Verfassungswidrig! Das KPD-Verbot im Kalten Bürgerkrieg von Josef Foschepoth

War das KPD-Verbot verfassungswidrig? Die unglaubliche Antwort von Josef Foschepoths neuem Buch lautet: Ja! Weil das Verfahren zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der KPD selbst verfassungswidrig war. Das gesamte Verfahren ist von Anfang an zwischen der Exekutive und der Judikative, der Bundesregierung und dem Bundesverfassungsgericht strategisch, taktisch und inhaltlich abgestimmt worden. Es gab keine getrennten Gewalten mehr, sondern nur noch einen Staat, der unter dem Druck der Bundesregierung darauf bestand, dass die KPD verboten wurde.

ISBN 978-3-525-30181-4     40,00 €  Portofrei     Bestellen

In einem umfangreichen Dokumentarteil werden die bislang unter Verschluss gehaltenen hochbrisanten Dokumente, die die zentrale These des Buches eindrucksvoll belegen, erstmals der Forschung und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der "Staatsprozess" gegen die KPD war das größte, längste und umstrittenste Parteiverbotsverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Nach fast fünfjähriger Prozessdauer verkündete das Bundesverfassungsgericht am 17. August 1956 das Urteil. Die KPD, alle Neben- und Nachfolgeorganisationen wurden verboten, ihr Vermögen eingezogen. Der größte Teil wurde vom Bundesinnenministerium zur Finanzierung des Vollzugs des KPD-Verbots in Anspruch genommen. Der Rest in Höhe von 4,83 Mio. DM wurde 1976/77 der Conterganstiftung für behinderte Menschen überwiesen.

Als Instrument des Kalten Bürgerkriegs, verfolgt im Westen, gesteuert vom Osten, lebte die illegale Partei bis 1969 weiter. Als weder die Bundesregierung, noch die SED an einer Wiederbelebung der KPD interessiert waren, verständigten sich beide Seiten auf die Gründung und Duldung einer neuen kommunistischen Partei, die DKP. Damit war der Weg zu einer neuen Ost- und Deutschlandpolitik der SPD-geführten Bundesregierung geöffnet, das Ende des Kalten Bürgerkriegs in Sicht. Das KPD-Verbot ist ein Schlüsselereignis der deutsch-deutschen Geschichte zwischen 1949 und 1969. Dem Erfolgsautor von "Überwachtes Deutschland" ist erneut ein bahnbrechendes Buch gelungen. Es vermittelt eine Fülle neuer Erkenntnisse und Einsichten zur Wirkmächtigkeit des Nationalsozialismus, zur Entstehung eines neuen Nationalismus, zur notwendigen Unterscheidung von Kaltem Krieg und Kaltem Bürgerkrieg, zur Bedeutung einer deutsch-deutschen Beziehungsgeschichte und nicht zuletzt zur Frage der Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland.

Mehr Infos...

Extrem gegen links Historiker Josef Foschepoth zeigt, dass das KPD-Verbot im Jahr 1956 verfassungswidrig war. Selbst einem der Scharfmacher lastete das später auf dem Gewissen. Rezension von Ralf Husemann → SZ 08.10.2017

Bundesarchiv gibt Akten zum KPD-Verbot frei "Verfassungsrichter wurden politisch instrumentalisiert" Josef Foschepoth im Gespräch mit André Hatting. → Deutschlandfunk Kultur 17.08.2017

Kommunistenverfolgung in der alten Bundesrepublik Lukkas Busche 29.4.2016 Zur Situation der politisch Inhaftierten im Strafgefängnis Wolfenbüttel der 1950er und 1960er Jahre am Beispiel des Berthold K. → bpp 29.04.2016

Historiker kämpft um Freigabe von Geheimakten. Der Freiburger Professor Josef Foschepoth forscht zur "Rolle der KPD im deutsch-deutschen Kalten Krieg". Auch die Geschichte der Bundesrepublik wird von ihm kritisch aufgearbeitet. → Badische Zeitung 09.11.2009.

 

Erstellt: 08.10.2017 - 05:07  |  Geändert: 19.10.2017 - 05:23