Das KZ-Universum
Im August 1945 schrieb David Rousset, nach Buchenwald und einem Todesmarsch durch mehrere KZs gerade von den alliierten Truppen befreit, eine der ersten Darstellungen des Systems der deutschen Konzentrationslager in ihrem Aufbau, ihrer inneren wie äußeren Hierarchie wie ihren Funktionsweisen. Und er schrieb darüber, welche Konsequenzen dieses Universum für die Nachgeborenen hat.
"Normale Menschen wissen nicht, dass alles möglich ist. Selbst wenn die Berichte der Zeugen ihren Verstand zwingen, es anzuerkennen, ihre Knochen glauben es nicht. Die KZler wissen es. Unter den KZlern wohnte der Tod in jeder Stunde ihres Daseins. Er hat ihnen all seine Gesichter gezeigt. Sie haben erfahren, wie er einen Menschen auf jede erdenkliche Weise entkleiden kann. Sie haben die obsessive Präsenz einer allgegenwärtigen Ungewissheit erlebt, die Erniedrigung durch Schläge, die Schwäche des Körpers unter der Peitsche, die Verheerungen des Hungers. Sie haben über Jahre in den phantastischen Kulissen einer Welt gelebt, in der alle Würde vernichtet war. Sie sind von den anderen Menschen durch eine Erfahrung getrennt, die nicht weitergegeben werden kann." Und Rosset schließt, dass der Zerfall einer Gesellschaft, die Zerstörung der Werte sich wie ein bedrohlicher Schatten über den ganzen Planeten lege.
Pressestimmen
»... Dies ist nur einer von vielen Gründen, die es notwendig machen, dieses Buch auch heute noch zu lesen, und das nicht nur aus dokumentarischen Gründen, sondern weil es mit seinem unmittelbaren, hektischen, stakkatohaften Stil dem Leser deutlich macht, was es heißt, der totalen Rechtlosigkeit ausgesetzt zu sein.« Klaus Bittermann, neues deutschland
»Bei Roussets KZ-Universum handelt es sich um einen bewegenden und wortgewaltigen Beitrag eines politischen Häftlings, der trotz oder gerade wegen seiner konkreten Perspektive unersetzlich ist für den Versuch, die Gewaltkataklysmen des 20.Jahrhunderts zu verstehen.« John Will, SoZ – Sozialistische Zeitung (05/2020)
»Die Mischung von konkreten Szenen und der Analyse der KZ-Strukturen macht das KZ Universum zu einem ungewöhnlichen, eindrucksvollen Werk mit Einblicken in eine Welt, die Rousset als ›toter Stern voller Leichen‹ umschreibt.« Otto Langels, taz. die tageszeitung
»Die jetzt erschienene Übersetzung bahnt Rousset einen Weg in den deutschen Kanon der Lagerliteratur. Wir alle sind, was wir gelesen, hieß es bei Golo Mann. Roussets Buch sollte dazugehören.« René Schlott, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Rousset war seiner Zeit gnadenlos voraus, darum ist die Lektüre dieses wichtigen Buches heute ein Schock.« Nils Minkmar, Der Spiegel
»›Unter den KZ-Menschen wohnte der Tod in jeder Stunde ihres Daseins‹, schreibt Rousset. Diese Erfahrungen der ›KZ-Menschen‹ sei anderen Leuten nicht zu vermitteln, meinte er. Doch Rousset hat eine Sprache gefunden, die das Leid in diesem abgeschotteten ›Reich‹, in dem sich der Mensch ›Stück für Stück auflöste‹, wenigstens erahnen lässt.« Robert Probst, Süddeutsche Zeitung
»... Das KZ-Universum [ist]ein einzigartiges Zeugnis, das Nachgeborenen hilft, jenseits moralischer Entrüstung und Opferverehrung, eine Ahnung zu bekommen von dem, was Menschen möglich ist.« Carsten Hueck, Deutschlandfunk Kultur
