Der Blinde und der Taube
Roman
Der blinde Aamir arbeitet als Brotverkäufer. Auch ohne zu sehen, weiß er genau, wie das Brot beschaffen ist, und kennt die Stimmen der Kundschaft wie auch diejenige von Hamdan, dem jungen Bäckergehilfen, zu dem er ein beinahe väterliches Verhältnis pflegt. Als bekannt wird, dass in einer Baumkrone beim nahe gelegenen Grab des heiligen Abdalati dessen Gesicht erschienen ist und bereits einige Bitten um Wunder Gehör gefunden haben, beschließt Aamir trotz großer Bedenken, Abdalati zu besuchen ...
... - in Erinnerung an seine verstorbene Mutter, die ihn als Kind auf ihre Pilgerreisen mitgenommen hatte, um für sein Augenlicht zu beten.
Auf seinem Weg zur heiligen Stätte begegnet er Abu Kais, einem gehörlosen Mann, der zufällig aus demselben Heimatort stammt. Die beiden werden Freunde und finden gemeinsam schnell heraus, dass das Gesicht im Baum nur ein großer Pilz ist. Aber ihre Begegnung versetzt sie in eine neue Gewissheit über ihr Dasein und bereichert ihren Alltag mit unerwarteten Erkenntnissen.
Ghassan Kanafanis letzter Roman ist inhaltlich und formal von erstaunlicher Schönheit, gerade auch wegen seiner Tragikomik. Eine Geschichte über unverhoffte Freundschaft, über die Bedeutung von Glück und die magische Wirkung von Wundern aller Art.
Aus dem Nachlass des Autors, zum ersten Mal auf Deutsch.
Autoreninfos
Übersetzt von
Joël László, geboren 1982 in Zürich. Studium der Nahostwissenschaften und der Geschichte. Längere Aufenthalte in Kairo sowie wissenschaftliche Publikationen zu neuerer türkischer und ägyptischer Geschichte. Neben seiner Tätigkeit an der Universitätsbibliothek Basel arbeitet er als Autor und Übersetzer. Für den Lenos Verlag übertrug er Werke von Ibtisam Azem und Asmaa al-Atawna ins Deutsche. Seine Theaterstücke und Hörspiele wurden mehrfach ausgezeichnet. Er lebt in Basel.