Aktuell: +++ 19.11.2014, 20.15 Uhr: Kein Freihandel für Waffen! Veranstaltung mit Andreas Zumach  +++ 27.11.2014, 20.15 Uhr: Literatur zur Abendstunde 2014

Man kann bei der Wahl seiner Buchhandlung gar nicht vorsichtig genug sein

Warum es unabhängige Buchhandlungen braucht

Die allseits beliebten Bestsellerlisten (nicht zu verwechseln mit den Bestenlisten) dürfen wohl auf keiner buchhändlerischen Web-Site fehlen. Auch wenn sie von uns kritisch gesehen werden, wollen wir sie den Besuchern unserer Web-Site nicht vorenthalten. Man kann solche Listen duchaus auch nutzen, um sich über Trends, gesellschaftliche Entwicklungen, Massenphänomene zu informieren und sei es nur, um festzustellen, wie weit man selbst davon entfernt ist. Im Buchladen Neuer Weg werden Bestsellerlisten bestenfalls zur Lagerkontrolle genutzt, es soll dem Kunden an nichts fehlen. Einfluß auf Sortimentsauswahl, eigenes Leseverhalten, Präsentation und persönliche Beratung haben sie nicht. Richtig ist auch: nur weil ein Buch auf einer Bestsellerliste steht, bedeutet das nicht automatisch, dass es schlecht sein muss; nur verstellen solche Listen oftmals den Blick auf Wichtigeres, Anspruchsvolles, Schwieriges, Kritisches, auf die leiseren Töne das, was nicht mit großem Marketinggetöse und Konzerninteressen einhergeht.

"Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zurzeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht."

Dieser Satz von Kurt Tucholsky drückt aus, was auch uns heute Sorge bereiten muss. Wenn auch die Rolle von  Kirchen und Parteien, im Unterschied zu Tucholskys Zeiten heute weitgehend von Konzernen übernommen wird, zeugt das von einer noch größeren Machtkonzentration und damit einhergend, gewachsenen Gefahr für unsere Freiheit und damit der eingeschränkten Fähigkeit, unsere Zukunft selbst zu gestalten. Einfalt statt Vielfalt. Eine Bücherwelt, statt viele Bücherwelten. Wenige globale Unternehmen, die alle Möglichkeiten nutzen, Profitie zu maximieren, Steuern und Abgaben zu minimieren, was in erster Linie zu Lasten der Beschäftigten geht: Ein Arbeitsplatz in der schönen neuen Welt statt vier bis fünf im traditionellen Handel, das ist ohne massiven Einsatz von Kapital, Technik, Fossiler Energie, Fließbandarbeit, Schichtbetrieb rund um die Uhr und Verlagerungen von Arbeiten auf den Kunden nicht zu erreichen. Ob diese Entwicklung immer so weiter geht, darüber entscheiden auch Sie, lieber Leser.

Der Buchladen Neuer Weg versucht, im Rahmen seiner bescheidenen Kräfte, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen, in erster Linie durch ein differenziertes Angebot und Sortiment, das diese Bezeichnung auch verdient, aber auch durch Veranstaltungen und Unterstüzung verschiedener Initiativen. Aktuell haben sich vier Würzburger Buchhändler in der Initiative "Lass den Klick in Deiner Stadt" zusammengetan  Der Neue Weg ist Teil dieser Initiative und mit deren Startschuss sollte auch unsere neugestaltete Web-Site (Basis ist ein leistungsfähiges CMS)  deutlich machen, dass wir uns den Herausforderungen der Zukunft stellen und nicht in Resignation und Selbstmitleid zu verfallen gedenken, auch wenn, und das soll  hier nicht schöngeredet werden, die Bedingungen für das Überleben unabhängiger Buchhandlungen sich rasant verschlechtert haben. Dazu trägt sicher bei, dass es uns bisher nicht gelungen ist, unsere Leistungen für den einzelnen Konsumenten wie die Gesellschaft hinreichend zu vermitteln, was leicht gesagt, aber schwer getan ist.

Denn der unabhhägige Buch- und Einzelhändler wird von vielen Seiten in die Zange genommen: Staat und Kapital (Banken), Steigende Steuern und Abgaben, Zwangsarbeit für staatliche Stellen, Gesetzesflut und Abmahnvereine, Kostendruck bei gleichzeitigem Margenverfall, wachsender Informations- und Verpackungsmüll, Mißachtung und Diskriminierung durch Politik und Medien, Staatliche Einrichtungen, die wir mit Steuern und Abgaben finanzieren, und die kostenlos Werbung für Amazon machen, Stadtplaner als Erfüllungsgehilfen von Großinvestoren, Bürokraten und Erbsenzähler, Kleingeister aller Art, Verbandsfunkionäre, die unsere Beiträge verzocken, Lieferanten die uns wie Bittsteller behandeln, Konsumenten, die zwar unsere Dienstleistungen nutzen, um dann bei großen  Internethändlern zu kaufen.

Allein auf uns gestellt haben wir keine Chance. Doch wir glauben daran, dass der momentane Trend nicht unumkehrbar ist, dass es zunehmend Menschen gibt, die sich nicht nur als Kunde und Konsument begreifen, sondern sich auch ihrer Rolle als Produzenten und soziale Wesen bewußt sind, die wissen, dass sie auch einen Arbeitsplatz für sich und einen Ausbildungsplatz für ihre Kinder brauchen, die nicht nur irgendeinen Arbeitsplatz benötigen, sondern auch eine sinnvolle Arbeit, die den Wert eines funktionierenden Gemeinwesen zu schätzen wissen und die nicht in einer Gesellschaft leben wollen, in der alles dem Profit- und Konkurrenzprinzip unterworfen ist.

In einer zunehmend komplexeren Welt brauchen wir vielseitig interessierte, gebildete, kritische, mitfühlende, kulturvolle Menschen. Das kann auch Spaß machen. Dazu einen Beitrag zu leisten und uns mit anderen dabei vielfältig zu vernetzen ist unsere Mission.

Weitere Infos