Die Fahrt im Einbaum oder

Das Stück zum Film vom Krieg

von Peter Handke. Inszenierung: Wolfgang Schulz

Premiere am Samstag, 11. Dezember 1999, 20 Uhr
in der Werkstattbühne, Rüdigerstr. 4, 97070 Würzburg

Ort der Handlung in Peter Handkes aktuellem, zugleich poetischem Theaterstück ist die Halle des Hotels Acapulco in der kleinen Provinzstadt, gelegen in einem Schluchtkessel im innersten Balkan. Dort treffen sich zwei Regisseure, der Amerikaner John O'Hara und der Spanier Luis Machado, um die Darsteller für einen geplanten Film, zum ein Jahrzehnt zurückliegenden Krieg in dieser Gegend, zu bestimmen.

Und so lassen sie, teils nacheinander, teils miteinander, die möglichen Akteure des Film - einen Fremdenführer, einen Historiker, drei Journalisten - auftreten. Sie tragen ihre Sicht der Geschehnisse auf dem Balkan vor. Damit werden den beiden Regisseuren die Widersprüche in dieser Region vorgeführt: alle gegensätzlichen Beurteilungen und Schuldzuweisungen sind während dieses Defilées in der Hotelhalle zu hören.

Doch - so ist dieses Land -: neben denen mit eindeutiger Haltung gibt es immer die ganz anderen: der Waldläufer, ein Häftling, eine Fellfrau. Die Bergwiesen mit den Buchen und birken; die grünen Gebirgsflüsse und die lautlosen Ströme mit den Einzelmenschen verstreut an den Ufern: das ist der Balkan! Anderer Herren Länder haben als Heiligtum ein Schloss oder einen Tempel. Unser Heiligtum hier ist der Einbaum. Am Fluss stehen: das ist Frieden. An den Flüssen stehen: das wird Frieden sein.
 
Aber es wird keinen Frieden geben und keinen Film. Beide Regisseure sagen den Film ab. Der Spanier stellt fest: Die Gesellschaft zerfällt mehr und mehr in Horden. Und diese gebärden sich um so hordenhafter, je stärker die Lüge von der Gesellschaft und Gemeinschaft weitergeistert und einschreitet als Erpressung gegen all jene außerhalb der Horden, die mehr und mehr Vereinzelten. Die Horden bilden keine Cliquen mehr, sondern stehen zusammen als eine einzige große Clique, und diese nennt sich "die Welt" und ist die neue Welt-"Gesellschaft", in Wahrheit eine einzige Geld- und Moralhorde, hinter deren Süßholzgeraspel die gänzliche Verrohung... Unerhörte Zeit! Ende der Gesellschaft!

Und der Amerikaner schließt sich an:... wir Menschen sind, und das ist endgültig, untereinander an die Falschen geraten, jedes System ist entzaubert; der Mensch ist des Menschen Wolf, das Volk ist dem Volke Wolf. Kein Himmel mehr wird je den Gerechten tauen. Die Drachensaat der Geschichte ist aufgegangen und besetzt, ineinander verbissen, lückenlos die Erde. Es ist die Zeit nach den letzten Tagen der Menschheit, unabsehbare Zeit.

Das Stück liegt auch in Buchform vor:  bestellen              


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Stand: 01. Februar 2006
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