Alexandre Kojève (1902–1968), geboren als Alexander Wladimirowitsch Koschewnikow in Moskau, war ein russisch-französischer Philosoph und hoher französischer Regierungsbeamter, der die Rezeption Hegels im Frankreich des 20. Jahrhunderts entscheidend prägte. Er studierte in Berlin und Heidelberg und promovierte 1926 bei Karl Jaspers über den russischen Religionsphilosophen Wladimir Solowjow. Von 1933 bis 1939 hielt Kojève an der École pratique des hautes études seine berühmt gewordenen Vorlesungen über Hegels „Phänomenologie des Geistes“, aus denen 1947 „Introduction à la lecture de Hegel“ hervorging; seine Interpretation verband Hegel insbesondere mit Marx und Heidegger und beeinflusste Intellektuelle wie Georges Bataille, Jacques Lacan und Raymond Aron sowie später über Leo Strauss auch amerikanische Denker. Zentral waren für Kojève Hegels Herr-Knecht-Dialektik, der Kampf um Anerkennung und die Vorstellung eines „Endes der Geschichte“, an dem die grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Widersprüche aufgehoben seien; auf diese Überlegungen griff Jahrzehnte später Francis Fukuyama ausdrücklich zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte Kojève in die französische Wirtschaftsverwaltung und wirkte als einflussreicher Berater an der europäischen Wirtschaftsordnung, an GATT-Verhandlungen und der Herausbildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit. 1945 entwarf er zudem die geopolitische Konzeption eines von Frankreich geführten „Lateinischen Reiches“ als Zusammenschluss Frankreichs, Italiens und Spaniens gegenüber einem angelsächsischen und einem sowjetisch-slawischen Machtblock.

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