21.08.2026

Der Iran hat die Fragestellung geändert. Washington hat keine Antwort darauf | Vijay Prashad | NDS

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Der Iran hat die Fragestellung geändert. Washington hat keine Antwort darauf | Vijay Prashad | NachDenkSeiten-Podcast | 19.08.2026

Jahrzehntelang übten die USA und die von ihnen dominierten Institutionen ein machtvolles Privileg aus: Sie legten fest, welche Frage Länder im Nahen Osten zu beantworten hatten. Der Iran fordert dieses Privileg jetzt heraus. Es geht nicht mehr darum, was der Iran aufgeben muss. Es geht darum, worüber jede Macht (einschließlich der USA) bereit sein muss, zu verhandeln. Von Vijay Prashad.
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Der Beitrag erschien im Original bei Breakthrough News. Übersetzt aus dem Englischen von Marta Andujo. https://breakthroughnews.org/2026/08/07/iran-has-changed-the-question-washington-has-no-answer/

Überblick

0:09 Irans neue Strategie und das Ende des US-Privilegs Jahrzehntelang bestimmten die USA die diplomatische Agenda im Nahen Osten und legten fest, welche Bedingungen andere Staaten zu erfüllen hatten. Der Iran fordert dieses Privileg nun heraus, indem er den Fokus von einseitigen Forderungen hin zu einer Verhandlungsgrundlage verschiebt, bei der alle Mächte – einschließlich der USA – zu Konzessionen bereit sein müssen.

1:06 Die Straße von Hormus als diplomatisches Testfeld Ein konkretes Beispiel für den Strategiewechsel sind Verhandlungen zwischen dem Iran und Oman über die Überwachung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Ziel Teherans ist es, die Diskussion weg von rein nuklearen Verpflichtungen und hin zu einer umfassenden Sicherheitsarchitektur am Persischen Golf zu lenken.

1:37 US-Diplomatie als Prozess der Kapitulation In der Vergangenheit diente die US-Diplomatie oft dazu, Krisen einseitig zu definieren und schwächere Staaten zur Akzeptanz vorgegebener Rahmenbedingungen zu zwingen. Solche Abkommen glichen häufig Kapitulationsdokumenten, in denen eine Seite die Deutungshoheit über die Einhaltung der Regeln behielt.

2:21 Historische Fallbeispiele: Irak und Palästina Am Beispiel des Irak wird deutlich, wie Souveränität durch Sanktionen und UN-Programme wie „Öl für Lebensmittel“ an Bedingungen geknüpft wurde. Auch der Oslo-Prozess für Palästina spiegelte dieses Ungleichgewicht wider, indem entscheidende Fragen wie Staatsbildung und Grenzen aufgeschoben wurden, während die Besatzungsmacht die Kontrolle behielt.

4:22 Die Reduzierung des Iran-Konflikts auf die Atomfrage Seit über zwei Jahrzehnten wird der Konflikt mit dem Iran in Washington primär als Problem der nuklearen Weiterverbreitung dargestellt. Diese Sichtweise reduzierte komplexe regionale Spannungen, etwa um US-Militärstützpunkte und die Kontrolle von Seewegen, auf einen bloßen Test der iranischen Folgsamkeit.

5:41 Umkehrung der Debatte: Regionale Sicherheitsarchitektur Der Iran versucht nun, die Nuklearfrage untrennbar mit der regionalen Sicherheit zu verknüpfen. Die neue Kernfrage lautet nicht mehr nur, welche Beschränkungen der Iran akzeptiert, sondern welche Grenzen auch für die militärische Präsenz der USA und ihrer Verbündeten gelten müssen.

7:40 Sanktionspolitik vs. praktische maritime Erfordernisse Falls Anrainerstaaten wie der Iran die Betriebsordnung strategischer Wasserstraßen selbst festlegen, kollidiert dies mit der US-Sanktionspolitik. Washington könnte gezwungen sein, bestimmte Transaktionen zu dulden oder Lizenzen zu erteilen, um nicht den globalen Handel zu gefährden, den es eigentlich zu schützen vorgibt.

8:52 Regionale Deeskalation durch nicht-westliche Vermittlung Die durch China vermittelte Versöhnung zwischen Iran und Saudi-Arabien im Jahr 2023 zeigt, dass regionale Stabilität durch Verhandlungen statt durch US-Militäraktionen erreicht werden kann. Staaten wie Pakistan und die Türkei experimentieren zunehmend mit Sicherheitsdialogen, bei denen die USA nicht mehr der alleinige Initiator sind.

10:37 Die konzeptionelle Herausforderung für Washington Die eigentliche Herausforderung besteht darin, wer künftig die Agenda bestimmt und die Wasserstraßen kontrolliert. Eine dauerhafte Einigung im Nahen Osten darf keinem Kapitulationsdokument gleichen, sondern muss alle Sicherheitsaspekte – von Raketen bis hin zu Sanktionen – als ein gemeinsames Problem behandeln.

11:22 Fazit: Eine neue Verhandlungsrealität Der Iran hat erreicht, dass die Region eine andere Frage in Betracht zieht: Es geht nicht mehr darum, was Teheran einseitig aufgeben muss, sondern worüber alle Parteien, einschließlich der USA, bereit sein müssen zu verhandeln


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Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
12min 34s
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Erstellt: 24.08.2026 - 17:15  |  Geändert: 24.08.2026 - 17:30

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