Lieber tot als rot. Gewerkschaften und Militär in Deutschland seit 1914. Von Malte Meyer

Deutsche Gewerkschaften: Teil der Friedensbewegung oder "Organe des imperialistischen Staates", wie radikale Linke schon während des Ersten Weltkriegs meinten? Der Frage nach dem Verhältnis von Gewerkschaften und Militär geht das Buch anhand wichtiger historischer Stationen auf den Grund. Außerdem untersucht es die gewerkschaftliche Alltagspraxis in Rüstungskonzernen wie Repressionsapparaten und beschäftigt sich mit Gewerkschaftsstatements zur Remilitarisierung deutscher Außenpolitik seit 1990.

ISBN 978-3-942885-71-3     19,80 €  Portofrei     Bestellen

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Vorabdruck des Kapitels10 → Abwehrkämpfe gegen die Friedensbewegung – Gewerkschaften in den 80er-Jahren
In den 1970er-Jahren gelangten Männer an die Spitze der westdeutschen Gewerkschaften, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entweder bereits das Erwachsenenalter erreicht hatten oder aber kurz davor waren. (…) Allen genannten (und noch einigen weiteren) ist neben ihrer SPD-Mitgliedschaft und ihrem Chefposten gemeinsam gewesen, dass sie im Zweiten Weltkrieg Wehrmachtssoldaten waren. Einen ihrer Funktionärskollegen (und Weltkriegskameraden), den vormaligen IG BSE-Vorsitzenden Georg Leber, beförderte die Gewerkschaftskarriere zwischen 1972 und 1978 sogar an die Spitze des Bundesverteidigungsministeriums. Hatten in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten noch etliche antifaschistische Widerstandskämpfer und Emigranten an der Spitze westdeutscher Gewerkschaften gestanden, so ähnelte die gewerkschaftliche Führungsriege der 1970er-Jahre eher einem „Kabinett ehemaliger Frontsoldaten“ (…) Ebenfalls noch immer nicht ausreichend erforscht sind die Auswirkungen, die die Kriegserfahrungen von Wehrmachtssoldaten auf ihr späteres (Berufs-)Leben hatten. Für das Milieu der späteren SPD-Funktionäre unter ihnen kann einer kritischen Biografie des Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt aber immerhin entnommen werden, dass insbesondere die Kameradschaft im Krieg nachträglich oft verherrlicht und gelegentlich sogar zum Idealtypus von Solidarität stilisiert wurde…” Wir danken Verlag und Autor!

 

 

Erstellt: 02.12.2017 - 12:51  |  Geändert: 02.12.2017 - 13:31

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