Elektronische Kriegsführung (Thema)

Elektronische Kriegsführung (auch:

Elektronische Kampfführung, kurz EloKa) umfasst militärische Maßnahmen im elektromagnetischen Spektrum, um gegnerische Systeme aufzuklären, zu stören oder zu täuschen und gleichzeitig die eigene Nutzung dieser Signale zu schützen. Sie findet „im Verborgenen“ statt und ist entscheidend für den Erfolg moderner Operationen, da sie über die Kontrolle von Kommunikation, Drohnen und Raketenleitsystemen bestimmt. 

Wenn Maschinen töten lernen – über den schleichenden Übergang vom menschlichen zum automatisierten Krieg. Der Krieg verändert sich. Nicht schlagartig, nicht mit einem klaren Bruch, sondern schleichend, fast unbemerkt. Während die öffentliche Aufmerksamkeit weiterhin auf Frontverläufe, Waffenlieferungen und geopolitische Strategien gerichtet ist, vollzieht sich im Hintergrund eine Entwicklung, die das Wesen militärischer Gewalt grundlegend infrage stellt. Es ist der Moment, in dem der Mensch beginnt, die Kontrolle über das unmittelbare Töten an Maschinen abzugeben. Von Günther Burbach Nachdenkseiten 21.03.2026

Die drei Hauptpfeiler der EloKa

  • Elektronische Aufklärung (Fernmelde- und elektronische Aufklärung): Das Erfassen und Auswerten gegnerischer Signale (z. B. Funkverkehr oder Radar), um Positionen und Absichten des Feindes zu identifizieren.
  • Elektronische Gegenmaßnahmen (Stören/Täuschen): Das gezielte Aussenden von Störsignalen („Jamming“), um beispielsweise die GPS-Navigation von Raketen unbrauchbar zu machen oder den Funkverkehr zu unterbrechen.
  • Elektronische Schutzmaßnahmen: Vorkehrungen, um die eigenen Systeme vor feindlicher Aufklärung und Störung zu bewahren. 

Aktuelle Entwicklungen und Einsatzgebiete

  • Ukraine-Krieg: EloKa gilt hier als Schlüsseltechnologie. Russland nutzt massive Störsender gegen westliche Präzisionswaffen (GPS-Jamming), während beide Seiten versuchen, gegnerische Drohnen durch Signalunterbrechung auszuschalten.
  • Technologische Neuerungen: Japan präsentierte kürzlich den neuen Kampfjet EC-2, der speziell für die elektronische Kriegsführung konzipiert ist. Die Bundeswehr rüstet einen Teil ihrer Flotte auf den Eurofighter EK (Electronic Combat) um, um die Fähigkeit zum elektronischen Kampf bis weit in die 2030er Jahre sicherzustellen.
  • Bundeswehr: In Deutschland ist die EloKa primär im Cyber- und Informationsraum (CIR) angesiedelt, einer eigenen Teilstreitkraft, die eng mit Heer, Luftwaffe und Marine zusammenarbeitet. 

Wichtige deutsche Akteure und Systeme

  • Bataillon Elektronische Kampfführung 932: Ein zentraler Verband der Bundeswehr, stationiert in Frankenberg (Eder).
  • Industrie: Unternehmen wie HENSOLDT (Deutschland), BAE Systems (Global führend) und Rohde & Schwarz entwickeln die notwendigen Hochfrequenztechnologien. 

Führende staatliche Akteure und ihre Systeme

  • USA (Weltmarktführer): Die USA halten mit etwa 46 % den größten Marktanteil und setzen auf hochintegrierte Luftgestützte Systeme.
    • EA-37B Compass Call: Das neueste System der US Air Force (basiert auf einer Gulfstream G550), das Anfang 2026 erstmals in Europa (Ramstein) präsentiert wurde. Es dient dazu, gegnerische Kommunikation, Radare und Navigation gezielt zu stören.
    • EA-18G Growler: Das Standard-EloKa-Flugzeug der US Navy zur Unterdrückung feindlicher Luftverteidigung.
  • Russland (Starke Landkomponente): Russland betrachtet EloKa als asymmetrische Antwort auf die technologische Überlegenheit des Westens und setzt massive Ressourcen in der Ukraine ein.
    • Krasukha-4: Ein mobiles System zur Breitbandstörung von AWACS-Aufklärungsflugzeugen und satellitengestützten Radaren.
    • Murmansk-BN: Ein strategisches System mit einer Reichweite von bis zu 5.000 km, das zur Unterbrechung von Kurzwellenkommunikation (z. B. NATO-Funk) konzipiert ist.
    • Leer-3: Nutzt Drohnen, um Mobilfunknetze zu stören oder SMS-Propaganda zu versenden.
  • China (Aufstrebende Macht): China investiert massiv in KI-gestützte Systeme („Cognitive Electronic Warfare“) mit einer erwarteten jährlichen Wachstumsrate von über 22 %.
    • J-16D: Ein zweistrahliger Jet, der speziell für elektronische Angriffe entwickelt wurde, ähnlich dem US-amerikanischen Growler. 

Die wichtigsten Industrie-Unternehmen (Global)

Hinter den staatlichen Akteuren stehen spezialisierte Rüstungskonzerne, die die Hardware und Software liefern: 

Unternehmen LandSpezialisierung
Lockheed MartinUSAIntegrierte EloKa-Suiten für F-35 und Schiffe
BAE SystemsGB/USAMissionssysteme für die EA-37B und Täuschkörper
L3HarrisUSAIntegration von Flugzeugplattformen und Signalverarbeitung
Northrop GrummanUSARadarschutz und elektronische Gegenmaßnahmen
KRETRusslandHersteller fast aller wichtigen russischen Jamming-Systeme

Trends 2025/2026

  • Drohnen-Kriegführung: Der Konflikt in der Ukraine hat zu einem Wettrüsten bei der Störung von Billigdrohnen geführt, was die Entwicklung tragbarer Störsender („Jammer-Guns“) massiv beschleunigt hat.
  • KI-Integration: Moderne Systeme nutzen zunehmend maschinelles Lernen, um unbekannte gegnerische Signale in Echtzeit zu analysieren und automatisch passende Gegenmaßnahmen zu generieren.