Aldo Moro (1916–1978) war ein italienischer Jurist, Hochschullehrer und christdemokratischer Politiker und eine der prägenden Persönlichkeiten Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg. Als führender Vertreter der Democrazia Cristiana (DC) war er mehrfach Minister, von 1963 bis 1968 sowie 1974 bis 1976 Ministerpräsident und über längere Zeit Außenminister. Er gehörte dem linken Flügel der DC an und verfolgte eine Politik der Verständigung zwischen den traditionell getrennten politischen Lagern. In den 1970er Jahren unterstützte er die schrittweise Einbeziehung der Kommunistischen Partei (PCI) in die Regierungsverantwortung – den sogenannten „historischen Kompromiss“ –, der angesichts des Kalten Krieges auch international erhebliche Bedeutung besaß. 

Am 16. März 1978, ausgerechnet an dem Tag, an dem eine von Giulio Andreotti geführte Regierung mit parlamentarischer Unterstützung des PCI bestätigt werden sollte, überfielen Mitglieder der linksterroristischen Roten Brigaden Moros Wagenkolonne in der Via Fani in Rom, erschossen seine fünf Begleiter und entführten ihn. Während der 55-tägigen Gefangenschaft schrieb Moro zahlreiche eindringliche Briefe und forderte seine Parteifreunde zu Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch auf; die italienische Staatsspitze hielt jedoch mehrheitlich an der „Linie der Härte“ fest. Am 9. Mai 1978 erschossen die Entführer Moro und ließen seine Leiche im Kofferraum eines Renault 4 in der Via Caetani zurück – symbolträchtig in der Nähe der Parteizentralen von DC und PCI. 

Die Täterschaft der Roten Brigaden ist durch Prozesse, Geständnisse und Verurteilungen umfassend belegt; dennoch gilt der „Caso Moro“ in wichtigen Einzelheiten bis heute nicht als restlos aufgeklärt. Widersprüche betreffen unter anderem die genaue Zusammensetzung des Kommandos, einzelne Abläufe des Überfalls und die Frage, ob andere politische oder geheimdienstliche Kreise Kenntnisse von der Entführung hatten oder sie beeinflussten. Gesichert ist die operative Verantwortung der Roten Brigaden; nicht vollständig geklärt sind mögliche Hintergründe, Mitwisser und das auffällige Versagen staatlicher Stellen bei der Suche nach einem der bestbewachten und bekanntesten Politiker Italiens. 

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