Hexen vor Gericht!
Krisen, Angst und Massenmedien vor 1800. Hexenprozesse in Deutschland
Die Anatomie einer medial inszenierten Massenhysterie
Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert fegte ein Tsumani der Hexenverfolgung über das christliche Europa und insbesondere über Deutschland. Die Gründe für die gegenüber dem Mittelalter deutlich verstärkte massenhafte Verfolgung in einigen Regionen sind vielfältig. So gab es zu Beginn der Neuzeit eine Vielzahl an Krisen wie die Kleine Eiszeit, pandemische Seuchen und verheerende Kriege. Aber auch die hohe Kindersterblichkeit oder Viehseuchen, häusliche Gewalt sowie Erb- und Nachbarschaftsstreitigkeiten waren ein Treiber für den »Hexenwahn«.
Insgesamt wurden in Europa im Zuge der Hexenverfolgung geschätzt 40.000 bis 60.000 Personen wegen Hexerei hingerichtet. Frauen waren etwa fünf von sechs Opfern.
Kai Lehmann hat über mehrere Jahre eine private Datenbank aufgebaut, die mehrere tausend Orte umfasst. Aus diesem »statistischen« Fundus entsteht ein breites, faszinierendes Sittenbild der Alltagsgeschichte der Frühen Neuzeit.
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags
Rezension
Wohltuend ist, dass Lehmann die Hexenverfolgung nicht auf ein einfaches Erklärungsmuster reduziert. Sie war weder bloß Aberglaube noch allein kirchliches Versagen noch nur juristische Grausamkeit. Sie war ein vielschichtiges gesellschaftliches Phänomen, in dem Religion, Recht, Medien, soziale Konflikte und Krisenerfahrungen ineinandergriffen. Gerade diese Differenzierung macht das Buch wertvoll. Es hilft zu verstehen, wie gefährlich es wird, wenn komplexe Nöte in einfache Feindbilder übersetzt werden. theology.de (ohne Datum)