Augusto Pinochet (1915–2006) war ein chilenischer General und von 1973 bis 1990 Diktator Chiles. Der erst wenige Wochen zuvor von Präsident Salvador Allende zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannte Pinochet beteiligte sich maßgeblich am Militärputsch vom 11. September 1973, der die demokratisch gewählte Regierung Allendes stürzte; anschließend wurde er zur dominierenden Figur der Militärjunta und 1974 zum Präsidenten erklärt. Unter seiner Herrschaft wurden politische Parteien und Gewerkschaftsrechte unterdrückt und Gegner systematisch verfolgt, inhaftiert, gefoltert, ermordet oder zum Verschwinden gebracht. Die späteren staatlichen chilenischen Untersuchungskommissionen dokumentierten Zehntausende Opfer politischer Haft und Folter sowie mehrere Tausend Getötete und Verschwundene. Wirtschaftspolitisch vollzog das Regime unter dem Einfluss der sogenannten „Chicago Boys“ einen radikalen marktwirtschaftlichen Umbau mit Privatisierungen und Deregulierung, dessen gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen bis heute kontrovers beurteilt werden. 1988 verlor Pinochet das von seiner eigenen Verfassung vorgesehene Referendum über weitere acht Jahre seiner Herrschaft und übergab 1990 das Präsidentenamt an den demokratisch gewählten Patricio Aylwin, blieb jedoch bis 1998 Oberbefehlshaber des Heeres. Im selben Jahr wurde er während eines London-Aufenthalts aufgrund eines spanischen Haftbefehls festgenommen; der Fall wurde zu einem Meilenstein für die internationale Strafverfolgung ehemaliger Staatschefs. Nach seiner Rückkehr nach Chile liefen zahlreiche Verfahren wegen Menschenrechtsverbrechen sowie Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung und Korruption. Pinochet starb 2006, ohne rechtskräftig für die Verbrechen seiner Diktatur verurteilt worden zu sein.

Wikipedia (DE): Augusto Pinochet  |  Wikipedia (EN): Augusto Pinochet