In der Begeisterung für 'selbstgesteuertes oder 'selbstreguliertes Lernen droht das Lehren aus dem Blick zu verschwinden und damit die Einsicht, dass Lernen immer "Lernen von etwas durch jemand bestimmten" ist (Käte Meyer-Drawe). Vor diesem Hintergrund thematisieren die Beiträge das Ver-hältnis von Lehren und Lernen aus erziehungswissenschaftlicher Sicht. Handelt es sich um eine unauflösliche Einheit oder wäre es angemessener, Lehren und Lernen als deutlich voneinander getrennte Vorgänge zu begreifen? Und welche Be-deutung kommt dem 'etwas (Lerngegenstand) und dem 'jemand (Lehrer) zu, die am Lehr-Lern-Geschehen beteiligt sind? Der Band geht davon aus, dass im Blick auf diese Fragen philosophische Zugänge besonders interessant sind, da Philosophen von Augustinus bis Wittgenstein und Rancière dem Lehren und Lernen Überlegungen gewidmet haben, deren Bedeutung pädagogisch noch lange nicht ausgeschöpft ist.
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Pädagogik"Autorität ist eine Art Vertrauen". Wie kann ein Lehrer vor seiner Klasse bestehen? Ein Gespräch mit Pädagogikprofessor Roland Reichenbach. Von Martin Spiewak → DIE ZEIT Nº 41/2010, 8. Oktober 2010
Roland Reichenbach - Welche Schule brauchen wir? An wenigem wird so herumgemäkelt wie an den Schulen. Doch das Schweizer Bildungssystem ist besser, als sein Ruf, sagt Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach. Er warnt vor Reformen, die in unüberlegte Trendanpassungen ausarten. Barbara Bleisch im Gespräch mit dem streitbaren Bildungsforscher. Sternstunde vom 28.06.2015
Autoreninfos
Roland Reichenbach (Jahrgang 1962) ist ein Schweizer Pädagoge und Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich. Er erwarb zunächst das bernische Primarlehrerpatent, bevor er von 1984 bis 1989 an der Universität Freiburg in klinischer Psychologie, allgemeiner und pädagogischer Psychologie sowie philosophischer Ethik studierte. Nach der Promotion 1993 und der Habilitation 1999 lehrte er an verschiedenen Universitäten, darunter in Münster und Basel, bevor er 2013 den Lehrstuhl für Allgemeine Erziehungswissenschaft in Zürich übernahm. Reichenbachs Forschungsschwerpunkte liegen in der Bildungs- und Erziehungsphilosophie, der pädagogischen Ethik, der politischen Bildung sowie in Fragen der Verhandlungs- und Kommunikationsprozesse in Bildungszusammenhängen; er hat zu diesen Themen zahlreiche Monographien und Sammelbände veröffentlicht.
Wikipedia (DE): Roland Reichenbach
Hans-Christoph Koller (Jahrgang 1956) ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und emeritierter Universitätsprofessor mit Schwerpunkt auf qualitativer Bildungsforschung, Bildungstheorie und Wissenschaftstheorie. Er studierte Erziehungswissenschaft, Germanistik und Politikwissenschaft und wurde 1989 an der Universität Hamburg mit einer Arbeit zu Erziehungskonzepten bei Pestalozzi und Jean Paul promoviert. 1997 habilitierte er sich mit einer Untersuchung zu Struktur und Theorie biografischer Bildungsprozesse. Von 1998 bis zu seiner Emeritierung 2022 lehrte er als Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und prägte dort die Bildungs- und Transformationsforschung. In seinen Publikationen beschäftigt er sich vor allem mit Bildung als transformatorischem Prozess, mit Biografieforschung und mit dem Erkenntnispotenzial literarischer Texte für die Erziehungswissenschaft. Darüber hinaus war er in Fachgesellschaften und Forschungsverbünden aktiv und wirkte an zahlreichen Sammelbänden und Projekten zur empirischen und theoretischen Bildungsforschung mit.
Wikipedia (DE): Hans-Christoph Koller
Norbert Ricken (Jahrgang 1963) ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und Hochschullehrer mit dem Schwerpunkt Theorien der Erziehung und Erziehungswissenschaft. Er studierte Geschichte, Philosophie, Theologie und Erziehungswissenschaft in Bochum, Tübingen und Münster und schloss 1990 mit dem Ersten Staatsexamen ab. Anschließend war er von 1991 bis 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Münster, wo er 1997 promovierte und später 2004 habilitierte; seine Forschung befasste sich unter anderem mit Subjektivität, Kontingenz sowie Bildungs- und Machtfragen. Zwischen 2004 und 2014 lehrte er als Hochschullehrer an der Universität Bremen im Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften und übernahm 2014 eine Professur an der Ruhr-Universität Bochum, wo er die Arbeitsgruppe „Theorien der Erziehung und Erziehungswissenschaft“ leitet. Ricken forscht und publiziert zu Theorie und Geschichte der Erziehung, philosophischen und anthropologischen Aspekten der Pädagogik sowie Subjektivierungs- und Anerkennungstheorien und ist in erziehungswissenschaftlichen Fachgesellschaften aktiv; er fungierte zudem in Gremien wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft.