28.08.2026

Office Hours 41-Requiem for French Theory w/Gabriel Rockhill

Remote Video URL
Quelle

auf YouTube (28.08.2026) 2:08:18

Medienpräsenz
Videokanal

Die Radical Academy lädt zu einer fortlaufenden Diskussion mit dem wiederkehrenden Gast Gabriel Rockhill ein, Professor für Philosophie an der Villanova University und Autor zahlreicher Bücher, über den „intellektuellen Weltkrieg“ und insbesondere über die geopolitische Ökonomie der Produktion kompatibler linker Theorien im imperialen Kern. Wir besprechen sein neues, gemeinsam mit Aymeric Monville verfasstes Buch „Requiem for French Theory“, erschienen bei Monthly Review Press. Es handelt sich um eine Reihe von Dialogen, die aus früheren Sitzungen des „Critical Theory Workshop“ hervorgegangen sind und sich mit einer Kritik an strukturalistischer, poststrukturalistischer und postmoderner französischer Theorie befassen; sie kontextualisieren diese innerhalb der globalen politischen Ökonomie der intellektuellen Produktion; untersuchen die Folgen ihrer rückschrittlichen und reaktionären Formulierungen als Teil einer breiteren „antikommunistischen Kulturfront“; und fordern eine Wiederbelebung der revolutionären Praxis. Es verspricht ein interessantes Gespräch über ein sehr fesselndes und relevantes kleines Buch zu werden, dessen Themen aus Band 1 der Reihe „The Intellectual World War“ destilliert und auf diese komprimierte Weise auf die französische Theorie ausgeweitet wurden. 

Überblick

The Radical Academy is in session for a continuing discussioEinführung und Spendenaufruf für Studierende in Gaza (00:40) Adnan eröffnet das Webinar, begrüßt das Publikum und bittet darum, das Video zu liken, auf den sozialen Medien zu teilen und den Kanal zu abonnieren. Zudem weist er auf die laufende Spendenkampagne zur Unterstützung von Studierenden im Gazastreifen hin. Die gesammelten Spenden finanzieren Plätze für Gaza-Studierende in seinem Online-Kurs „Guerilla History, Anti-Colonial Resistance, History Theory Practice“.

Vorstellung des neuen Buches und des Gasts Gabriel Rockhill (02:40) Adnan stellt das kürzlich im Monthly Review Press-Verlag erschienene Buch „Transatlantic Funeral Dirge in a Marxist Key“ vor. Es handelt sich um ein Gespräch zwischen Aik Monil (Iik Monil) und dem heutigen Studiogast, dem Philosophen Gabriel Rockhill, in Kooperation mit Jennifer Pon DeLeon sowie einer Einleitung von John Bellamy Foster. Das Werk wird als eine zwar kurze, aber inhaltlich dichte und diskussionsreiche Abhandlung beschrieben.

Die theoretische Diskussion über Basis und Überbau (37:23) Die Gesprächspartner erörtern, wie historische Ereignisse erklärt und analysiert werden. Sie kritisieren Ansätze, die einer tieferen Auseinandersetzung mit dem marxistischen Konzept von Basis und Überbau (base and superstructure) aus dem Weg gehen. Das Gespräch soll helfen, die realen Komplexitäten dieser Verhältnisse genauer aufzuzeigen und theoretische Auslassungen zu füllen.

Wege zur Revitalisierung des Marxismus (51:02) Adnan lenkt den Blick auf das Abschlusskapitel des Buches, das sich mit der Wiederbelebung (Revitalisierung) des Marxismus und zeitgenössischen Formen des marxistischen Denkens befasst. Er fragt Rockhill, ob er darin einen wesentlichen Weg und eine produktive Richtung für zeitgenössische theoretische Ansätze sieht.

Kritik am strukturorientierten Konzept der „Longue Durée“ (01:01:46) Es wird das geschichtswissenschaftliche Konzept der „Longue Durée“ (der langen historischen Dauer) besprochen. Die Redner argumentieren, dass ein einseitiger Fokus auf rein strukturelle Zeitschichten, bei dem die aktive Politik nur wie „Sandkörner im Wind über den Dünen“ erscheint, keine echte Theorie des Wandels darstellt. Vielmehr handele es sich um eine bloße Beschreibung von Strukturen, die realen, aktiven politischen Wandel im Grunde unsichtbar macht oder unterordnet.

Kurze Unterbrechung und Buchtipp (01:03:34) Gabriel Rockhill bittet um eine kurze zweiminütige Pause. In der Zwischenzeit ruft Adnan die Zuschauer erneut dazu auf, den Stream zu liken, zu teilen und den Kanal zu abonnieren. Zudem empfiehlt er das bei Monthly Review Press erschienene Buch „Theory Made in the US“.

Der offene Brief an die westliche Linke (01:39:38) Das Gespräch wendet sich einem offenen Brief zu, der sich gezielt an den Westen und insbesondere an die westliche Linke richtet. Die Mehrheit der Unterzeichner stammt aus dem imperialen Kern, vor allem aus den USA. Der Brief ist keine Solidaritätsbekundung an politische Gefangene, sondern dient der Disziplinierung der Linken im Westen. Rockhill zieht eine Parallele zur britischen Zeitung The Guardian, die – wie fast alle Mainstream-Medien im imperialen Kern – eine lange Tradition der Kooperation mit Geheimdienstnetzwerken aufweist.

Die „Scheren“-Metapher und die Beteiligung von Regierungs-Informanten (01:41:54) Rockhill verweist darauf, dass in geleakten State-Department-Dokumenten ein Regierungs-Informant auftaucht, der als „strikt zu schützen“ markiert ist. Das organisierende Motiv des Briefes ist das Bild, wonach die Menschen im Iran zwischen den „zwei Klingen einer Schere“ gefangen seien – auf der einen Seite das schreckliche iranische Regime, auf der anderen der imperialistische Westen. Diese Metapher stammt im Original von Siamak Namazi, einem iranisch-amerikanischen Geschäftsmann, der im Iran wegen Spionage inhaftiert war.

Die versuchte Disziplinierung der antiimperialistischen Linken (01:42:30) Der Brief wird als gezielter Versuch analysiert, die westliche Linke zu disziplinieren und sie davon abzuhalten, Staaten, die sich der US-Hegemonie widersetzen (wie den Iran), auch nur auf einer taktischen Ebene zu unterstützen. Es geht nicht darum, den Iran strategisch als gesellschaftliches Endziel zu verherrlichen, sondern jegliche taktische Solidarität gegen den Imperialismus im Keim zu ersticken und zu untergraben.

Gegenwind auf Social Media und der Rückzug von Unterzeichnern (01:45:44) Der Brief stieß auf massiven, unmittelbaren Gegenwind in den sozialen Medien, was seine Glaubwürdigkeit schwer beschädigte. Dieser heftige Protest führte dazu, dass sich mindestens fünf Unterzeichner unter politischem Druck öffentlich von dem Brief distanzierten und ihre Unterschriften zurückzogen, was für derartige Kampagnen sehr ungewöhnlich und bemerkenswert ist.

Wirtschaftliche Strangulierung als neue imperiale Strategie (01:48:49) Der Zeitpunkt des Briefes ist kein Zufall: Er fällt in eine Phase, in der die militärischen und diplomatischen Druckmittel des Westens gegen den Iran weitgehend gescheitert sind. Daher greift der Imperialismus nun verstärkt zur wirtschaftlichen „Strangulierung“ (Sanktionen), um gezielt wirtschaftliche Not zu erzeugen. Diese Härte soll soziale Risse (wie sie Ende Dezember und Anfang Januar sichtbar wurden) provozieren und politisch für einen Regimewechsel instrumentalisiert werden.

Die Pflicht des linken Journalismus zur Aufdeckung von Netzwerken (01:55:38) Viele betroffene Akademiker behaupten im Nachhinein, den vollständigen Entwurf des Briefes nicht gesehen zu haben oder manipuliert worden zu sein. Rockhill bezeichnet dies als politisch irrelevant. Die eigentliche Aufgabe fortschrittlicher Kräfte sei es nicht, Ausreden zu suchen, sondern die Korrespondenzen, E-Mails und Anfragen zu veröffentlichen, um die manipulativen Netzwerke, die Linke für imperiale Zwecke einspannen wollen, transparent offenzulegen.

Kritik an der Unfehlbarkeit bürgerlicher Akademiker (01:56:09) Wissenschaftler müssen die Funktionsweise solcher Briefe verurteilen und sich eingestehen, dass sie in ihrer eigenen politischen Analyse fehlbar sind. Wer sich weigert, diese manipulativen Strukturen zu benennen und stattdessen Ausreden sucht, schadet der Aufklärung.

Ankündigung von Band 2 des „Intellectual World War“ (02:07:05) Zum Ende der Sendung kündigt Adnan das baldige Erscheinen des zweiten Bandes von Rockhills Werk „The Intellectual World War“ in den kommenden Monaten an. Er bedankt sich bei dem regen Publikum im Chat und bittet alle noch einmal, das Video zu liken, zu teilen und zu abonnieren.

Schlusswort und erneuter Hinweis auf das Gaza-Spendenprojekt (02:07:30) Adnan beendet die 41. Ausgabe von Office Hours mit dem finalen Spendenaufruf für den Online-Kurs „Guerilla History, Anti-Colonial Resistance, History Theory Practice“, der direkt palästinensischen Studierenden im Gazastreifen zugutekommtn with returning guest Gabriel Rockhill, Professor of Philosophy at Villanova University and author of numerous books, about the "Intellectual World War" and in particular the geopolitical economy of compatible left theory production in the imperial core. We discuss his new co-authored book, with Aymeric Monville, "Requiem for French Theory", from Monthly Review Press. It is a series of dialogues emerging from past sessions of The Critical Theory Workshop that engage a critique of structuralist, post-structuralist and postmodern French theory; contextualizes it in the global political economy of intellectual production; examines the consequences of its regressive and reactionary formulations as part of a broader "anticommunist cultural front"; and enjoins a revival of revolutionary praxis. It should be an interesting conversation on a very engaging and relevant short book and themes distilled from volume 1 of the "The Intellectual World War" series and extended to French theory in this digested fashion. 

Sprache (Ton)
Englisch
Laufzeit
2h 8min 18s

Erstellt: 31.08.2026 - 05:49  |  Geändert: 31.08.2026 - 10:31

verwendet von

French Theory is due for an insider critique, and in Requiem for French Theory, Aymeric Monville and Gabriel Rockhill do just that. Drawing upon decades of studying French philosophy in Paris, they build upon the best Marxist criticisms of postmodernism, while further developing them by situating postmodern theory within the global political economy of knowledge and U.S. driven intellectual imperialism. The result is a broad dialogue on topics ranging from international class struggle and the dissemination of ideology, to fascism, identity politics, dialectics, actually existing socialism, and more.