwalt, Journalist und Prediger George Washington Williams reiste 1890 in den Kongo, um die angebliche humanitäre Arbeit des Königs zu untersuchen. Zu seinem Entsetzen stieß er auf ein System aus Folter, Missbrauch und staatlich betriebenem Sklavenhandel. In einem offenen Brief an den König dokumentierte er die Grausamkeiten der Beamten. Williams war der Erste, der diese Verbrechen öffentlich anprangerte, und prägte dabei den Begriff „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ – fast ein halbes Jahrhundert vor den Nürnberger Prozessen.
Der Terror der Force Publique und die "Kinderkolonien" (23:01) Leopold II. wies alle Vorwürfe zurück und behauptete heuchlerisch, die einheimische „Rasse von Kannibalen“ lediglich zur Arbeit erziehen zu wollen. Zur Durchsetzung des Terrors diente die berüchtigte Privatarmee Force Publique, die auf über 19.000 Mann anwuchs und einheimische Soldaten bewusst fernab ihrer Heimatorte einsetzte, um Mitleid mit der Bevölkerung zu verhindern. Das brutalste Folterwerkzeug war die „Chicotte“, eine scharfkantige Peitsche aus Nilpferdhaut, deren Schläge oft tödlich endeten. Zudem gründete der Staat „Kinderkolonien“, in die bei militärischen Überfällen geraubte Waisenkinder verschleppt wurden, um sie unter dem Deckmantel der Missionierung zu loyalen Soldaten zu drillen [1204, 25:51, 1206].
Der Kautschuk-Terror und das Abhacken von Händen (26:43) Durch den weltweiten Siegeszug der Elektrizität und der Reifenindustrie explodierte um die Jahrhundertwende die Nachfrage nach Kautschuk. Um die unermesslichen Gewinne abzuschöpfen, errichtete das Regime ein System des Terrors. Jedes Dorf musste feste Sammelquoten erfüllen. Soldaten fielen in die Dörfer ein und nahmen Frauen, Kinder und Alte als Geiseln, um die Männer zur Kautschuksuche im tiefen Dschungel zu zwingen. Wer seine Quote nicht erfüllte, wurde ausgepeitscht, gefoltert oder ihm wurden die Hände abgehackt. Der presbyterianische Missionar William Sheppard dokumentierte dieses Grauen und zählte an einem einzigen Feuer 81 abgehackte, geräucherte Hände, die den weißen Offizieren als Beleg für den Munitionsverbrauch vorgezeigt werden mussten.
E. D. Morel, Roger Casement und der Widerstand (38:48) Dem britischen Hafenangestellten Edmund Dene Morel fiel in Antwerpen auf, dass riesige Rohstoffmengen aus dem Kongo eintrafen, im Gegenzug aber nur Waffen und Munition nach Afrika verschifft wurden, was auf systematische Sklavenarbeit hindeutete. Morel begann eine weltweite Aufklärungskampagne. Unterstützt wurde er vom britischen Konsul Roger Casement, der vor Ort die grausamen Verstümmelungen untersuchte. Eine einheimische Überlebende berichtete dem Amerikaner Edward Canisius, wie Soldaten ihr neugeborenes Baby einfach im Gras sterben ließen und ihren entkräfteten Mann erstachen. 1904 gründete Morel die Congo Reform Association, um Leopolds Schreckensherrschaft endgültig zu beenden.
Das brennende Archiv und der erzwungene Verkauf (51:55) Eine vom König selbst eingesetzte Untersuchungskommission kollabierte angesichts der erdrückenden Zeugenaussagen, wie der des Häuptlings Lontano, der dem Gericht 110 Zweige für seine ermordeten Dorfbewohner auf den Tisch legte. Unter dem massiven internationalen Druck sah sich Leopold II. gezwungen, den Kongo an den belgischen Staat zu verkaufen. Bevor die Verträge unterzeichnet wurden, ließ der König jedoch sämtliche Staatsarchive des Freistaats im Ofen verbrennen. Er verstarb im Dezember 1909 als einer der reichsten Männer Europas, ohne den Kongo je betreten zu haben.
Die Ausbeutung geht weiter: Der belgische Staatskongo (54:19) Auch nach der Übernahme durch den belgischen Staat änderte sich für die Bevölkerung kaum etwas; es blieb eine „neue Form der Sklaverei“ unter direkter Brüsseler Kontrolle. Die Zwangsarbeit wurde fortgesetzt und die Peitsche (Chicotte) blieb bis zum Jahr 1959 ein legales Züchtigungsmittel. Erst Jahrzehnte später deckten Forscher wie Daniel Vangroenweghe und der ehemalige Kolonialbeamte Jules Marchal das wahre Ausmaß des Völkermords auf: Die Bevölkerung des Kongo war unter Leopolds Herrschaft um die Hälfte geschrumpft, was schätzungsweise 10 Millionen Todesopfer bedeutete.
Patrice Lumumba und der Kampf um die Unabhängigkeit (1:01:09) Ende der 1950er Jahre besaß der Kongo durch die jahrzehntelange Unterdrückung keinerlei eigene administrative Strukturen. In dieser Phase stieg der charismatische Nationalist Patrice Lumumba zur führenden politischen Kraft auf und wurde im Juni 1960 zum ersten demokratischen Premierminister des unabhängigen Kongo gewählt. Bei den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten hielt der belgische König Baudouin eine herablassende Rede, in der er Leopold II. als genialen Wohltäter feierte. Lumumba reagierte spontan mit einer flammenden Gegenrede, in der er die Grausamkeiten und die Ausbeutung des belgischen Kolonialismus vor der ganzen Welt demaskierte.
Der verdeckte westliche Putsch und der Mord an Lumumba (1:06:12) Da Lumumba nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit anstrebte und erklärte, bei der Rohstoffkontrolle notfalls auch mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, geriet der Westen in Panik. US-Präsident Eisenhower befahl daraufhin Lumumbas Liquidierung, während Belgien einen Putsch plante. Unter Beteiligung belgischer und amerikanischer Geheimdienste sowie der UN-Truppen, die Lumumbas Fluchtwege blockierten, wurde Lumumba gefangen genommen und an seine Feinde in Katanga ausgeliefert. Er wurde gefoltert, erschossen und seine Leiche von zwei belgischen Polizisten zerhackt und in Säure aufgelöst. Damit wurde die kongolesische Demokratie im Keim erstickt.
Die Mobutu-Diktatur und der "Afrikanische Weltkrieg" (1:11:14) Als neuer Machthaber wurde der Armeegeneral Joseph Mobutu installiert, der das Land über drei Jahrzehnte mit brutaler Gewalt regierte und in „Zaire“ umbenannte. Die USA unterstützten sein korruptes Regime mit über einer Milliarde Dollar, da Mobutu als verlässliche antikommunistische Bastion diente. Nach Mobutus Sturz im Jahr 1997 durch Laurent Kabila flüchtete der Diktator mit einem geraubten Vermögen von schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro. Die folgende Instabilität mündete ab 1998 in den verheerenden „Afrikanischen Weltkrieg“, der das Land vollständig militarisierte.
Coltan: Der neue Rohstofffluch und das UN-Expertenforum (1:16:53) Laurent Kabila wurde 2001 ermordet, woraufhin die Weltmächte das Chaos nutzten, um ein neues, strategisches Erz zu plündern: Coltan, das für die moderne Mobilfunk- und Computertechnologie unverzichtbar ist. Trotz des wertvollen Erzes leben die Arbeiter in tiefster Armut und leiden unter der Radioaktivität, die zu Krebs und schweren Missbildungen bei Neugeborenen führt. Im Jahr 2003 prangerte ein UN-Expertenforum die illegale Ausbeutung des Landes an und setzte 157 internationale Konzerne auf eine schwarze Liste, die sich an diesem blutigen Geschäft mitschuldig machten.
Das schwere Erbe und der Internationale Strafgerichtshof (1:22:25) Laurent Kabilas Sohn Joseph Kabila übernahm die Nachfolge, bemühte sich um einen Schuldenerlass bei IWF und Weltbank und bündelte die verfeindeten Milizen in einer Übergangsregierung. Der berüchtigte Rebellenführer Jean-Pierre Bemba, der systematisch Banken ausrauben und Milliarden unterschlagen ließ, wurde schließlich international angeklagt. Im Jahr 2003 nahm der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag schließlich offizielle Untersuchungen zu den massiven Menschenrechtsverletzungen im Kongo auf. Der Schatten der brutalen Leopold-Ära verfolgt das Land und seine Menschen jedoch bis heute