Stig Dagerman (1923-1954) wurde 1946 von der schwedischen Zeitung »Expressen« beauftragt, Deutschland zu bereisen und ein Bild des zerstörten Landes nach dem Weltkrieg zu geben. Ein Reisebericht in 13 Stationen über Berlin, Hamburg, das Ruhrgebiet, Frankfurt, Heidelberg und München, aber auch über die dazwischenliegenden ländlichen Regionen, über Zugfahrten, Politikerauftritte und Gerichtsprozesse entstand in diesem regnerischen Herbst 1946, der geprägt ist von Ruinen und Hunger, unterdrückter Kontinuität nationalsozialistischen Denkens und dem erhofften Aufbruch durch die alliierte Demokratisierung. Stig Dagerman begegnet den Menschen auf seiner Reise nie mit moralischer Überlegenheit - sondern mit Interesse und Mitgefühl, im Versuch, die gesellschaftliche wie persönliche Situation jedes Einzelnen zu verstehen.
Aus meinem Bücherregal - Folge 17: "Zerborstene Zeit" und "Deutscher Herbst"
auf YouTube (14.11.2022) 5:18
In der neuen Folge von „Aus meinem Bücherregal“ geht es um die erst kürzlich erschienen Bücher „Deutscher Herbst“ von Stig Dagermann und „Zerborstene Zeit“ von Michael Wildt.
Michael Wildt ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus. In seinem Buch „Zerborstene Zeit“ behandelt er die Deutsche Geschichte von 1918 bis 1945. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges sind besonders die Kapitel über die Stadt Lemberg/Lwiw/Lwow zu empfehlen, die das Licht auf eine viel zu unbekannte Gewaltgeschichte Osteuropas werfen.
Stig Dagerman war ein schwedischer Journalist mit dem Auftrag, Deutschland zu bereisen und seine Eindrücke als Reportagen festzuhalten. Er liefert eine unvoreingenommene und pointierte Sicht auf das zerbombte Deutschland des Jahres 1946.