Einstein Forum (Medienpräsenz)

1:24:50

Vortrag im Einstein Forum am 10. Februar 2026

Albert Einsteins letzte Lebensjahre bergen einen lange verborgenen Schatz: Seine enge Freundin Johanna Fantova protokollierte täglich, was Einstein ihr ganz spontan anvertraute. Diese erstmals im Wortlaut veröffentlichten Notizen eröffnen einen einzigartigen Blick auf die Gedankenwelt des Jahrhundertgenies — über Wissenschaft, Politik, Liebe und das Altern.

Bis wenige Tage vor seinem Tod im Frühjahr 1955 spricht Einstein mit unvergleichlichem Witz, Scharfsinn und Weitsicht. Entstanden ist ein Zeitpanorama von ebenso großer historischer Bedeutung wie berührender Aktualität: Amerikas innere Zerrissenheit, der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, die Gefahr neuer Aufrüstung zwischen Ost und West sowie die Rolle Deutschlands im langen Schatten der NS-Vergangenheit. Themen, die Einsteins Hellsicht immer wieder tief ins Herz unserer Gegenwart treffen lässt.

Peter von Becker erzählt an diesem Abend die ebenso faszinierende wie bewegende Geschichte von Einsteins später Liebe, enthüllt die Rätsel um Johanna Fantovas Schicksal und zeichnet die Spuren des Mythos Einstein bis in unsere Zeit nach — mit verblüffenden Entdeckungen und überraschenden Einsichten.

Peter von Becker lebt als Publizist und Schriftsteller in Berlin. Nach Veröffentlichungen u.a. in der Süddeutschen Zeitung, der ZEIT und FAZ war er Mitherausgeber der Zeitschrift Theater heute und Feuilletonchef des Tagesspiegels. Er lehrte an der Berliner Universität der Künste, ist Autor von Romanen, Lyrik, einem Theaterstück und den Drehbüchern für die international erfolgreiche Fernsehserie »Das Jahrhundert des Theaters«. Zuletzt erschien von ihm im Frühjahr 2025 die Neufassung der Biografie Eduard Arnhold. Reichtum verpflichtet – Der Unternehmer und Kunstmäzen.

1:15:02

Die Arktis erwärmt sich im Mittelwert viermal schneller als die Erde; die Auswirkungen auf arktische Umwelt und Bevölkerung sind dramatisch. Gleichzeitig haben Veränderungen in der Arktis globale Konsequenzen, die auch Deutschland betreffen: Die rasante Erwärmung dieser Region beeinflusst unser Wetter und trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Damit verändert sich auch das geoökonomische Umfeld, da durch das Tauen des Meereises neue Schifffahrtswege befahrbar und Rohstoffe leichter zugänglich werden. Aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat insbesondere die sicherheitspolitische Bedeutung der Region stark zugenommen. Der Krieg belastet die internationale politische und wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Arktis, was ein gemeinsames Vorgehen gegen die Folgen der Klimakrise erheblich erschwert.

1:59:05

Als das »Unternehmen Barbarossa«, der Angriff auf die Sowjetunion, am 22. Juni 1941 begann, befahlen deutsche Kommandeure, alle Juden und Kommunisten auf sowjetischem Boden zu ermorden. Das Massaker von Babyn Jar steht exemplarisch für die massenhafte Ermordung der jüdischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten im Osten, die kurz darauf zur Blaupause für die Ermordung der Juden im restlichen besetzten Europa wurde. Die Sowjetunion (insbesondere Russland, die Ukraine, das Baltikum und Weißrussland) war das Zentrum von Deutschlands Vernichtungspolitik und zahlte den höchsten Blutzoll im Zweiten Weltkrieg. Auf Basis von weitgehend unbekannten Zeugnissen schildert Jochen Hellbeck, wie die Menschen dort, Juden wie Nichtjuden, die deutsche Besatzung erlebten. Die Berichterstattung über die barbarischen Taten der Deutschen mobilisierte die ganze Gesellschaft und motivierte die Soldaten der Roten Armee bei ihrem Vordringen in Richtung Berlin — ein entscheidender Faktor für den alliierten Sieg über Deutschland.

1:30:40

Wenn es stimmt, dass eine „Zeitenwende“ im Gange ist, dann ist ein Haupttreiber dafür sicherlich der Aufstieg der digitalen sozialen Medien. Allgegenwärtig verfügbar, haben sie unsere Art zu denken, zu fühlen und zu diskutieren unwiderruflich verändert. Die Kommunikationsformen, die sie bieten, haben Impfskepsis, Verschwörungsdenken, Rigidität, den Verlust von Empathie und Mitgefühl, die Unfähigkeit zu Kompromissen und die Überhöhung persönlicher Überzeugungen über alles andere angeheizt. Die heutige Gesellschaft durchläuft einen beispiellosen Stresstest, während wir uns mit der digitalen Revolution und ihren Folgen auseinandersetzen.


If it is true that a »Zeitenwende« is underway, then a primary driver has surely been the rise of digital social media. Ubiquitously available, they have irrevocably changed how we think, feel, and debate. The forms of communication they provide have fueled vaccine skepticism, conspiracy thinking, rigidity, the loss of empathy and compassion, the inability to compromise, and the placement of personal beliefs above all else. Today’s society is undergoing an unparalleled stress test as we reckon with the digital revolution and its consequences.

59:53

Simone Horstmann: Gewalt an Tieren als religiöses Signum? Gewalt an Tieren als religiöses Signum? Zur (Un-)Möglichkeit einer christlichen Tiertheologie

Viele heutige Theologien stehen vor der – vielleicht unmöglichen – Aufgabe, ihr hochgradig anthropozentrisches Erbe zu transformieren und dabei insbesondere jene Strukturen zu überwinden, die zur Legitimation von Gewalt an (anderen) Tieren herangezogen wurden und werden. In dem Beitrag werden daher zunächst jene religiösen und theologischen Gründe und Muster problematisiert, die unterschiedliche Formen der Gewalt an Tieren stützen. In einem zweiten Schritt soll schließlich die Frage diskutiert werden, wie eine Theologie gestaltet sein kann, welche die kritischen Anfragen zu ihrem anthropozentrischen Erbe nicht als von außen an sie herangetragene Zumutung abwehrt, sondern produktiv in ihr Selbstverständnis zu integrieren vermag.

Simone Horstmann wurde 2014 an der Technischen Universität Dortmund promoviert. Ihre Arbeit mit dem Titel „Ethik der Normalität. Zur Evolution moralischer Semantik in der Moderne“ wurde mit dem Dissertationspreis der Universität ausgezeichnet. Seit 2014 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Katholische Theologie der TU Dortmund. Sie lebt gemeinsam mit drei Hunden, sechs Hühnern, zwei Katzen und einem Menschen in Unna. Zu ihren Forschungs- und Interessensschwerpunkten gehören Fragen der Tierethik und Ansätze einer post-anthropozentrischen Theologie.