Beton
Massenkonstruktionswaffe des Kapitalismus

Beton verkörpert die kapitalistische Logik und stellt die konkrete Seite der Warenabstraktion dar. Wie diese löscht er alle Unterschiede aus. Als in astronomischen Mengen hergestelltes Industrieprodukt hat Beton die ganze Welt erobert, trotz seiner verheerenden Folgen für Umwelt und Gesundheit. Er hat die traditionellen Bauweisen verdrängt und alle Orte einander gleichgemacht. Monotonie des Materials, Monotonie der damit seriell, nach wenigen Modellen erstellten Bauten und geplante Obsoleszenz unterscheiden ihn von allen anderen Baumaterialien. Beton verwandelt Gebäude in Waren und trägt so zu einer Welt bei, in der wir nicht mehr zu Hause sind.

ISBN 978-3-99136-003-2 01.2023 20,00 € Portofrei Bestellen (Buch)

Anselm Jappe zeichnet die Geschichte des Betons nach, insbesondere die Propaganda seiner zahlreichen - allen Ideologien angehörigen - Befürworter und die Skepsis seiner wenigen Gegner; die Katastrophen, die er auf vielen Ebenen anrichtet. Schließlich soll auch gezeigt werden, was dieses Material mit der Wertlogik und der abstrakten Arbeit zu tun hat. Diese mit zahlreichen Beispielen angereicherte, unerbittliche Kritik des Betons ist gleichzeitig eine Kritik der modernen Architektur und des zeitgenössischen Urbanismus.

Mehr Infos

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Rezensionen

„Schade, dass Beton nicht brennt!“ - „Le béton est armé, et vous?“ – „Der Beton ist bewaffnet und ihr?“: Diese Frage, gestellt in einem Graffito aus den 1970er-Jahren (S. 18), scheint noch immer aktuell, sind es doch vor allem die hastig hochgezogenen, aus Stahlbeton konstruierten Trabantenstädte Frankreichs, aus denen heraus Revolte und Protest die Republik mit periodischer Regelmäßigkeit heimsuchen. Der Beton – oder präziser: der Stahlbeton – ist nicht nur der wichtigste Baustoff des modernen Industriekapitalismus. Mit der Verdrängung der Unterschicht aus den Innenstädten in die Banlieus ermöglicht er auch die Verdrängung der Klassenspaltung und der kapitalistischen Ausbeutung aus der unmittelbaren Sichtbarkeit. Von Till Hahn Soziopolis 19.10.2023 

Zurück zum Beton: Anselm Jappe versucht sich an einer Geschichte des Baustoffs, die sich vor allem durch Technikfeindlichkeit auszeichnet: In einem Jahr verschlingt die kapitalistische Bauwirtschaft genug Beton, um alle Hügel, Täler, Ecken und Winkel Englands zu überziehen. Beton, den es schon Jahrhunderte gibt, ist neben Wasser global die am häufigsten verwendete Substanz. Wäre die Zementindustrie ein Land, wäre sie nach China und den USA drittgrößter CO2-Emittent der Welt. Dieser Baustoff verkörpert, glaubt man dem deutsch-französischen Theoretiker Anselm Jappe, wie kein anderer die kapitalistische Logik. Das Gemisch aus Zement und Splitt stelle, aufgrund seiner bestimmten Eigenschaften, sogar die »konkrete Seite der Warenabstraktion dar«. Im Beton zeigt sich das Kapital in einem Stoff. Doch es ist nicht der Beton, der dem Kapitalismus laut Jappe als Massenkonstruktionswaffe dient, sondern vielmehr der Stahlbeton. Von Thomas Waimer analyse & kritik 19.09.2023

Beton im Kapitalismus: Nicht schwarz oder weiß: In seinem Buch »Beton« rekonstruiert Anselm Jappe die Geschichte des Baustoffs als Siegeszug des Kapitalismus: Beton ist grau, roh, unansehnlich – und faszinierend. Gebäude, bei denen Beton im Vordergrund steht, sind eine Zumutung im besten Sinne. Sie spiegeln keine schöne und heile Welt vor, sondern verlangen gerade, sich dieser beschädigten Welt zu stellen. Von Nikolas Lelle Neues Deutschland 14.07.2023

Buchkritik: „Beton. Massenkonstruktionswaffe des Kapitalismus“ von Anselm Jappe. [Podcast 5:50] Von Martin Tschechne Deutschlandfunk 09.03.2023

Mediathek

Anselm Jappe: "Beton als Massenkonstruktionswaffe des Kapitalismus", Wien, 7.11.2023
Club of Vienna YouTube (27.11.2023)

Autoreninfos

Anselm Jappe ist 1962 in Bonn geboren und hat in Rom und Paris Philosophie studiert. Er unterrichtet Ästhetik an der Kunsthochschule Rom. Auf Deutsch hat er Schade um Italien und Die Abenteuer der Ware veröffentlicht, Guy Debord und La Société autophage auf Französisch. Er hat sich mit Guy Debord und den Situationist:innen sowie der Kritik am Kapitalismus beschäftigt, vor allem in den Zeitschriften Krisis und Exit!.

Wikipedia (DE): Anselm Jappe

Autoren

Erstellt: 02.02.2026 - 13:44  |  Geändert: 02.02.2026 - 17:58