MOSCOW AND SOVINTERN RECAP
auf YouTube (08.05.2026) 23:53
PHILOSOPHY PROFESSOR DR. CARLOS L. GARRIDO REFLECTS ON RECENT MOSCOW TRIP AND SOVINTERN EVENT
Das Video beschreibt die Erfahrungen und Reflexionen des Sprechers über eine Reise nach Russland anlässlich der Veranstaltung „Sovereign Turn“, die als potenzieller Vorläufer einer neuen kommunistischen bzw. sozialistischen Internationale positioniert wird.
Charakter und Ziele der Veranstaltung
Die Bewegung „Sovereign Turn“ versteht sich als ein monumentales Unterfangen, das weniger ideologisch homogen ist als frühere Internationalen.
- Ideologische Ausrichtung: Es gibt keine strikte Bindung an den Marxismus-Leninismus wie in der Dritten Internationale; stattdessen dient ein allgemeiner Antiimperialismus und ein gewisser Antikapitalismus als einigendes Band. In ihrer Heterogenität ähnelt sie eher der Ersten Internationale, die von Gewerkschaftern bis zu Anarchisten reichte.
- Erbe der Sowjetunion: Die Teilnehmer eint eine gemeinsame Wertschätzung für das sowjetische Erbe und die Erkenntnis, dass der Marxismus als Rahmen für den Aufbau von Zivilisationen und Staaten diente.
- Seriosität statt „LARPing“: Trotz der enormen Aufgabe wirkte die Veranstaltung nicht amateurhaft oder wie ein bloßes Rollenspiel („LARP“). In den Panels, etwa zum Thema Technologie, lag der Fokus auf konkreten Schritten und der Verantwortung der Teilnehmer, das Projekt auch nach ihrer Rückkehr weiterzuführen.
Sozialismus im digitalen Zeitalter
Ein zentrales Thema war die Notwendigkeit, den Sozialismus für das 21. Jahrhundert neu zu definieren.
- Neue Formen für alte Weisheiten: Der Sprecher betont, dass man die Vergangenheit nicht einfach wiederholen kann. Es gelte, „neue Formen für alte Weisheiten“ zu finden, insbesondere im digitalen Raum, der die Menschen heute massiv beeinflusst.
- Herausforderung digitaler Medien: In Gesprächen mit Delegierten, unter anderem aus Kuba, wurde die Schwierigkeit erörtert, offizielle staatliche oder parteiliche Medieninhalte so zu gestalten, dass sie im Zeitalter sozialer Medien authentisch und spontan wirken. Rein institutionelle Kommunikation erreiche das junge Publikum oft nicht mehr.
- Debunking von Vorwürfen: Der Sprecher nutzte die Gelegenheit, um Missverständnisse über seine eigene Organisation (ACP) auszuräumen, die von Teilen der Linken fälschlicherweise als „faschistisch“ oder „rot-braun“ etikettiert werde.
Teilnehmer und internationale Perspektive
An der Veranstaltung nahmen über 70 Parteien aus der ganzen Welt teil.
- Prominente Gäste: Der Sprecher tauschte sich mit den Enkeln von Fidel Castro und Salvador Allende sowie mit Vertretern aus Kolumbien, Argentinien und Chile aus.
- Die Rolle Chinas: Obwohl inoffizielle Vertreter aus China, Nordkorea und Kuba anwesend waren, hängt der langfristige Erfolg der Bewegung laut Sprecher entscheidend davon ab, ob die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) offiziell beitreten wird. China neige jedoch dazu, Entwicklungen erst lange zu beobachten, bevor es sich festlegt.
Eindrücke aus dem heutigen Russland
Der Sprecher reflektiert ausführlich über den Zustand Russlands, das er als atemberaubend schön beschreibt.
- Weder rein kapitalistisch noch kommunistisch: Russland sei zwar kein sozialistisches Land mehr und werde nicht von einer kommunistischen Partei geführt, verfüge aber noch über eine materielle Infrastruktur und staatliche Sektoren aus der Sowjetzeit, die es „unendlich viel sozialistischer“ als westliche kapitalistische Staaten erscheinen lassen.
- Die Allgegenwart sowjetischer Symbole: Überall finden sich Hammer und Sichel sowie Statuen von Lenin und Stalin. Während dies für den Sprecher als Amerikaner eine fast „göttliche“ Erfahrung war, nehmen die Russen diese Symbole oft als alltägliche Banalität oder als Ausdruck von Nostalgie wahr.
- Nostalgie vs. politischer Wille: Viele Russen, insbesondere die ältere Generation, bewerten die Sowjetära positiver als die heutige Zeit, sehen die aktuelle Lage aber dennoch als deutliche Verbesserung gegenüber den 1990er Jahren unter Jelzin an. Der Sprecher fragt sich abschließend, ob diese Nostalgie ein Hindernis oder eine Brücke für eine Rückkehr zu einem kommunistischen Horizont darstellt