Jüdisches Museum Hohenems (Medienpräsenz)

51:35

Vortrag von Muriel Asseburg (Berlin)
Die Geschichte Palästinas und der Palästinenser*innen ist eine Geschichte von Krieg, Vertreibung, Verlust und Exil und von einem bis heute unerfüllten Streben nach Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Die Staatsgründung Israels im Mai 1948 und der folgende Krieg wurden von den Araber*innen im britischen Mandatsgebiet Palästina als Nakba, als Katastrophe empfunden, bei der Hunderttausende ihre Häuser und ihre Heimat verloren. Die Massaker der Hamas am 7. Oktober und der darauf folgende Krieg stellen erneut auf radikale Weise die Frage nach einer möglichen Zukunft für beide Seiten – in den besetzten Gebieten wie in Israel selbst.

Muriel Asseburg geboren 1968, ist Nahostexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Ihre Forschungsgebiete sind Konflikte und politische Ordnungen im Nahen Osten. Von 2006 bis 2012 Leiterin der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika, seit 2012 Senior Fellow. Sie studierte Politikwissenschaft, Völkerrecht und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie lebte unter anderem in Jerusalem, Damaskus, Ramallah und Beirut. Das Buch Muriel Asseburg Palästina und die Palästinenser. Eine Geschichte von der Nakba bis zur Gegenwart, C.H. Beck Verlag, München 2021 (2. Auflage 2022), 365 Seiten, ISBN 978-3-406-77477-5, € 17,50 Muriel Asseburgs

Buch informiert umfassend über die Geschichte der palästinensischen Nationalbewegung und ihrer wichtigsten Protagonist*innen, beschreibt Kriege, Aufstände und Friedensinitiativen, berichtet von den Erfahrungen der palästinensischen Selbstverwaltung und porträtiert wichtige Persönlichkeiten aus Politik und Kultur.

1:47:14

ONLINE-Lesung und Gespräch mit Omri Boehm (New York/Berlin)  

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bodensee-Region
Zwischen einem jüdischen Staat und einer liberalen Demokratie besteht ein eklatanter Widerspruch, sagt der israelische Philosoph Omri Boehm. Denn Jude (und damit vollwertiger israelischer Staatsbürger) ist nur, wer „jüdischer Abstammung“ ist – oder religiös konvertiert. In seinem großen Essay entwirft er die Vision eines ethnisch neutralen Staates, der seinen nationalistischen Gründungsmythos überwindet und so endlich eine Zukunft hat.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Israel dramatisch verändert: Während der religiöse Zionismus immer mehr Zuspruch erfährt, fehlt es Linken wie Liberalen an überzeugenden Ideen und Konzepten. Die Zwei-Staaten-Lösung gilt weithin als gescheitert. Angesichts dieses Desasters plädiert Omri Boehm dafür, Israels Staatlichkeit neu zu denken: Nur die Gleichberechtigung aller Bürger kann den Konflikt zwischen Juden und Arabern beenden. Aus dem jüdischen Staat und seinen besetzten Gebieten muss eine föderale, binationale Republik werden. Eine solche Politik ist nicht antizionistisch, sondern im Gegenteil: Sie legt den Grundstein für einen modernen und liberalen Zionismus.

Omri Boehm, geboren 1979 in Haifa, studierte in Tel Aviv und diente beim israelischen Geheimdienst Shin Bet. In Yale promovierte er über „Kants Kritik an Spinoza“, heute lehrt er als Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Er ist israelischer und deutscher Staatsbürger, hat u.a. in München und Berlin geforscht und schreibt über israelische Politik in Haaretz, Die Zeit und The New York Times.