Feueralarm
Walter Benjamins Thesen "Über den Begriff der Geschichte"
Als sich Walter Benjamin im Jahr 1940 auf der Flucht vor den Nazis in den Pyrenäen das Leben nahm, trug er ein Manuskript bei sich, das sich als einer der wichtigsten philosophischen und politischen Texte des 20. Jahrhunderts erweisen sollte: die Thesen „Über den Begriff der Geschichte“. Innerhalb des revolutionären Denkens ist es vielleicht das bedeutendste Dokument seit Marxʼ „Thesen über Feuerbach“.
Dem Urteil Michael Löwys zufolge ist dieser Text voller Rätsel, Anspielungen, Bilder, Allegorien und zündenden Einsichten, durchsetzt von seltsamen Paradoxien und Geistesblitzen. Um ihn in all seinen Bezügen zu begreifen, bedarf es einer sorgfältigen Interpretation Wort für Wort und Satz für Satz.
Benjamins Thesen gehören zum Innersten seines Denkens und stellen eine Auffassung von Geschichte dar, die dem Fortschrittsgedanken zuwiderläuft. Sie sind eine wahrhaft dialektische Verknüpfung von deutscher Romantik, marxistischem und messianisch-jüdischem Denken, das im 20. Jahrhundert die Überwindung des Dogmas durch die Einsicht markiert.
Über den Begriff der Geschichte Die 18 Thesen bei textlog.de
Wikipedia (DE): Über den Begriff der Geschichte
Originaldokumente (handschriftliche und maschinengeschriebene Notizen) von Benjamin Walter zu Über den Begriff der Geschichte bei Wikimedia Commons (23.07.2026)
Wikipedia (DE): Thesen über Feuerbach (Marx)
Pressestimmen
„Lowys genaue Lektüre … folgt Benjamins Text These für These, bringt die hervorstechenden Kritiken des orthodoxen marxistischen Diskurses zum Vorschein und hebt die Unterbrechungen dieses Diskurses hervor, die Unterbrechung des Zeitkonzepts, das ihm zugrunde liegt, durch Benjamins Einfügung der messianischen Zeit in die Banalität des Fortschritts.“Jewish Quarterly
Löwy ist sensibel für Benjamins tiefe Angst und die tragische Vision der Welt und verfolgt die Entwicklung dieser „revolutionären Melancholie“, die von der Wiederholung von Katastrophen heimgesucht wird … Es ist ungewöhnlich, die Tiefen eines Textes auf diese Weise zu erkunden, aber es stimmt, dass wir es hier mit dem Text eines außergewöhnlichen Denkers zu tun haben. Le Monde
Quelle: Mangroven (23.07.2026)